Leider Nein (Episode 22: Landwirtschaft)

24. April 2009, 16:20
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Es ist eine, in der Schweizer IT-Industrie oft, gerne und heftig beweinte Tatsache, dass im helvetischen Parlament weit mehr Vertreter der Landwirtschaft sitzen, als solche aus unserer unglaublich zukunftsträchtigen und wahnsinnig produktivitätsfördernden Industrie.
Dies zu ändern sind schon manche angetreten und grad kürzlich grandios gescheitert. Gut haben wir noch die Swico, der Verband, der sich seit neuestem stolz "Der Wirtschaftsverband für die digitale Schweiz" nennt. Die Swico hat - neben einem neuen Claim - auch eine geniale Strategie ausgeheckt, um dem Übergewicht der Landwirtschaft in der Schweizer Politik entgegen zu wirken: Was die Bauern können, können wir schon lange. Forderungen stellen, Subvenziuns verlangen.
Der Verband fordert nämlich in acht Punkten vom Bund "eine Reihe von Sofortmassnahmen zur Stützung und adäquaten Berücksichtigung der ICT-Branche". So verlangt die Swico, bei der auch Schweizer Niederlassungen der grossen IT-Konzerne organisiert sind, die Verkürzung der Zahlungsfristen der öffentlichen Hand von "40 und mehr Tagen auf 10 Tage." Diese Forderung, liebe Swico, geben wir gleich zurück. Bezahlen Swico-Mitglieder ihre KMU-Lieferanten nun in 10 Tagen? Auja!
Auch Punkt 5 des an Bundesrätin Leuthard gesandten Forderungskatalogs finden wir pikant: "Schrottprämie im B2B-Bereich für alte PC, Server, Speicherhardware und Multifunktionsprinter, um Energie zu sparen und die Leistungsfähigkeit von KMU für den Aufschwung zu steigern." Zu deutsch: Die Swico will Subventionen, die letztlich einzig den Anbietern der genannten Produkte zu gute kommen würden. Denn Schweizer KMU kranken an vielem, aber wohl käumlich an veralteter Hardware. Ausserdem: Ist die Swico als Wirtschaftsverband nicht eher staatskritisch und liberal, also Subventionen abgeneigt? Oder gilt das nur, wenn es um Landwirtschaft und Kinderkrippen geht?
Die Punkte 7 und 8 können wir hingegen voll und ganz unterstützen. Die Swico fordert "Aus- und Weiterbildungsmassnahmen, um ICT-Mitarbeitende up-to-date zu bringen" sowie "Bestehende Lehrstellen erhalten, neue schaffen." Soweit uns bekannt ist, bildet gerade der Bund sehr viele Informatik-Lehrlinge aus, was man überhaupt nicht von allen Schweizer Niederlassungen der IT-Multis behaupten kann. Wir nehmen somit an, dass die Swico-Mitglieder in sich gegangen sind und ihr Lehrstellen-Angebot für diesen Sommer massiv erhöht haben. Richtig? Und wir freuen uns sehr, wenn Swico-Mitglieder, zum Beispiel solche, die Stellen nach Indien auslagern ("Rightshoring"), die betroffenen Mitarbeitenden nicht einfach entlassen oder frühpensionieren, sondern weiterbilden. (Christoph Hugenschmidt)

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