Leider Nein (dissuative Folge)

7. Mai 2010, 15:46
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht

Innovation da, Fortschritt dort. Glaubt man denen, die uns täglich mit Pressemitteilungen bombardieren, damit wir die Nachricht in die Welt hinaus trügen und sie (oder wenigestens den Kontostand der versendenden Firma) verbessern, so wird täglich - was schreib ich? - stündlich innoviert, dass die Schwarte kracht. Äusserst innovativ ist zum Beispiel eine neuartige Socke, die Forscher der Empa der Abteilung "Schutz & Physiologie" zusammen mit Sockenhersteller Rohner entwickelt haben. Die Socke verhindert dank "speziellem Fasermaterial" die Bildung von Blasen.
Bestellt hat die neue Super-Socke der Zürcher Bauernbub und Armeechef Ueli Maurer, respektive seine Waffenfirma armasuisse, die mit dem "innovativen Sockenkonzept" die "beste Armee" der Welt ausrüsten will. Natürlich wurde die Wundersocke intensiv getestet. So etwa "an einem von Empa und armasuisse gemeinsam entwickelten schwitzenden Fuss-Modell" und im Live-Test durch "Soldaten im Kampfanzug in der Klimakammer auf dem Laufband". Doch entscheidend ist wie immer das Gesamtsystem. Zwar hat man die Wundersocke (noch?) nicht in die ebenfalls bekannt innovative Informatik des VBS integriert, aber immerhin schon in die Kampfstiefel: "Stiefel und Socken bilden dann ein optimales System für den Feuchtetransport."
Damit werden Schweizer SoldatInnen nun schmerzfrei bis mindestens Mosk, äh, pfui!, bis an die Adria durchmarschieren können, wo ja bekanntlich der Feind gemäss neuesten Analysen sitzt, respektive sich in der Sonne aalt. Noch unklar ist die dissuative Wirkung von Uelis Super-Socke, denn unsere SoldatInnen können nun natürlich nicht nur leichter zum Feind marschieren, um ihn in einen Kampf zu verwickeln, sondern sich auch beschwerdefrei fliehenderweise aus dem Staub machen, womit die Socke eine kontraproduktive Wirkung erzielen würde.
Mehr Potential in Sachen Dissuation hat zweifellos das "schwitzende Fussmodell", das die Empa zusammen mit armasuisse entwickelt hat. Noch ein Tropf Innovation dazu und das "schwitzende Fussmodell" könnte um eine olfaktorische Komponente erweitert entlang der Schweizer Grenze aufgestellt werden und eine abschreckende Wirkung auf die die Schweiz umringenden, wenn nicht gar belagernden, invasionsbereiten Heerscharen ausüben.
Es ist gut, wenn die Schweiz auch auf militärischem Gebiet innovativ bleibt, denn eigentlich befinden wir uns im Kriegszustand. Oder wie sonst sollten wir diesen Titel von Cash interpretieren? "Börsenausblick: SMI ist angeschossen." Offensichtlich ballert da einer - oder ist es etwa eine ganze Armee? - hemmungslos auf unseren Börsenindex. Und der Ärmste hat noch nicht mal ein "innovatives Sockenkonzept". (Christoph Hugenschmidt)

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