Leider Nein (Episode 24: Fit mit dem CWO)

5. Juni 2009, 15:23
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Sie würden staunen, wie wenig Reaktionen man als (Klein-)Medienschaffender im Allgemeinen hat. "Über Zeitungen schimpfen" ist zwar ein viel geübtes und geliebtes Hobby und deren Qualität oder eben Gegenteil ist immer ein beliebtes Thema für Small Talk in allen Lebenslagen. Aber die wenigsten getrauen sich, dem Schreiberling die eigene Meinung direkt und genauso aufgeregt unter die Nase zu reiben, wie sie im engen Kreis verbreitet wurde. Eine Ursache dafür dürfte sein, dass der (eben nicht) Kritisierte sich meistens erbittert und - mit gar nicht so wenig Sachkenntnis gewappnet - sich für seinen Text wehrt. Merke: Journis gehören zu der Sorte Mensch, die ihre Stärke eher im Austeilen denn im Einstecken hat.
Medienprofis haben hingegen gar keine Angst: Geht ihnen ein Artikel auf den Keks (Fakten zu falsch oder zu wahr) lädt man den Autoren zum Essen ein und versucht mit einer Mischung von Härte ("faktisch falsch", "einem Gerücht aufgesessen", "Sie sind xy auf den Leim gegangen") und einer Portion Honig ("Ihre Meinung wird in der Szene eben wahrgenommen") den arglosen Schreiberling auf seine Seite zu prügeln-ziehen. Den Vogel schoss ein unzufriedener Gesprächspartner neulich ab, als er mich als "Bertolt Brecht der IT-Szene" bezeichnete. Der Clou an der Sache: Die Bemerkung war negativ gemeint! Die so ausgeübte Journalistenschelte hat aber einen grossen Vorteil: Man kommt zu einem warmen Essen - es müssen ja nicht unbedingt Shrimps sein.
Denn diesen "geht es an den Kragen", wie Forscher am Bedford Institute of Oceanography herausgefunden haben. Die müssen das ja wissen - wir wussten nicht mal, dass die lieben und geschätzten Garnelen einen Kragen haben. Ausbreiten tut sich hingegen der Marderhund, alias Enok. Dieses Tier ist über den Ural gewandert und steht knapp vor den Grenzen Liechtensteins. "Gibt es den Marderhund auch in Liechtenstein?", fragte heute das Amt für Wald, Natur und Landschaft in Vaduz und machte daraus grad eine Pressemitteilung.
Auch eher für Randgruppen bestimmt schien uns diese Mitteilung: "Koga übernimmt den Bergmönch exklusiv." Der Bergmönch ist übrigens eine "Systemlösung" und hat Oh Herr - "eine ausklappbare Federgabel". Kurz: Das Ding ist zum Runterblochen. Arme Marderhunde! Und arme Böcke! Denn: "Preisbock.de setzt auf Social Commerce mit Magento."
Schön haben es hingegen die Pferde. Sie durften auf der BEA/PFERD neben einem "besonders spektakulären Gastland", dem Universum, mit den Hufen scharren. Falls ihr Heimatstall im Kanton Luzern steht, ist die Nachbarschaft zum Universum schon fast natürlich, denn sie werden Internet-affin gehalten. "Luzerner Bauern setzen auf das Internet" wusste die Innerschweizer Staatskanzlei vor ein paar Wochen zu berichten.
Ach ja: Fast hätten wir unsere wöchentliche Konjunkturbelebungsmassnahme vergessen: La crise n'existe pas! Sie, die ja eh nur in den Köpfen stattfindet und von den Medien herbeigeredet wurde, hat keine Chance bei all den Unternehmen, die jetzt richtig handeln und sich einen "Chief Wellness Officer" zulegen. Ein solcher muss natürlich zertifiziert sein und zwar von der "brain in action® Management Academy". Von der Hirnaktionsakademie ausgebildet, kann so ein CWO (natürlich "kompakt und praxisnah") die mentale und körperliche Gesundheit, die Fitness und das Wohlbefinden ... im Unternehmen aktiv vorleben." Und für diejenigen Angestellten, die im Zuge eines "Rightshoring-Prozesses" oder auch einer "Anpassung der Kapazitäten an den Markt" die Segnungen des freien Arbeitsmarktes geniessen dürfen, hat der CWO den Kurs, "Fit aufs RAV" im Programm. (Christoph Hugenschmidt)

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