Kundenunfreundliche Roaming-Praxis bei Salt in Kritik

27. Juni 2016, 14:14
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Noch immer kann die Natelnutzung im Ausland tausende von Franken kosten.

Noch immer kann die Natelnutzung im Ausland tausende von Franken kosten, wie eine Analyse von SKS und Dschungelkompass.ch zeigt.
Die Sommerferien nähern sich und somit auch der jährliche Preisvergleich zu den Roaminggebühren, die bei der Natelnutzung im Ausland anfallen können. Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) und Dschungelkompass.ch haben die Roamingkosten für Salt-, Sunrise- und Swisscom-Kunden in den Feriendestinationen Frankreich, Türkei, Thailand sowie USA/Kanada untersucht. Dabei falle insbesondere Salt mit "hohen Tarifen und kundenunfreundlicher Praxis" auf, wie es in einer Mitteilung heisst.
Für den Vergleich wurde jeweils berechnet, was vier Anrufe in die Schweiz und zehn eingehende Anrufe - jeweils zwei Minuten lang, 14 SMS sowie der Verbrauch von 190 MB Daten kosten - also keine sehr intensive Nutzung. Die Kosten wurden jeweils einerseits mit dem Standardtarif berechnet sowie andererseits mit lösbaren Zusatz-Abonnements für Roaming, sogenannten Optionen. Der Vergleich zeigt, dass noch immer sehr hohe Kosten entstehen können. "Nach wie vor tut jeder Handybesitzer gut daran, sich vor dem Auslandsaufenthalt, über die für ihn geltenden Tarife zu informieren und allenfalls eine passende Option zu kaufen", so Oliver Zadori, CEO von Dschungelkompass.ch.
Die meisten Kunden müssen Zusatzoptionen kaufen
Bei Abos, die rund 60 Franken im Monat kosten, fallen die Kosten im Ausland sehr unterschiedlich aus, wie der Vergleich zeigt. Zusatzoptionen für das europäische Ausland kosten rund 35 Franken. Wird keine Option gelöst, kostet oben genannte Nutzung im Ausland schnell 200 Franken und mehr. In Thailand und den USA respektive Kanada würden bei Salt gar Kosten von fast 3000 Franken entstehen. Das Swisscom Infinity-XS-2.0-Abo ist der einzige Tarif dieser Preisklasse, bei dem standardmässig in der EU keine zusätzliche Kosten entstehen.
Bei Abos von rund 100 Franken ist bei allen drei Anbietern das EU-Ausland Roamingkosten-frei. Ausserhalb der EU entstehen jedoch weitere Gebühren; eine Ausnahme ist der USA-Urlaub für Sunrise Kunden, bei dem mit dem Freedom-Max-Abo keine zusätzlichen Gebühren anfallen. Für Swisscom-Kunden gibt es Optionen ab 34 Franken. Bei Salt kosten sie rund 130 und bei Sunrise etwa 140 Franken.
Auch hier fallen die hohen Kosten auf, die für Salt-Kunden entstehen können, die keine Zusatzoptionen lösen. In den USA wären dies für Salt-Plus-Europe-Kunden fast 3000 Franken. Mit 200 Franken vergleichsweise wenig kostet das gleiche für Swisscom-Kunden.
Bei den teuersten Abos, Swisscom Infinity XL 2.0, Sunrise Freedom Super Max und Salt Plus World, fallen mit einer Ausnahme keine Roaminggebühren mehr an. Bei Sunrise ist Thailand nicht inkludiert, dafür bietet Sunrise mit 130 Franken das günstigste der drei Abos. Swisscom und Salt verlangen hierfür je rund 180 Franken monatlich.
Mehr Zusatzkosten für Prepaid-Kunden
Für Prepaid-Kunden ist die Handynutzung im Ausland deutlich teurer als für Abo-Kunden, insbesondere wenn keine Zusatzoption gelöst wird. So entstehen für Prepaid-Nutzer im Ausland durchschnittliche Kosten von rund 200 Franken.
Horrend sind die Kosten, die für Salt-Kunden entstehen. So würde die Nutzung in Frankreich über 3500 Franken kosten. Günstiger wird es für Prepaid-Kunden ebenfalls mit Zusatzoptionen, die Gesprächsminuten und Datenpakete enthalten. Diese kosten rund 30 Franken bei Swisscom, Sunrise-Kunden müssen hierfür 50 Franken und mehr bezahlen. "Heute müssen die Kunden vor einem Auslandaufenthalt daran denken, eine Option zu lösen und sie nachher allenfalls wieder zu kündigen. Dies ist einfach nicht benutzerfreundlich. Wer ins Ausland reist, sollte auch ohne Option von bezahlbaren Tarifen profitieren", so das Fazit von Zadori.
Salt in Kritik
Die Optionen für Abonnements- und Prepaid-Kunden gelten bei Salt nicht einen Monat lang ab Kaufdatum, sondern nur für die bestimmte Rechnungsperiode, die jeweils am 10. Tag des Monats beginnt. Löst man beispielsweise am 5. Juli eine Option, ist sie nur bis am 9. Juli gültig. Am 10. Juli wird sie automatisch erneut gelöst und in Rechnung gestellt. Dies ist gemäss Sara Stalder, Geschäftsleiterin der SKS "völlig willkürlich und kundenunfreundlich". Sie fordert vom Telko rasche Verbesserungen. (kjo)

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