Krieg der Provider

7. Oktober 2005 um 09:45
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    Cogent und Level 3 kappen ihre Verbindung. Schweizer Internet-User wenig betroffen von US-Providerkrieg.

    Cogent und Level 3 kappen ihre Verbindung. Schweizer Internet-User wenig betroffen von US-Providerkrieg.
    Zwei grosse US Internet Service Provider (so genannte Tier-1-ISPs) liegen im Streit: Level 3 hat die Verbindung (Peering) zum Konkurrenten Cogent gekappt. ISPs ähnlicher Grösse pflegen ihre Datenströme kostenlos untereinander auszutauschen, während kleinere ISPs von den grossen, weltweit operierenden Netzwerken wie eben Cogent und Level 3 Verbindungskapazitäten kaufen. Beide Streithähne betreiben ein weltweites Glasfasernetz.
    Der Streit zwischen Cogent und Level 3 hat für viele US Internet-User gravierende Auswirkungen. So erreichen gewisse Internet-Kunden von Time Warner Cable nicht mehr alle Server im Internet.
    Internet-Benützer, deren ISP sich ausschliesslich über Cogent mit dem Internet verbindet, können einen Server, der ausschliesslich über Level 3 verbunden ist, nicht mehr erreichen (und vice versa). Dies dürfte auf etwa fünf bis 10 Prozent seiner Kunden zutreffen, sagte Cogent-Chef Dave Schaeffer zu news.com.
    Bestrafung für Tiefpreise?
    Während sich Schaeffer sich gegenüber heise online überrascht gab und behauptete, Level 3 habe habe das Peering ohne Vorwarnung abgestellt, sagte eine Sprecherin von Level 3, man habe Cogent schon lange vorgewarnt. Der Datenverkehr zwischen Cogent und Level 3 sei zu klein, um ein Peering-Abkommen zu rechtfertigen.
    Cogent-Chef Schaffer sieht dies aber ganz anders. Er sagte gegenüber dem 'Boston Globe', Level 3 wolle ihn zwingen, seine Preise zu erhöhen. Level 3 empfinde die von Cogent angebotenen Preise als "Preiskrieg". Sowohl Cogent wie auch Level 3 sind an der Börse kotiert und verlieren notabene Geld.
    Wenig oder keine Auswirkungen in der Schweiz
    Für hiesige Internet-Benützer dürfte der Knatsch zwischen den beiden US Riesen wenig Auswirkungen haben, sagt Frits van der Graaff von IXEurope, in deren Datacentern in Zürich und Genf das oben erwähnte "Peering" zwischen den Providern stattfindet. Level 3 ist sowohl im Zürcher wie auch im Genfer "Telehouse" von IXEurope präsent, während Cogent eine Leitung in das Genfer Telehouse besitzt. Doch es dürfte hierzulande keine oder nur ganz wenige Internet-Benützer geben, die ausschliesslich über Cogent- oder Level-3-Leitungen zum Internet verbunden sind.
    Internet regulieren?
    Der Knatsch zwischen Level 3 und Cogent gibt jenen Stimmen Auftrieb, die eine stärkere Regulierung des Internets, beispielsweise durch die UNO, verlangen. Die zentralen Komponenten des Internets werden heute immer noch von der Organisation ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) kontrolliert. Die ICANN wiederum steht unter der Kontrolle des US Handelsministeriums. Und die Verbindungen der ISPs, deren Netzwerke zusammen "das Internet" bilden, beruhen auf rein privatrechtlichen Verträgen. (Christoph Hugenschmidt)

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