Lanci geht wohl doch nicht zu Samsung

27. Juli 2011, 09:37
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Spekulationen um den ehemaligen Acer-CEO. Und: Ex-FSC-Chef Bernd Bischoff wechselt zu Acer.

Spekulationen um den ehemaligen Acer-CEO. Und: Ex-FSC-Chef Bernd Bischoff wechselt zu Acer.
An der aus Fernost herüber geschwappten Meldung aus zuverlässiger Quelle in Europa erfahren haben.
Am Wochenende ist in Asiens Industriekreisen das Gerücht aufgekommen, dass der italienische Spitzenmanager im August zu Samsung wechselt, um dort mit seinen Channel-Erfahrungen vor allem das Notebook-Business in Europa anzukurbeln. Während die Nachricht dann am Montag (25. Juli) weltweit für Schlagzeilen sorgte, hat der chinesischsprachige Newsservice 'Lianhe Xinwenwang' (United News) am selben Tag schon berichtet, dass dies nicht der Wahrheit entspreche.
Dagegen spricht einmal, dass der Italiener mit Acer eine Non-Compete-Klausel unterschrieben hat, die ihm für ein Jahr verbietet, bei einem Wettbewerber anzuheuern. Nicht dass Samsung das nicht mit einer grossen Summe Bargeld hätte regeln können. Aber wie 'The Register' schreibt, ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass Acer darauf eingeht, zumal das erfolgsverwöhnte Unternehmen aus Taiwan erstmals seit langer Zeit wieder Zeichen der Verletzbarkeit zeigt.
Acer holt Bischoff
Um sich von der Überabhängigkeit vom Consumer-Markt zu befreien, hat Acer gerade den "Industrie-Oldtimer" Bernd Bischoff an Bord geholt, um die eigene Position im kommerziellen Markt zu stärken, heisst es bei dem britischen Channel-Magazin. Bischoff war bei HP und von 2002 bis 2008 bei Fujitsu Siemens tätig, zuletzt als CEO.
Auch Samsung verdankt seinen Erfolg im Notebook-Markt als Nummer 7 weltweit und Nummer 5 in EMEA im ersten Quartal 2011 (laut IDC) im Wesentlichen dem Retail-Kanel und einigen Netbook-Deals mit grossen Mobilfunkbetreibern. Um sich von dieser Abhängigkeit zu lösen, hat der koreanische Hersteller Anfang des Jahres schon eine eigene B2B-Unit geschaffen und damit zugleich ehrgeizige Ziele für das Unternehmenssegment ausgegeben. Weltweit konnte Samsung den eigenen Notebook-Marktanteil innerhalb eines Jahres von 4,5 auf 6,9 Prozent kräftig steigern, in EMEA kam der Herausforderer der etablierten Marken Anfang des Jahres sogar schon auf einen Anteil von 9,4 Prozent vom grossen Kuchen, aber sowohl global wie auch in Europa ist das Notebook-Geschäft immer noch sehr retail-lastig.
Gegen Lancis Aufschlagen bei Samsung spricht auch das immer noch sehr stark koreanisch besetzte Topmanagement des familiengeführten Unternehmens - und Lanci selbst. Denn als Mann, der ein Unternehmen mit 7000 Leuten weltweit geführt hat, wird er sich schwer in das enge Korsett zwängen lassen, das Samsung oder andere koreanische Konzerne ihren ausländischen Managern überstülpen. So sehen es jedenfalls die von 'The Register' nicht genannten europäischen Quellen. Während Lanci gewohnt sei, nah am Vertrieb zu arbeiten, treffe Samsung die Entscheidungen meist zentral und würden diese dann an die lokalen Managementteams weitergeleitet.
Alles in allem hält der britische Kollege Paul Kunert von 'The Register' die Meldung über Lancis Wechsel zu Samsung als reines Gerücht, das möglicherweise von dem koreanischen Riesen selbst gestreut wurde, um Acer in der schlimmsten Phase seit Übernahme der Notebook-Sparte von Texas Instruments Ende der 1990er Jahre die Rückkehr zur alten Stärke zu versauern.
Dass Samsung mit dem Galaxy Tab im Weihnachtsgeschäft 2010 schneller war, auf den rollenden Tablet-Zug aufzuspringen, hat das Fass bei Acer nicht wirklich zum Überlaufen gebracht, sondern war wie heisser Tropfen auf dem Stein, so Kunert. Tatsächlich hatten sich Lanci und Acer-Chairman J.T. (Zhen-tang) Wang Ende März wegen des späten Einstiegs in den Tablet-Markt entzweit sowie über hohe Notebook-Lagerbestände, die schliesslich mit 150 Millionen US-Dollar abgeschrieben werden mussten sowie massive Bonuskürzungen und 300 Stellenstreichungen in EMEA zur Folge hatten. (Klaus Hauptfleisch)

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