Künstlicher Teenager besteht den Turing-Test

10. Juni 2014, 04:26
  • international
image

Meilenstein der Computergeschichte?

Meilenstein der Computergeschichte?
Laut einer Mitteilung der Universität Reading hat erstmals ein Computerprogramm den vielzitierten Turing Test bestanden. Bei diesem Programm namens "Eugene Goostman" handelt es sich um einen sogenannten Chatbot. Laut der Universität konnte Eugene in einem Online-Chat 11 von 30 Konversationspartner davon überzeugen, ein Mensch zu sein. Die Uni bezeichnet dies als "Meilenstein der Computergeschichte".
Eugene gibt sich in Chats als 13 Jahre alter Junge aus der Ukraine aus. Theoretisch kann ihn jedermann online testen, allerdings ist der Server gegenwärtig, wohl wegen Überlastung, nicht erreichbar. Das Programm wurde schon 2001 von einem aus Russen und Ukrainern bestehenden Team kreiert und seither kontinuierlich weiterentwickelt.
Beim vom britischen Computerpionier Alan Turing vor 64 Jahren vorgeschlagenen Test geht es darum nachzuweisen, ob ein Computer beziehungsweise ein Computerprogramm in einer (schriftlichen) Konversation glaubhaft einen Menschen imitieren kann. Turing schlug dies als praktischen Test für "künstliche Intelligenz" vor, weil es seiner Meinung nach sehr schwierig wäre, direkt echte Intelligenz beziehungsweise echtes Denken nachzuweisen, da die Definitionen für diese Eigenschaften zu unklar sind.
Beim aktuellen Turing Test waren laut der University of Reading 30 Menschen als Juroren beteiligt. Neben Eugene wurden auch vier weitere Computerprogramme getestet, die aber anscheinend den Test nicht bestanden haben. Die Veranstaltung wurde zur Erinnerung an den 60. Todestag von Alan Turing an der Royal Society in London durchgeführt. Die 30 Richter führten dabei je 5 Chat-Konversationen, jeweils gleichzeitig mit einem Menschen und einem der Computerprogramme. Die Tester durften dabei laut den Veranstaltern völlig beliebige Fragen stellen. Nach fünf Minuten mussten sie jeweils entscheiden, welcher Chatpartner der Mensch und welcher ein Computer war. Eugene musste in dem Test also "menschlicher" erscheinen als ein echter Mensch. Der Test gilt als bestanden, wenn ein Programm dies in 30 Prozent der Fälle schafft.
Skeptische Reaktionen
Die Mitteilung der Universität von Reading hat allerdings auch viele skeptische bis sarkastische Reaktionen hervorgerufen. So wird die Tatsache, dass sich Eugene als 13-jähriger Ukrainer ausgibt - dem man wohl mangelnde Englischkenntnisse und fehlendes Verständnis für einige Fragen verzeiht - als eine Art Trick empfunden. Zudem hat die Uni noch keine Details zum Test und den dabei geführten Konversationen veröffentlicht. In Online-Kommentaren bei Techno-Publikationen wie 'The Register' wird daher weniger die Intelligenz von Eugene gelobt, als an der Intelligenz der 11 Richter gezweifelt, die auf das Programm hereingefallen sind. (hjm)

Loading

Mehr zum Thema

image

Ransomware-Bande meldet Angriff auf Ferrari

Die Gruppe Ransomexx hat angeblich erbeutete Dateien veröffentlicht. Der Automobilhersteller erklärt, keine Beweise für eine Verletzung seiner Systeme zu haben.

publiziert am 3.10.2022
image

USA gegen Russland: Wahl um ITU-Präsidium ist entschieden

Die International Telecommunications Union (ITU) der UNO wird neu von einer Amerikanerin geleitet. Doreen Bogdan-Martin setzte sich gegen einen Russen durch.

publiziert am 29.9.2022
image

Ransomware-Banden kaufen Erstzugänge extern ein

Für nur gerade 10 Dollar können sich Cyberkriminelle auf Darkweb-Flohmärkten Zugänge zu Systemen kaufen. Damit können sie dann Schlimmes anrichten.

publiziert am 29.9.2022 1
image

Schweiz: Wettbewerbsfähigkeit top, E-Government flop

In der aktuellen IMD-Studie steigt die Schweiz in Sachen digitale Wettbewerbsfähigkeit in die Top 5 auf. Dahingegen schwächelt sie im Bereich E-Government.

publiziert am 29.9.2022 1