Kyndryl öffnet sich für AWS, Azure oder Oracle

10. November 2021, 13:01
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Alexander Dalheimer führt seit dem 1. September die Geschäfte von Kyndryl in der Schweiz. Im Exklusiv-Interview mit inside-channels.ch spricht der langjährige IBM-Mann über seine Ziele für die Schweiz sowie die Unterschiede zu Big Blue.

Kyndryl ist seit dem 4. November ein eigenständiges Unternehmen und führt die ehemalige Global-Technology-Sparte (GTS) und insbesondere den Bereich Managed Infrastrucuture von IBM unter neuem Namen weiter. In der Schweiz entstand somit quasi über Nacht ein neuer Player, der einerseits ehemalige IBM-Kunden weiterbetreut, andererseits aber auch aktiv auf Neuakquise geht. Schweiz-Chef Alexander Dalheimer spricht im Interview über seine Pläne mit dem IBM-Spin-Off.
Wer sind Ihre Kunden und was managen Sie für diese?Banken, Versicherungen, Buchungsplattformen, Fluggesellschaften. Wir betreiben deren Infrastrukturen, damit Bankomaten funktionieren, Hotels oder Flüge gebucht werden können.
Alles wie gehabt also.Neu betreiben wir nicht nur, was IBM baut, sondern auch, was andere Technologiefirmen wie Oracle, Dell, AWS, Microsoft, etc. "bauen". Heute betreiben wir mit den Bestandskunden IBM-Hardware und Software, sind aber auch offen für andere Welten.
Die Öffnung hin zu den ehemaligen Mitbewerbern…
… war der Grund für den Spin-Off. Die grossen Outsourcingverträge mit nur einem Lieferanten werden immer weniger.
Seit wann sprechen Sie mit Bestandskunden und potenziellen Neukunden über Kyndryl bzw. die Öffnung zu anderen Infrastrukturen?In anderer Rolle als jetzt seit Januar. Operativ ist Kyndryl in der Schweiz seit 1. September, allerdings bis zum 3. November noch als IBM-Tochter. Unabhängig sind wir seit dem 4. November. Angefangen Kyndryl Schweiz aufzubauen haben wir allerdings schon im Juli.

Die grossen Outsourcingverträge mit einem Lieferanten werden immer weniger

Sie sind eine neue Firma, beschäftigen aber de facto noch dieselben Mitarbeitenden und haben dieselben Kunden.Punkto Kunden ist das korrekt, aber in den letzten sechs Monaten sind bis zu 20 neue Mitarbeitende in verschiedenen Bereichen wie Sales, IT Architekten oder Berater zu uns gekommen. Bis Januar kommen weitere 7-8 Personen hinzu.
Die Geldbörse scheint gut gefüllt bei Kyndryl derzeit.Talente kommen nicht zu uns, wenn wir nicht marktgerechte Löhne und Benefits bieten würden.
Wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie jetzt bei Kyndryl in der Schweiz? Wer sitzt in der Geschäftsleitung?Zahlen zu Beschäftigten veröffentlichen wir keine. In der Geschäftsleitung, wir nennen es Leadship Team, sitzen 9 Leute. Das sind allesamt ehemalige IBM-Mitarbeitende. Die neu rekrutierten Personen sitzen eine Ebene darunter.

Kunden waren durch die hohe Autonomie von Kyndryl-Schweiz überrascht

Böse Zungen könnten behaupten, mit Kyndryl ändere sich bloss der Name...… was jedoch komplett falsch wäre. Punkto Management des Unternehmens und punkto Unternehmenskultur haben wir bei Kyndryl viel die höhere Autonomie in der Schweiz als zuvor. Während wir bei bestimmten Entscheidungen früher eine Woche auf das Approval warten mussten, kann ich jetzt Ad-hoc entscheiden.
Überrascht das die Kunden?Ja. Ich war letztens bei einem sehr grossen Kunden und er hat mich plötzlich fragend angeschaut: 'Wie das hast du jetzt entschieden, musst du nicht noch jemanden fragen?' Das macht schon grossen Spass, obwohl auch eine grosse Verantwortung dabei ist.
Was zeichnet Ihre Schweizer Kundschaft aus?Sie geht sehr vertrauensvoll mit ihrer IT-Infrastruktur um. Zwei Kunden sagten mir unabhängig voneinander. 'Erster zu sein ist gut bei Olympia. In der IT bin ich gerne zweiter.' Es ergibt Sinn, nicht blind auf jeden Hype aufzuspringen.
Und was ändert sich nun für Ihre Kunden?Für Bestandskunden ändert sich heute nichts. In Zukunft können wir wie gesagt für unsere Kunden nebst IBM auch Technologie anderer Anbieter berücksichtigen.

Kyndryl löst sich vom "Klotz" IBM

Und der Absender der Jahresrechnung?Ja. Aber abgesehen davon: nichts. Für uns ist die Änderung aber schon emotional: Wir sind jetzt frei, auch andere Technologien integrieren zu können.
Sie sind froh, den "Klotz" IBM los zu sein. Sie sind erlöst, erster Tag in der Freiheit ...Das klingt mir zu negativ, aber inhaltlich ist es nicht falsch. Wir können mit einer echt guten Basis loslegen und darüber freuen wir uns.
Konnten Ihre neuen Sales-Verantwortlichen seit September schon Neukundengeschäfte abschliessen?Stand heute entspricht Kyndryl Schweiz dem GTS-Geschäft der IBM. Der Kundenstamm sowie die zuständigen Mitarbeitenden sind dieselben. Wir möchten mit diesen bestehenden Kunden weiter wachsen…
… also bislang keine neuen Kunden?Nein. Aber wir sind an Neugeschäften dran.
Welche Branchen, Marktsegmente, Unternehmensgrössen haben Sie im Visier?Die Themen sind bei allen dieselben, haben aber je nach Branche oder Unternehmensgrösse nur einen anderen Geschmack. Traditionell war IBM gut positioniert bei Finanzdienstleistern und im Industrie-, Retail- sowie Public-Bereich. Bei Kyndryl ist das nicht anders, allerdings öffnen wir uns nun auch stärker gegenüber kleineren Unternehmen und Startups.
Bestandskunden entwickeln oder Neukunden gewinnen: Was ist künftig wichtiger?Fifty-fifty. Wir haben sogar zwei Organisationseinheiten gebildet, die sich genau um die beiden Bereiche kümmern.

Neukundengeschäft ist Stand jetzt noch bei Null

Schauen wir uns spezifisch das Neukundengeschäft an. Wie viele Kunden wollen Sie gewinnen, wie viel Umsatz wollen Sie im Jahr 2022?Wir haben natürlich Ziele, die wir erreichen wollen. Aber die behalte ich noch für mich.
Sie sind ein neuer Player in einem wichtigen Markt. Auf welche Mitbewerber schauen Sie besonders?Die üblichen Verdächtigen. DXC, Atos, … einfach alle, die Services erbringen und Service-Leistungen integrieren. Weltweit sind wir mit unseren 90'000 Mitarbeitenden aber schon doppelt so gross wie der zweitgrösste nach uns.

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