Leider Nein (alles immer gleich)

17. Januar 2014, 17:12
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Und? Sind Sie gut ins neue Jahr gerutscht? Sie - merken Sie auch rein gar nichts? Oder spüren Sie einen Unterschied? Ich nicht. Alles ist genau gleich und man hätte sich das Geballere und den Chlöpfmost sparen können.
Immer noch enthüllen 'Guardian', 'Spiegel' und die 'Post' jeden Tag neue, noch raffiniertere Methoden, mit denen der US-Übergeheimdienst NSA angeblich alles abhört und mitliest und merken nicht, dass Edward Snowden gar kein Whistleblower ist, sondern den Auftrag hat, alle möglichen und unmöglichen Gegner der USA so einzuschüchtern, dass sie auf den Gebrauch von Computern und Internet und VoiP und Telefonie verzichten, auf Brieftauben als zentrales Kommunikationsmittel umsteigen und sich so selbst völlig lahmgelegen. Beim 'Guardian', 'Spiegel' und der 'Post' arbeiten eben keine abgehärteten IT-Journalisten, denn die wissen aus jahrelanger leidvoller Erfahrung, dass es kein geduldigeres Medium als PowerPoint auf dieser Erde gibt und man allen alles glauben darf, nur nie der Beschreibung eines Produktes auf einer PowerPoint-Folie. Denn es gibt Hardware und Software und Slideware.
Auch mögen sich die Hoster und die Stiftung Switch immer noch nicht, was ja spätestens seit Napoleons Einmarsch in den Kanton Schwyz anno 1798 so ist, weil die Hoster sich das Business als Registry gerne unter den Nagel reissen würden. Anders als die NSA enthüllen die Schweizer Hoster ihre Absichten netterweise gleich selbst, denn sie schreiben, sie möchten eine "typische Selbsthilfeorganisation à la Migros" gründen. Die Zeiten, als Migros zwar keine Selbsthilfeorganisation aber doch ein neuartiges Vertriebskonzept vom Dutti war, sind fast so lange her wie die Sache mit Napoleon und seinen Leuten in Wollerau, also verglichen mit den Ursprüngen des Streits zwischen den Hostern und Switch noch jung.
Nichts ist neu an diesem angeblichen neuen Jahr. Acer verliert Geld und Umsatz, die PR-Leute schicken uns Pressemitteilungen und tauchen dann ab, die Open-Source-Propheten finden Open-Source cool, man enthüllt, dass der Bund Software-Engineering eingekauft hat, ohne die Auträge auszuschreiben, und Röbi Weiss plant eine neue Ausgabe des Weissbuch.
Auch sonst ist alles wie immer. Der dänische Hersteller Sandberg ist immer noch furchtbar verbal-wild ("Wilder Solarakku von Sandberg") und wir erhalten immer noch Mitteilungen, bei denen niemand weiss, warum sie geschrieben und verschickt worden sind ("Der Messestand des Deutschen Korkverbands (DKV) gab ein eindrucksvolles Debüt und den Auftakt zur zweiten Runde der preisgekrönten Informationskampagne", "Mit SPARK erstellter Muen Kernel legt Open-Source-Fundament für Software im Hochsicherheitsbereich"). Wofür nur hat man ein neues Jahr gemacht?
Neu wäre doch, wenn Röbi Weiss Geld sammeln würde, damit er KEINEN Röbi-Weiss-Buch-Event machen würde, wofür ich aber nichts spenden würde, denn ich habe mich in den letzten 24 Jahren an die Röbi-Weiss-Buch-Events gewöhnt. Oder wenn PR-Leute sich sagen würden, sie hätten nun genug davon, gegen Geld No-News-aufzublasen und sie mit der "Bitte zur Veröffentlichung" an Hinz und Kunz zu verschicken und sie würden doch lieber sinnvolleres machen wie zum Beispiel einen Zeltplatz am schönen Neuenburgersee zu betreiben.
Da ist es ja, das frisch glänzende, schöne, saubere Neue Jahr! Der Zeltplatz des ex-PR-Manns Theo Frölich heisst 'Paradis Plage' und hat auch eine Beiz mit Sicht auf den See. I like! (Christoph Hugenschmidt)

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