Krempelt Google Shopping den Schweizer Online-Markt um?

22. August 2011, 13:35
  • schweiz
  • e-commerce
  • carpathia
  • brack
image

Was Schweizer Onlinehändler und Preisvergleichsportale zum neuen Google-Dienst sagen.

Was Schweizer Onlinehändler und Preisvergleichsportale zum neuen Google-Dienst sagen.
Der US-amerikanische Suchmaschinenkonzern Google will mit seinem Preisvergleichsportal "Google Shopping" noch in diesem Jahr auch den Schweizer E-Commerce-Markt umkrempeln. Doch was bedeutet das für die bisher bekannten Vergleichsportale in der Schweiz und die Händler? Inside-channels.ch hat sich umgehört.
Die Tage der Preissuchmaschinen sind gezählt…
Für Thomas Lang, Geschäftsführer und Inhaber des E-Business- und E-Commerce-Spezialisten Carpathia, sind die Tage der Preisvergleichsportale gezählt: "Es gibt praktisch keinen Grund mehr, eine Preissuchmaschine aufzusuchen." Google Shopping werde einen Preisvergleich gleich innerhalb der Suchresultate erlauben, weshalb der potentielle Kunde gar kein externes Vergleichsportal mehr ansurfen müsse, so Lang. In Deutschland, wo der Dienst von Google bereits online ist, würden Shops wie otto.de, conrad.de oder weltbild.de bereits rund einen Viertel ihres gesamten Such-Traffics via Google Shopping generieren.
...oder doch nicht?
Jörg Schlimm vom wohl bekanntesten Schweizer Vergleichsportal toppreise.ch bleibt aber gelassen. Man könne zwar "beim besten Willen" nicht voraussagen, wie sich der Einstieg von Google auf die vorhandenen Preisvergleiche auswirken werde. In Deutschland habe es nach der Lancierung von Google Shopping jedoch "nochmals einen kleinen Push" für die Preisvergleichsportale gegeben, denn durch Google seien Personen auf das Thema Preisvergleich aufmerksam geworden, die derartige Portale bisher nicht genutzt hätten.
Das sieht auch Patrick C. Price so, dessen Idealizer AG unter anderem das Vergleichsportal vergleiche.ch betreibt. Zwar werde es etwas Unruhe und Ängste bei den bestehenden Vergleichsanbietern geben, doch dies werde sich rasch wieder legen, denn: "Google Shopping wird eine Vielzahl von Merchants gewinnen müssen, bis das Produkt-Angebot auf Google Shopping mit demjenigen anderer Mitbewerber mithalten kann", so Price gegenüber inside-channels.ch. Zur wirklichen Gefahr werde das Angebot erst, wenn Google seine Services verknüpfe. "Wenn jemand beispielsweise ein iPad kaufen möchte und auf dem Handy die Standorte von iPad Händlern in seiner Umgebung sieht, die Produkt-Bewertungen seiner Freunde auf Google+ einsehen und dann den Preis vergleichen kann, um das Gerät direkt vor Ort abholen zu können und zeitgleich über Google-Offers noch von zusätzlichen Vergüngstigungen profitiert", könne es schwierig werden, so Price gegenüber inside-channels.ch. "Bis dahin ist es aber noch ein relativ langer Weg."
Online-Händler in den Startlöchern
Beim Luzerner Onlinehändler Steg freut man sich auf den neuen Dienst von Google, wie Erwin Bucheli erklärt: "Wir hoffen selbstverständlich, dass Google Shopping das Online-Geschäft im positiven Sinn beleben und mehr Traffic für unseren Onlineshop generieren wird." Dass die bisherigen Platzhirsche im Preisvergleichsbereich verschwinden, glaubt man bei Steg nicht. Doch: "Sie werden sich ein Stück weit der Marktstärke von Google beugen müssen, um weiterhin eine Rolle spielen zu können." Das sieht auch Malte Polzin, CEO des IT-Händlers Brack, so. Wie viel Mehrtraffic der neue Google-Dienst bringen wird sei zwar nicht abschätzbar, doch beim Mägenwiler IT-Händler ist man überzeugt, dadurch neue Kunden generieren zu können.
Start Ende September
Google will, so ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, sein Vergleichsportal in der Schweiz Ende September starten. Und man darf gespannt sein, wie der Konzern die Anbieterbewertungen in der Schweiz integriert. Während Google in Deutschland dafür auf diverse Bewertungsplattformen wie etwa Qype, Ciao, Heise oder Kelkoo zurückgreifen kann, fehlen diese in der Schweiz bisher weitgehend. Denkbar ist, dass auch hierzulande die deutschen Portale eingebunden werden, dann aber werden viele Schweizer Shops über keine oder nur wenige Erfahrungsberichte von Kunden verfügen.
Komplexität unterschätzt, Kritik bereits vor dem Start
Kritikpunkte sind auch in Bezug auf die Flexibilität von Googles Plattform zu hören. So sei das Portal für Produktvarianten derzeit sehr schlecht gerüstet, ist da etwa zu hören. "Die Variante eines T-Shirts, das es in gelb, rot und blau und in den Grössen S,M,L oder XL gibt, passt wohl nicht in deren Algorithmus", sagt ein Insider gegenüber inside-channels.ch. Google unterschätze die Komplexität im Online-Handel. Für Kritik sorgt ausserdem die Ankündigung Googles, dass nun alle Online-Händler ihre Produkte in Google-Shopping erfassen können. Im ersten Quartal des Jahres, als der Suchmaschinenriese die ersten Online-Händler vertraulich informierte, habe Google von einem Start mit 100 Händlern gesprochen. Dass das Portal nun bereits vor dem Start für alle Interessierten geöffnet wird, kommt nicht überall gut an. (Thomas Brühwiler)

Loading

Mehr zum Thema

image

In der Schweizer IT-Branche steigen die Löhne weiter

Michael Page hat seine neue Lohnübersicht veröffentlicht. Kandidatenmangel und Inflation führen zu steigenden Lohnerwartungen. Mit welchen Löhnen IT-Beschäftigte rechnen können.

publiziert am 2.2.2023
image

Basel führt Pflichtfach Medien und Informatik in der Sek ein

Bislang wurden die Themenbereiche Medien und Informatik in anderen Fächern zusammen gebündelt. Ab dem Schuljahr 2024/2025 will Basel-Stadt das ändern.

publiziert am 1.2.2023
image

Allocare beruft neuen Tech-Chef

Marco Röösli ist seit Jahresbeginn als CTO beim Softwareentwickler mit an Bord. Er soll die Produkte für die Bereiche Asset und Wealth Management weiterentwickeln.

publiziert am 1.2.2023
image

AWS und Elca bündeln ihre Kräfte

Der Schweizer IT-Dienstleister glaubt an eine steigende Cloud-Akzeptanz und baut sein AWS-Know-how und Angebot aus.

publiziert am 1.2.2023 1