Langsam nimmt Gaia-X Konturen an

1. Juli 2021 um 13:55
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In Deutschland werden erste Leuchtturmprojekte finanziert. Sie sollen zeigen, welchen Wert die europäische Infrastruktur bieten kann.

Von 131 Projekten, die sich um Gelder des deutschen Gaia-X Förderwettbewerbs beworben haben, sind nun 16 Vorhaben prämiert worden. Mit Skizzen zu ihren Vorhaben beteiligten sich an den Einzelprojekten Konsortien mit bis zu 12 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand, wie es in einer Mitteilung heisst.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier liess sich zur Bekanntgabe der Gewinner mit den Worten zitieren, dass ein weiterer Meilenstein bei Gaia-X erreicht sei: "Die ausgewählten Leuchtturmprojekte werden in den nächsten Monaten konkret zeigen, welchen Mehrwert die souveräne Dateninfrastruktur bei der Entwicklung datengetriebener Geschäftsmodelle, KI-basierter Services und dem Aufbau europäischer Datenräume bietet", so Altmaier.

Fördergelder reichen nicht für alle Gewinner

Ausgeschüttet werden "voraussichtlich" 122 Millionen Euro, wobei diese Fördergelder derzeit nur für eine Förderung von 11 der 16 Gewinner ausreiche. Das schreibt die deutsche Bundesnetzagentur, die mit der Durchführung des Anfang Jahr gestarteten Wettbewerbs vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragt worden war. Jedenfalls müssen die 11 Förderkandidaten nun ihre Skizzen ausarbeiten und Anträge stellen, die "eine Vorhabenbeschreibung sowie eine Arbeits-, Finanzierungs- und Verwertungsplanung enthalten". Falls im nächsten Jahr ausreichend Haushaltsmittel verfügbar gemacht werden, könnten 2022 auch die übrigen 5 Konsortien Gelder beantragen, heisst es weiter.
Die zur Förderung bestimmten Projekte adressieren so unterschiedliche Themen wie Gesundheits-, Rechts-, Finanz-, Bildungs-, Energie-, Bau- und Produktionswesen oder auch die Luft- und Raumfahrt und die Agrarbranche. Hier seien 3 der Gewinnerskizzen vorgestellt (alle 16 Projekt lassen sich online (PDF) einsehen):
Unter dem Kürzel AW 4.0 (Autowerkstatt 4.0) wollen 7 Partner "eine Plattform für den vertrauenswürdigen Austausch von branchenspezifischen Daten und KI-Modellen" schaffen". Damit soll "die Digitalisierung der mittelständisch geprägten Werkstattbranche" vorangetrieben sowie "Werkstätten und Messsystemanbieter über Gaia-X zu einem Innovations- und Wertschöpfungsnetzwerk" verknüpft werden, schreiben die Beteiligten.

Luftfahrt und Gesundheitsraum

Unter dem Namen "Cooperants" adressieren 12 Partner "Collaborative Processes and Services for Aeronautics and Space". Es gehe um Anwendungen in Sachen Industrie 4.0, wobei die "Digitalisierungsprozesse in der Luft- und Raumfahrtbranche mit Hilfe von Gaia-X" beschleunigt werden sollen. Ziel sei, "effizientere Formen für zukünftige Arbeitsmethoden und Prozesse über den gesamten Lebenszyklus von Raum- oder Luftfahrzeugen hinweg umzusetzen". In digitalen Arbeitsumgebungen, sogenannten Data Spaces sollen dazu "Smart Services" integriert werden wie Systemmodellierung, intelligente Assistenten, Optimierer auf Basis von KI und vieles mehr.
Ebenfalls 12 Partner beteiligen sich an dem Konsortium, das unter dem Stichwort "Health-X Dataloft" einen legitimierten, offenen und föderierten Gesundheitsdatenraum in der Gaia-X schaffen will. Demnach sollen "Bürgerinnen und Bürger in den Fokus der Bereitstellung, Nutzung sowie Kontrolle der eigenen Gesundheitsdaten gerückt werden". Im Visier stehe "die Entwicklung von transparenten Cloud-basierten Anwendungen" in der Gesundheitsversorgung. Zudem wolle man für "die Vernetzung der Gesundheitsbereiche und die integrative Datennutzung" Konzepte der Medizininformatik-Initiative sowie rechtsverbindliche Gematik-Standards und Lösungen der Telematik-Infrastruktur" einbinden.
Auffällig ist, dass sich der Gaia-X-Föderwettbewerb etwa in den Kommentarspalten von 'Heise' einiges an Skepsis gefallen lassen muss. Unter anderem heisst es zum Lob der "ausgewählten Leuchtturmprojekte" des deutschen Bundeswirtschaftsministers, es sei wohl übersehen worden, dass ein Leuchtturm etwas ist, von dem man sich geflissentlich fernhalten sollte, wenn man nicht auf Grund laufen will.

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