Künftig recycelt die Schweiz auch Toner selbst

30. April 2020, 14:54
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Swico Recycling will tonerhaltige Bauteile nicht mehr ins Ausland exportieren, sondern in Gossau CO2-freundlich aufbereiten.

Die in der Schweiz jährlich anfallenden rund 1700 Tonnen Toner müssen aktuell noch ins Ausland exportiert werden. Damit soll bald Schluss sein, wie der ICT-Wirtschaftsverband Swico mitteilt. Bekanntlich zählt das von Swico Recycling organisierte freiwillige Rücknahmesystem für ICT-Altgeräte der Schweizer Hersteller und Importeure schon heute zur Weltspitze. Nun wird die beim Toner noch bestehende Lücke geschlossen.
Voraussichtlich im August 2020 werde die Firma Solenthaler Recycling in Gossau eine Anlage in Betrieb nehmen, die Tonerstaub sicher evakuieren und stabilisieren kann, um eine umweltschonende Verarbeitung zu garantieren, heisst es weiter. Im Einschichtbetrieb sollen hier mindestens 1000 Tonnen tonerhaltige Bauteile pro Jahr verarbeitet werden können. Das entspreche dem Volumen von drei Olympiaschwimmbecken und spare jährlich rund 100 Tonnen CO2. Konkret gehe es darum, Tonerstaub korrekt und sicher zu entsorgen und gleichzeitig ein Optimum an Kunststoff, Eisen und weiteren Metallen für die Wiederverwertung zu gewinnen, hält CEO Christoph Solenthaler fest. Ausserdem, schiebt er nach, reduziere die Anlage die Abhängigkeit vom Ausland.
Swico unterstützt den Aufbau der Anlage mit 240'000 Franken aus dem Umwelt-Innovationsfonds, der Ende letzten Jahres initiiert worden ist. Damals hat man sich auf die Fahnen geschrieben, trotz der inzwischen in der Schweiz erreichten Rücklaufquote von 95% gezielt neue Ideen zu realisieren. Dafür werde man zweimal im Jahr maximal 300'000 Franken aus der vorgezogenen Recyclinggebühr ausschütten, hiess es damals.
Beim Swico betont man ebenfalls, dass die Anlage der Firma dazu beitrage, das hiesige Recycling "unabhängiger von ausländischen Zweitabnehmern" zu machen. Allerdings werde das Projekt Toner-Recycling "unter der Bedingung eines Diskriminierungsverbots für andere Marktteilnehmer gefördert und sorgt dafür, dass Swico Konventionsunterzeichner, Händler und Endkonsumenten darauf vertrauen können, dass ihre tonerhaltigen Bestandteile nachhaltig und effizient entsorgt werden". Ausserdem gehe es darum, einen profitablen Betrieb im Rahmen der aktuell gültigen Preise sicherzustellen.
Das 1953 gegründete Familienunternehmen Solenthaler erhält vom Swico aber noch weitere 60'000 Franken. Sie sollen in Kleinversuche zur Anpassung der Recyclingprozesse angesichts der zunehmenden Miniaturisierung von Lithiumbatterien fliessen. Im Vordergrund stünden hier sicherheitstechnische Aspekte, heisst es dazu, weil viele dieser Batterien defekt oder mit den Umgebungsmetallen verklebt sind. Zudem solle auf die Rückgewinnung von Kobalt fokussiert werden.
Solenthaler wird als Recycler der ersten Stunde vorgestellt, der sich seit 1992 auch mit Elektronikschrott-Recycling befasst. Geführt wird der Betrieb von den Brüdern Christoph und Ralph Solenthaler. Das langjährige Swico-Mitglied beschäftigt laut Eigenangaben am Standort Gossau rund 30 Mitarbeitende. Ausserdem betreibe man in Basel, Luzern, Schaffhausen und St. Gallen Demontagezentren.
Wer noch in diesem Jahr für ein Recyclingprojekt von den Swico-Fördergelder profitieren will, kann sich hier bis zum nächsten Eingabetermin am 15. August 2020 darum bewerben.

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