Krankmacher IT-Job

10. April 2006 um 16:30
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Müdigkeit, Nervosität, Magenschmerzen: IT-Mitarbeitende leiden überdurchschnittlich oft an psychosomatischen Beschwerden – Vorstufen zum Burnout.

Grafik: Ein Vergleich der Häufigkeit (in Prozenten) von psychischen und körperlichen Beschwerden bei IT-Projektmitarbeitenden (schwarz) und dem deutschen Duchschnitt (grau).
Müdigkeit, Nervosität, Magenschmerzen – Das ist nicht der Anfang eines Werbespots für Klosterfrau Melissengeist oder Ginseng-Dragées sondern drei der Beschwerden, unter denen IT-Leute gemäss einer aktuellen Untersuchung aus Deutschland überdurchschnittlich oft leiden. Über chronische Müdigkeit beklagen sie sich rund viermal öfter als der Durchschnitt der Beschäftigten, über Nervosität und Magenschmerzen rund dreimal öfter (siehe Grafik). In der Schweiz dürften die Verhältnisse in dieser Beziehung durchaus ähnlich sein.
41 Prozent der Befragten wiesen massive Anzeichen einer chronischen Erschöpfungssymptomatik auf, 31 Prozent konnten nach eigener Aussage nach der Arbeit nicht mehr "abschalten", was als Vorstufe zum Burnout-Syndrom gelte – so fassen die beiden Autoren der Studie, Dr. Anja Gerlmaier und Dr. Erich Latniak vom Gelsenkirchener Institut Arbeit und Technik zwei der Wichtigsten Ergebnisse ihrer Untersuchung zusammen.
Gerlmaier und Latniak beobachteten für ihre Langzeitstudie sieben Teams, die in Software-Entwicklungs- und -Beratungsprojekten der IT-Industrie beschäftigt waren, im Durchschnitt 16 Monate lang.
Ursachen für die Beschwerden sind gemäss den Autoren widersprüchliche Arbeitsanforderungen, überlange Arbeitszeiten und Leistungsdruck. In den Projekten wirkten sich vor allem permanenter Zeitdruck, nicht geplanter Zusatzaufwand und Arbeitsunterbrechungen, die, verschärft durch restriktive Zeitvorgaben und Abgabetermine, zu ausufernden Arbeitszeiten beitrugen, aus. Spezifische Gründe dafür waren zum Beispiel die gleichzeitige Mitarbeit in mehreren Projekten, ungeplante Zusatzaufgaben sowie Behinderungen durch unzureichende Arbeitsmittel, fehlende Entscheidungen aus dem Management oder mangelnde Kundenkooperation.
Zu einer Manifestierung der Belastungen in konkreten Beschwerden kam es gemäss Gerlmaier und Latniak vor allem in Situationen, wo die Mitarbeiter nichts dagegen unternehmen konnten, sei es durch Verhandlungen oder eigene Massnahmen. Auch positive Punkte in Atmosphäre eines Projekts oder Teams – freie Zeiteinteilung, gute Zusammenarbeit unter Kollegen oder interessante Aufgaben – hätten dies nicht kompensieren können.
Die Autoren der Studie regen einige Massnahmen gegen die Missstände an. So sollte man versuchen, möglichst zeitnah zu den Stressphasen Erholungsphasen zu ermöglichen. Regelmässige, über den Tag verteilte Pausen bei der Arbeit sowie ein möglichst konsequentes Freihalten der Wochenenden seien wesentlich wirksamer als längere Ferien am Stück oder sporadische Sabbaticals. (Hans Jörg Maron)

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