Krise macht der "Industrialisierung der IT" Beine

17. Februar 2010, 16:02
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Eine aktuelle Umfrage unter Grossunternehmen im deutschsprachigen Raum zeigt: Sie haben letztes Jahr viel mehr IT ausgelagert, als ihre CIOs selbst noch vor einem Jahr erwarteten.

Eine aktuelle Umfrage unter Grossunternehmen im deutschsprachigen Raum zeigt: Sie haben letztes Jahr viel mehr IT ausgelagert, als ihre CIOs selbst noch vor einem Jahr erwarteten.
Gemäss der jährlich durchgeführten "IT-Trends"-Studie des IT-Dienstleisters Capgemini ist der "Industrialisierungsrad der IT" bei Grossunternehmen im deutschprachigen Raum im letzten Jahr deutlich gestiegen. Capgemini definiert diesen "Industrialisierungsrad" als eine Kombination aus dem Grad der Automatisierung und Standardisierung von Hardware, Software und Prozessen sowie der Eigenleistunsgtiefe in der IT der Unternehmen. An der aktuellen Umfrage haben sich im letzten November IT-Leiter von 133 Grossunternehmen beteiligt.
In der Ausgabe 2010 der Studie stuft Capgemini knapp 50 Prozent aller Teilnehmer im Gesamtindex des Industrialisierungsrads in die Kategorie der "Leader" ein, während es vor einem Jahr noch 35,7 Prozent waren. In gleichem Masse gefallen ist der Anteil der "Follower", von 45,3 auf 30 Prozent, während das Mittelfeld in etwa gleich stark blieb.
Speziell die Eigenleistungstiefe in der IT der Umfrageteilnehmer ist innert der letzten 12 Monaten klar gesunken – oder andersherum gesagt, der Auslagerungsgrad ist stark gestiegen. In der Anwendungsentwicklung sank die durchschnittliche Eigenleistungstiefe von 44,5 auf 33,1 Prozent, im Anwendungsmanagement von 63,9 auf 47,5 Prozent und im Infrastrukturmanagement von 60,9 auf 49,6 Prozent.
Nun aber wieder bremsen
Die IT-Leiter prognostizieren auch für die nächsten Jahre ein weiteres Absinken der internen Leistungen, scheinen nun aber kräftig auf die Bremse treten zu wollen. Im Bereich Applikationsentwicklung rechnen sie für die nächsten fünf Jahre mit einem weiteren Absinken der Eigenleistungstiefe um nur noch rund 3 Prozent und beim Applikationsmanagement von noch rund 5 Prozent. Lediglich beim Infrastrukturmanagement erwarten sie mit einem Absinken der Eigenleistung um 11 Prozent noch einen etwas grösseren Auslagerungsschub in den nächsten Jahren.
Die Realität kann aber Strategien schnell über den haufen werfen. Auch die Entwicklung des vergangenen Jahres hat nicht unbedingt den Erwartungen beziehungsweise Plänen der IT-Leiter im Vorfeld entsprochen, wie die Prognosen aus dem letzten Jahr vor allem für Anwendungsentwicklung und –Management zeigen. In beiden Bereichen sagten die IT-Leiter auch noch für 2014 eine klar höhere Eigenleistungstiefe voraus, als sie nun bereits jetzt erreicht wurde. (siehe Grafik)
Anzumerken ist: Bei manchen Unternehmen haben Sparbemühungen auch zu einer gegenläufigen Reaktion geführt. In der Schweiz haben beispielsweise die ZKB die Zahl ihrer externen "Contractors" reduziert, um Kosten zu sparen. Bei einer klaren Mehrheit ging es aber anscheinend in die andere Richtung. Herbert Hensle, Vice President bei Capgemini Consulting in der Schweiz, erklärt dazu: "CIOs waren gezwungen, schnell zu handeln. Sie mussten ihre IT-Abteilungen effizienter aufstellen und Fixkosten reduzieren. Der Lohn der Anstrengung ist, dass heute flexibler und schneller auf Budget-Kürzungen reagiert werden kann."
Probleme bei Vorreitern und Nachzüglern
Gemäss Capgemini haben sowohl "Leader" als auch "Follower" jeweils eigene Problemen zu bewältigen. Die Leader kämpfen vor allem mit zu vielen Externen im Verhältnis zur übrig gebliebenen Zahl der eigenen Mitarbeiter, sowie mit interner Politik. Die Follower dagegen stünden vor allem vor organisatorischen Herausforderungen wie der Bewältigung der vielen Projekte, die gleichzeitig durchgeführt werden müssen, zu wenig internen Ressourcen sowie unklaren Projektzielen."
Das Herz des IT-Dienstleisters und -Outsourcing-Anbieters - der Tiger kann seine Streifen nicht verleugnen - schlägt aber doch eher für die Leader. Stefano Trentini, Geschäftsführer der Capgemini Technologie-Einheit Capgemini sd&m in der Schweiz zu den Unterschieden zwischen Followern und Leadern: "Viele Industrialisierungs-Nachzügler haben im vergangenen Jahr das Change Management versäumt, das sie jetzt dringend nachholen müssen. Die meisten Vorreiter hingegen haben diesen Prozess bereits abgeschlossen und können sich jetzt neuen Themen zuwenden", meint dazu (Hans Jörg Maron)

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