Krise als Chance (für Microsofts ERP-Business)

5. Dezember 2008, 13:47
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Microsoft-ERP-Boss Cesar Cernuda sagt im Exklusiv-Gespräch mit inside-channels.ch wie Microsoft die Krise für sich und die ERP-Partner nutzen will.

Microsoft-ERP-Boss Cesar Cernuda sagt im Exklusiv-Gespräch mit inside-channels.ch wie Microsoft die Krise für sich und die ERP-Partner nutzen will.
"Credit Crunch": Mit diesem schönen Begriff beschreiben die Amerikaner die betrübliche Tatsache, dass Banken in Zeiten der Krise die Kreditgewährung massiv einschränken oder im besten Fall mit sehr hohen Anforderungen an die Sicherheiten verknüpfen. Microsoft Business Solutions, die Abteilung des Redmonder Softwareriesen für betriebswirtschaftliche Software (ERP-Systeme), glaubt aus dem sich abzeichnenden "Credit Crunch" einen Vorteil ziehen zu können.
Dies erklärte Cesar Cernuda, der bei Microsoft für das ERP-Business ausserhalb der USA verantwortlich ist, im Exklusiv-Gespräch mit inside-channels.ch. Cernuda: "Wir glauben, dass die kommenden Turbulenzen im Markt eine Gelegenheit für Microsoft und seine Partner sein werden." Bereits im Frühjahr hat Microsoft bekanntlich die total bereitstehende Summe für Kredite an Kunden auf 1,25 Milliarden Dollar erhöht für ERP-Projekte nachgedoppelt.
Wie Cernuda nun sagt, ist Microsoft nicht nur bereit, zinslose Teilzahlung für die Lizenzkosten, sondern auch für das erste Jahr Software-Wartung zu gewähren. Und selbst für den grössten Brocken in Software-Projekten, die Beratung, wie auch für Hardware ist man bereit, den Kunden, und damit natürlich auch den Systemintegratoren, mit Finanzierungslösungen unter die Arme zu greifen.
"Unsere Partner sind profitabel"
"Unsere Partner haben weiterhin ein Kapazitätsproblem," betont Cernuda. Er habe gestern drei Schweizer MBS-Partner getroffen, die allesamt profitabel arbeiteten. Schliesslich, so der Microsoft-Top-Mann, sei die Marge auf den ERP-Systemen (Dynamics NAV, AX und CRM) mit 40 bis 50 Prozent "gesund" und seine Firma lege Wert darauf, von den Partnern erst Geld zu verlangen, wenn diese ihrerseits vom Endkunden bezahlt worden sind.
Kommt jetzt die Konsoliderungswelle doch?
Als Microsoft vor Jahren in einem wahren Feldzug gleich mehrere Hersteller von betriebswirtschaftlichen Systemen (Great Plains und Salomon in den USA, Navision und Axapta in Europa) übernahm, glaubten wir, man würde nun rasch eine Konsolidierungswelle im stark zersplitterten ERP-Markt sehen. Die Welle blieb allerdings grösstenteils aus: Die lokalen Anbieter wie Abacus in der Schweiz konnten bis heute dem Druck der "Multis" gut widerstehen oder profitierten gar von der Unsicherheit, die rund um das damalige System Navision entstanden war.
Doch Cernada geht davon aus, dass die Wirtschaftskrise zu einer weiteren Konsolidierung führen wird. Cernada: "Microsoft ging ins ERP-Business, weil wir sahen, dass der Markt extrem fragmentiert war. Wir sahen eine 100-Milliarden-Dollar-Chance." Die "Turbulenzen" im wirtschaftlichen Klima würde nun zu einer Konsolidierung führen.
Es ist offensichtlich, dass Redmond die Krise auszunützen gedenkt und dabei zwei Argumente ins Feld führt: Die gut gefüllten Kassen einerseits und die tiefe Integration in die weit verbreiteten Büro-Programme andererseits.
Man wird allerdings weiterhin nicht um die "local heros" im Stile von Abacus oder Polynorm fürchten müssen. In Gefahr geraten nun aber kleinere Anbieter, die auf relativ alten Systemen sitzen und aus ihrer Kundenbasis zuwenig Support-Gelder ziehen können, um ihre Lösungen auf eine neue technologische Ebene bringen zu können. Affaire à suivre. (Christoph Hugenschmidt)

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