Krise und Software-Entwicklung: Firmen sparen an der Qualität

30. Juli 2009, 09:46
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Umfrage unter Java-Experten zeigt, dass (deutsche) Unternehmen zu wenig Mittel in Anforderungsanalyse, Dokumentation und Qualitätssicherung investieren.

Umfrage unter Java-Experten zeigt, dass (deutsche) Unternehmen zu wenig Mittel in Anforderungsanalyse, Dokumentation und Qualitätssicherung investieren.
Das deutsche Java-Beratungshaus expeso befragt im Halbjahresrythmus Java-EntwicklerInnen und -ArchitektInnen zu den wichtigsten Trends der Java-Welt. Obwohl die Umfrage unter relativ wenigen (88) Java-ExpertInnen in Deutschland durchgeführt wurde, glauben wir doch, dass die Ergebnisse für CIOs und Projektveranwortliche auch in der Schweiz von Interesse sein müssten. Hier also einige der wichtigsten Resultate der Umfrage.
JDK 5 und sogar 1.4 noch weit verbreitet
Obwohl die aktuelle Version der Java-Entwicklungsumgebung, JDK 6, bereits seit 2006 verfügbar ist, werden ältere Versionen, insbesonders JDK 5, immer noch öfter eingesetzt. Selbst JDK 1.4 und ältere Versionen werden noch von 70 Prozent der Unternehmen teilweise oder sogar häufig eingesetzt. expeso weist ausdrücklich darauf hin, dass Sun den Support für JDK 1.4 schon 2008 eingestellt hat und die Unterstützung für JDK 1.5 diesen Oktober ausläuft.
Auch wird J2EE noch wesentlich häufiger als Enterprise-Plattform verwendet als die neuere Version JAVA EE5 und es ist - anders als bei den Entwicklungsumgebungen - auch kein Trend zum Umstieg erkennbar. Dies lässt sich erklären: Einmal entwickelte, komplexe Systeme lassen sich nur mit grossem Aufwand auf eine neue Version migrieren und in vielen Projekten geht es nun mal um die Erweiterung und Ergänzung bestehender Systeme.
Die befragten Java-ExpertInnen sehen in der zögerlichen Migration auf neue Java-Technologien durchaus ein Problem. Denn je länger ein Unternehmen mit dem Umstieg wartet, desto grösser werden die Hürden für die Zukunft.
Gefahr! Sparen an Vorgaben und Dokumentation
Bedenklich sind die Umfrageergebnisse bezüglich der Qualität der Java-Entwicklungsprozesse. So sagen nur 70 Prozent der Java-EntwicklerInnen, ihre Unternehmen würden die zu verwendenden Entwicklungsumgebungen im richtigen Ausmass vorgeben. Dies bedeutet, dass 30 Prozent der Unternehmen dies nicht tun und so ineffektive Projekte riskieren.
Noch schlimmer: Fast jeder zweite der EntwicklerInnen glaubt, dass es in ihrem Unternehmen zu wenig kontinuierliche Integrationsmechanismen gibt. Wenn man aber auf regelmässige Builds des Gesamtsystems verzichtet, werden Fehler zu spät erkannt und behoben, was teuer werden kann.
Nur 36 Prozent der Befragten glauben zudem, dass die Anforderungsanalyse die ihr zustehende Bedeutung im Unternehmen hat. Diese Zahl ist für expeso "schockierend", denn die Anforderungsanalyse ist schliesslich die Basis jedes Software-Projektes. Ein Projekt aufgrund von unvollständig ausgearbeiteten Requirements ist schliesslich immer zum scheitern verurteilt. Zum gleichen Thema gehört, dass nur 30 Prozent der Befragten die Dokumention in ihrem Unternehmen für genügend hält. Kurzfristig kann man bei der Dokumention Zeit und Kosten einsparen - langfristig rächt sich die schlechte Dokumention von Software-Projekten aber immer.
Besonders erschreckend scheint uns, dass sich die Werte bezüglich Analyse und Dokumentation gegenüber der letzten Umfrage vor einem halben Jahr verschlechtert haben. Offenbar sparen deutsche Unternehmen nun bei der Qualität in Softwareprojekten.
Weitere Themen im "Java-Trendbarometer": Verwendung von Entwicklungswerkzeugen und Frameworks, Akzeptanz von aktuellen Themen wie SOA und OSGi, eingesetzte Open-Source-Kompenten (samt einer Übersicht und Links), Innovation und Weiterbildung.
Die 40-seitige Studie kann bei expeso kostenlos bestellt werden. Die Firma sucht ausserdem weitere Java-ExpertInnen (EntwicklerInnen oder ArchitektInnen / ProjektleiterInnen), die an der Umfrage teilnehmen. (Christoph Hugenschmidt)

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