LCD-Hersteller wollen Monitor-Panel-Preise anheben

14. Oktober 2010, 08:14
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Nachdem die LCD-Hersteller bei Panels für PC-Monitore und Notebooks teilweise schon draufzahlen, denken sie offen über Preiserhöhungen und eine weitere Senkung ihrer Produktionsauslastung nach, um weitere Verluste abzuwenden.

Nachdem die LCD-Hersteller bei Panels für PC-Monitore und Notebooks teilweise schon draufzahlen, denken sie offen über Preiserhöhungen und eine weitere Senkung ihrer Produktionsauslastung nach, um weitere Verluste abzuwenden. Einige Grosskunden sollen schon Preiserhöhungen von 1 bis 2 US-Dollar zugestimmt haben, um sich für die Zeit nach der Lagerbereinigung vor Schlimmerem zu bewahren. Ob und in welcher Weise die Preiserhöhungen auch den IT-Channel und die Endverbraucher betreffen, wird sich erst zeigen und möglicherweise auch Wechselkursschwankungen abhängen. Die waren in jüngster Zeit teilweise so turbulent, dass sie vielen international operierenden Unternehmen die Geschäftszahlen verhagelt haben.
AU Optronics (AUO), Taiwans Nummer zwei, hat wegen der fallenden Panel-Preise fürs dritte Quartal 2010 bereits eine Gewinnwarnung erlassen. Die Tatung-Tochter Chunghwa Picture Tubes (CPT) und HannSpree/G-Mutter HannStar versuchen sich mehr und mehr in kleinere bis mittelgrosse Panels bis 9,9 Zoll Bilddiagonale zu retten. CPT gilt als führend bei kleineren Netbook-Panels und ist mit einer eigenen Touch-Panel-Produktion auch für die Wachstumsmärkte Tablet-PCs und E-Books gerüstet. Taiwans grösster Panel-Hersteller Chimei Innolux (CMI) kam im dritten Quartal auf 106 Millionen kleine und mittelgrosse Panels, CPT auf 102 Millionen und HannStar auf 83,05 Millionen Stück. Verglichen mit dem zweiten Quartal war das bei CMI nur ein Anstieg von 4 Prozent, CPT hat damit aber um 20 Prozent zugelegt, HannStar sogar um 53 Prozent.
Mehrere Industrie- und Marktforschungsinstitute haben prophezeit, dass sich die IT-Panel-Preise in der ersten Oktoberhälfte stabilisieren würden, zumal weitere Preissenkungen kaum noch möglich sind. Abgesehen davon zieht die Nachfrage nach kommerziell genutzten TFT-Monitoren wieder an, was die LCD-Hersteller zum Anlass nehmen, die Preise für kleinere Panels bis 20 Zoll um besagte 1 bis 2 Dollar anzuheben. Im Fokus sind dabei vor allem die im B2B-Segment immer noch in beachtlichen Stückzahlen verkauften 17- und 19-Zöller im 4:3-Format. Da das Angebot begrenzt ist, sind hier tatsächlich auch schon steigende Panel-Preise zu beobachten.
Im Bereich Monitor-Panels ab 20 Zoll Bilddiagonale sollen die Preise entsprechend der Nachfrage angepasst werden. Da sich 23,6-Zöller sowohl für Monitore als auch für kleine Fernseher oder sogenannte Monitor-TVs eignen, dürfte hier der Bedarf zum Weihnachtsgeschäft besonders gross sein, weshalb die Panel-Hersteller hier ebenfalls von Preiserhöhungen im Bereich von 1 bis 2 Dollar ausgehen.
Bei TV-Panels hat das Mittherbstfest in China im September und Oktober 2010 zwar viel von dem Lagerdruck genommen, weniger aber bei teureren Modellen mit LED-Backlight, die vielfach wie Blei in den Regalen liegen bleiben. Deshalb sind die TV-Panel-Preise in der ersten Oktoberhälfte insgesamt weiter gesunken. Das liegt mitunter auch daran, dass die Panel-Hersteller auf Teufel komm raus versuchen, ihre Lager freizubekommen, um sich Folgeaufträge fürs Weihnachtsgeschäft zu sichern. So ist auch zu verstehen, dass A-Brands wie Samsung und Sony in den USA jetzt schon mit kräftigen Preissenkungen locken können. Laut 'Digitimes' rechnen Panel-Hersteller damit, dass die TV-Panel-Preise im vierten Quartal weiter sinken werden, aber nicht in dem Masse wie im dritten Quartal, wozu eben auch das über alle Erwartungen gute Mittherbstgeschäft in China beigetragen hat.
Das Mittherbstfest beziehungsweise die Zeit vor dem Nationalfeiertag am 1. Oktober gilt in China als Spitzensaison für den Verkauf von Unterhaltungselektronik. Anders als zum Tag der Arbeit oder dem Drachenboot- beziehungsweise Duanwu-Fest im Mai wurden die Hersteller von LCD-Fernsehern diesmal nicht enttäuscht. Das hat bei den Panel-Herstellern eben viel von dem vorher angestauten Lagerdruck genommen. Die wichtigste Saison für Handel und Industrie in China und Taiwan ist das luneare Neujahrsfest, meist zeitgleich mit unserem Karneval. Denn dann gibt es die berühmten roten Briefumschläge mit Geld darin, traditionell von Eltern an die Kinder, heute aber als Bonus- oder Prämienzahlungen vom Arbeitgebern an die Arbeitnehmer. Beim Drachenbootfest fallen sie, wenn überhaupt, etwas kleiner aus. Aber auch sonst feiern die Chinesen die Feste wie sie fallen. So hat China den TV-Herstellern zum Teil auch das Weihnachtsgeschäft 2009 gerettet, allerdings hauptsächlich chinesischen Marken, während jetzt zum Mittherbstfest auch ausländische Top-Brands wie Samsung oder Sony von dem TV-Boom mit profitiert haben. (Klaus Hauptfleisch )

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