Leider Nein (autorisierte Folge)

22. Januar 2010, 17:46
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

"Wann senden Sie mir das 'Gut zum Druck' ihres Artikels?" "Darf ich den Artikel vor der Publikation dann nochmals lesen?" "Bitte schicken Sie mir meine Quotes zur Autorisierung!"
Verehrte GesprächspartnerInnen, liebe AuskunftsgeberInnen. Unsere Antwort lautet: Nein - Sie dürfen nicht! Denn Sie wollen sowieso nur ihre Aussagen, die Sie von Angesicht zu Angesicht oder am Telefon gemacht haben, entschärfen, ver-wischiwaschen und be-PR-spraken.
Sie haben nachträglich Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen und wollen sich nochmals absichern, gäll? Sie markieren im Gespräch gerne den starken Mann (oder Frau), der dem Journi erzählt, wie er in seiner Firma, gegenüber den Kunden oder den Lieferanten hart durchgegriffen, die Meinung gesagt und den Tarif durchgegeben hat und merken erst nachher, dass ihre (vorgespielte) Markigkeit wohl nicht überall so gut ankommen wird?
Das, liebe GesprächspartnerIn, ist aber nicht unser Problem. Es gilt: Gesagt ist gesagt und es ist nicht üblich, einmal gemachte Aussagen nachträglich abschwächen, ergänzen oder sonstwie "verschönern" zu wollen.
Natürlich machen wir manchmal Ausnahmen, so wenn unsere Gesprächspartner keine Medienerfahrung haben, von unserem Anruf völlig überrascht wurden oder das Gesagte sehr kompliziert oder juristisch potentiell ungeheuer folgenreich ist und sich leicht Fehler unsererseits einschleichen könnten. In allen anderen Fällen können (und sollen) Sie davon ausgehen, dass wir Sie schon richtig zitieren, dass wir uns an Abmachungen halten und dass Sie sich eben vor einem Gespräch genau überlegen sollten, was Sie gesagt haben wollen und was nicht. Übrigens: Ganz grosse und viel kritisierte Firmen und Organisationen wie Microsoft, IBM oder auch der Bund kommen nicht auf die Idee, ihre Aussagen "autorisieren" zu wollen. Und wenn Sie uns nicht trauen oder uns ein schlechtes Medium finden, so steht es Ihnen frei, nichts zu sagen oder uns nicht zu einem Gespräch oder eine Medienveranstaltung einzuladen.
Nichts sagen tun auch die Fische, besonders diejenigen, die die Berner Leitmesse Fischen Jagen Schiessen in "Europas grösstes Aquarium" bereichern. Die Fische an der Messe wurden nicht etwa als Objekt der Jagdgier der Messebesucher ausgestellt, sondern um die Besuchenden "für die Erhaltung des Artenschutzes im Bereich der Fischfauna zu sensibilisieren." Eigentlich logisch, denn wenn es keine Fische mehr gibt, so glaubt man den Fischern schon gar nichts mehr.
Nicht übertrieben glaubwürdig, obwohl irgendwie "Open Source" und damit aus Prinzip lieb, fanden wir auch diese umwerfenden Nachricht aus dem Hause Heinz Ketchup. "Mit «Open Sauce» ins Netz - Online-Strategie von HEINZ Ketchup macht Appetit auf mehr." Die Bude muss eine wirklich revolutionäre Tomatentunke entwickelt haben, denn Heinz geht "weg von der herkömmlichen Push-Kommunikation, hin zum interaktiven Involvement der Zielgruppe im Web". Irgendwie sind wir uns einfach nicht sicher, wieviel "interaktives Involvment" (mal abgesehen vom grauenhaften Neudeutsch) wir mit dem Ketchup wollen. (Christoph Hugenschmidt)

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