Langes Warten mit Cablecom

18. Oktober 2006, 15:37
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Cablecom verlangt für den Datentransfer mit anderen Providern (Peering) neuerdings Geld. Von der Schweiz aus gesendete Datenpakete drehen nun zuerst einige Runden in New York und Paris, bevor sie wieder zurückkommen.

Cablecom verlangt für den Datentransfer mit anderen Providern (Peering) neuerdings Geld. Von der Schweiz aus gesendete Datenpakete drehen nun zuerst einige Runden in New York und Paris, bevor sie wieder zurückkommen.
Der Telekommunikationsanbieter Cablecom ist oft Ziel von Attacken von verärgerten Kunden. In spezialisierten Blogs (blogg.ch) regt man sich seit Wochen und Monaten darüber auf, dass Cablecom klammheimlich den Service verschlechtert. Der Grund dafür sind die sogenannten Peering-Agreements, die der Carrier mit Schweizer Providern hat. Darunter versteht man Vereinbarungen unter ISPs, die es erlauben, Datentransfer untereinander kostenlos (oder zumindest günstig) und auf möglichst direktem Weg auszutauschen, damit für Internet-Kunden die Wartezeiten nach einer Abfrage (Latenzzeit) kurz gehalten werden können.
Wie am Montag 'InfoWeek' berichtete, hat nun Cablecom Anfang September ISPs angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass man durch die Integration in den Backbone der Muttergesellschaft UPC (AS6830) den Status eines Tier-1-Carriers erhalte. Das heisst, Cablecom ist nicht mehr gewillt, kostenlos Datenströme auszutauschen. Ein ähnlicher Fall war bereits im vergangenen Oktober in den USA aufgetreten.
Die kostenfreien Peerings werden per 1. November abgeschaltet. Provider, die weiterhin mit Cablecom verbunden bleiben wollen, müssen bezahlen: 10 Mbps kosten 320 Franken pro Monat, 100 Mbps 680 Franken. Cablecom-Sprecherin Ariuscha Davatz bestätigt gegenüber inside-it.ch diese Preise und die neue Praxis des Kabelnetzbetreibers.
Es scheint fast so, als habe UPC (beziehungsweise Liberty Global) Cablecom diese Massnahme aufgezwungen. Aus Insider-Kreisen heisst es, die Änderung beruhe auf einem strategischen Entscheid des Mutterunternehmens. Tatsächlich schadet Cablecom mit dieser Aktion vor allem sich selbst. Datenpakete von Cablecom fliessen nun nicht mehr über Schweizer Transit-Knoten zu den anderen Providern, sondern werden in Frankfurt, Amsterdam, Paris oder New York geroutet. VoIP-Nutzer, Online-Gamer, aber auch gewöhnliche User leiden unter langsameren Verbindungen.
Cablecom weiss von den längeren Reaktionszeiten, hat aber bisher nichts unternommen. Davatz verspricht: "Ende November können wir unseren Kunden mit einer Lösung über unser Mutterhaus wieder das vorherige Leistungsniveau bieten." Wie das gehen soll, will Cablecom nicht verraten. Für die Kunden heisst es bis dahin jedenfalls: Warten. (Maurizio Minetti)

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