Leider Nein (doktorale Folge)

18. Februar 2011, 16:43
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Die Schweizer Fachpresse kann beruhigt sein: Man kann sein Brot durch Abschreiben verdienen und trotzdem etwas werden.
So ist Karl-Theodor zu Guttenberg, nachdem er heute seinen "Doktortitel vorübergehend niedergelegt" hat, zwar irgendwie nur noch ein halber Dr. jur., aber noch immer ein deutscher Adliger und zudem Verteidigungsminister (Stand: Freitag, 17 Uhr), obwohl er offenbar den Aufwand für das Erarbeiten seiner Doktorarbeit ziemlich radikal minimiert hat. Und ausserdem hat der arme Kerl doch nur vergessen, da und dort ein Anführungszeichen zu setzen. Das kann jedem mal passieren und stiftet - gerade in unserer Branche - auch Freude. Denn all die Mühe, die sich die Heerscharen von Medien- und PR-Spezialisten der Informatik-Anbieter machen, um schöne und lustige und originelle und spannende Pressetexte zu schreiben, wäre ja sinnlos, wenn es nicht welche gäbe, die die Texte nach der Guttenberg'schen Methode als Steinbrüche für die Erarbeitung ihrer eigenen Werke verwendeten.
Vergessen Sie das Argument, durch das einfache Abtippen von Mitteilungen entstünden keine Texte, die Ihnen zu Erkenntnissen verhelfen. Auch Pressemitteilungen können Wahrheit sein und zu Erkenntnissen führen. Das da ist zum Beispiel einfach nur wahr: "Krauthammers vierte Studie zu diesem Thema bestätigt: Manager tun sich noch immer schwer." Und eine Pressemitteilung mit dem Titel "Österreichs Film dreht an seinem Standort" kann gar nicht gelogen sein, genauso wie wir dieser Botschaft einfach glauben: "Jeder Fünfte hat schon jemanden entfreundet: Exklusive Umfrage von Yasni und Karrierebibel".
Welche Erkenntnisse gewannen wir aus dieser Pressemitteilung, mit der die Firma Schlafender Hase unseren Horizont erweiterte? "Frankfurt (ots) - Schlafender Hase GmbH verändert nicht nur die Art und Weise, wie man Korrektur liest, sondern auch den Namen des Prozesses. 'Hast du den Hasen über den Text Laufen lassen?' So fragt ein Top-Kunde aus den USA, ob schon Korrektur gelesen wurde", berichtet Willie Schnaubelt, Geschäftsführer Schlafender Hase und Partner GmbH." Die Erkenntnis: Entweder lässt die Schlafender Hase GmbH ihre Korrektur-Hasen nicht über die eigenen Texte hoppeln oder der Hase hat - wie übrigens auch der Schreibende - so seine Mühe mit der Gross-/Kleinschreibung und der Frage, welche Wörter man gemäss neuer Rechtsschreibung nun getrennt schreiben muss.
Doch wer im Glashaus sitzt, sollte nicht allzu heftig mit Steinen um sich werfen. Dieser Titel entstand nicht in einem PR-Büro, sondern bei uns: "Asus, Siemens & Co. in Taiwan wegen ausbeuterischer Überstunden verdonnert". Wussten wir doch, dass Überstunden Schweine sind, die man endlich mal verdonnern sollte. (Dr. cp Christoph Hugenschmidt)

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