LCD-Überkapazitäten: LG Display verschiebt Bauprojekt in China

17. August 2011, 11:34
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Der Markt für LCD-Panels ist einem ständigen "Schweinezyklus unterworfen": Auf erhöhte Nachfrage folgen verstärkte Investitionen, darauf eine Phase von Überkapazitäten und fallenden Preisen.

Der Markt für LCD-Panels ist einem ständigen "Schweinezyklus unterworfen": Auf erhöhte Nachfrage folgen verstärkte Investitionen, darauf eine Phase von Überkapazitäten und fallenden Preisen. Der LCD-Markt befindet sich gegenwärtig und bereits seit der zweiten Hälfte 2010 in dieser dritten Phase. Dies zumal die Schuldenkrise in Europa und Nordamerika die Nachfrage nach LCD-Fernsehern, Monitoren und Notebooks stark gebremst hat.
Das ist laut Medienberichten der Grund, warum der koreanische Riese LG Display die ursprünglich für Ende August angekündigte Grundsteinlegung für ein hochmodernes 8.5G-Panel-Werk im südchinesischen Guangzhou (Kanton) verschoben hat. Wie die koreanische 'Electronic Times' berichtet, hat das Unternehmen die chinesischen Behörden am 8. August 2011 darüber informiert und auch gesagt, dass noch nicht klar sei, ob der Bau plangemäss Ende 2011 beginnen werde. Die Kosten für solche Fabriken sind ähnlich hoch wie die für Atomkraftwerke, sie gehen in die Milliarden und amortisieren sich unter Umständen nie, weshalb Analysten sagen, dass Taiwans Panel-Industrie sich ohne staatliche Unterstützung nie am Leben gehalten hätte.
Das G in 8.5G steht für Generationsschritt, nachdem die Grösse der verarbeiteten Muttergläser bemessen wird. 8.5G heisst, dass 5,5 qm grosse Glassubstrate verarbeitet werden können. Die modernste Panel-Produktion hat Sharp mit einem 10G-Werk zur Verarbeitung von rund 8,7 qm grossen Muttergläsern.
Nachdem Taiwan im Februar 2010 angekündigt hat, das Investitionsverbot für Panel-Fabriken in China zu lockern, hat die BenQ-Schwester AU Optronics (AUO) gleich den Bau eines 7.5G-Werkes für 4,3 qm grosse Muttergläser beantragt, wurde aber von der Regierung in Taipei neun Monate hingehalten. Relativ schnell ging dagegen der geänderte Investitionsantrag für ein 8.5G-Werk im Frühjahr 2011 durch. Dadurch haben sich zwar die Pläne abermals verschoben, wie AUO aber mitteilte, sei es angesichts der bestehenden Überkapazitäten und der anhaltenden Konsumflaute in den krisengeschüttelten Ländern der ersten Welt gar nicht so dramatisch, dass man mit der Produktion voraussichtlich erst ein oder zwei Quartale später starten könne.
China hat Lizenzen für den Bau hochmoderner LCD-Fabriken anfangs sehr restriktiv vergeben und das damit begründet, dass es gelte, die eigene Umwelt zu schonen, schliesslich verbrauchen die Panel-Werke nicht nur Unmengen von Wasser, sondern setzen sie auch viele giftige Stoffe frei. Beobachter sahen die restriktive Vergabe der Baulizenzen aber als Mittel, die eigene LCD-Industrie zu schützen. Besonders lange auf eine Genehmigung ihrer Baupläne warten mussten die beiden weltmarkführenden koreanischen Unternehmen Samsung und LG Display. LG Display zum Beispiel bis November 2010. Derweil hat das Unternehmen in Südkorea schon mit dem Bau einer neuen 8G-Panel-Fabrik begonnen. (Klaus Hauptfleisch)

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