Leider Nein (Episode mit Päckli)

11. Dezember 2009, 17:31
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Stressfaktoren: Im Frühling und Herbst glaubt jeder, aber auch wirklich jeder Anbieter, er müsse CIOs, IT-Administratoren, sonstige "Entscheider" und sowieso uns arme Multiplikatoren zusätzlich zu Cebit, Topsoft, x.days, Distree XXL, Mobile World, C36, Weissbuch-Seminar, Swiss CRM-, E-Health- und Finance Forum unbedingt zu dieser oder jenen wahnsinnig interessanten Info- oder Presseveranstaltung, Hausmesse, Kongress oder Kolloquium prügeln.
Im Sommer hingegen sind sowohl die Kollegen wie auch die Stories am Strand und im Winter wird man dick.
Natürlich werden nicht alle dick - unser Pöstler zum Beispiel wird sehr wahrscheinlich dünn, denn er ist ja der Grund, warum der Schreibende dick wird. Denn der Pöstler klingelt (neben den netten Leuten von Veloblitz, DHL, TNT, UPS und DPD) in den letzten Tagen alle paar Stunden und bringt Päckli. Original Zürcher Hüppen, silberne 16-GB-USB-Sticks mit eingraviertem Namen (eigentlich nehmen wir ja keine USB-Speicher mehr unter 32 GB, aber der Schenkende ist ein ganz netter), sehr schöne indische Fotokalender, original deutsche Honigkuchen in Blechschachtel, original hausgemachtes Weihnachtsgebäck vom Sprüngli in Blechschachtel, Zimtkirsch, ein Wollmützen-Set für die ganze Familie auch in Babygrösse und ein aufhängbares Necessaire für den Mann, das man am besten als rollbaren Hangar für den Beauty-Equipment-Park beschreibt. Und es ist noch nicht mal Mitte Dezember.
Nun könnten Sie einwenden, der Schreibende sei ja geradezu Spezialist darin, "Leider nein" zu sagen und sollte deshalb köstliche Süssigkeiten wie etwa die Honigkuchen in der Blechschachtel einfach ignorieren können. Leider Nein - wir fressen uns durch. Hoffen wir also, es geht uns nicht so wie dem "invasiven Eindringling" (was so viel heisst wie, "eindringender Eindringling" liebe pte), dem asiatischen Marmorkarpfen, der von den US-amerikanischen Fischereibehörden mittels 8000 Litern Fischgift Rotenon daran gehindert werden soll, in die grossen Seen eindringlich einzudringen.
So müssen wir und - schlimmer noch - auch unsere Umgebung muss sich damit abfinden, dass wir uns einen Honigkuchen-Ranzen zulegen und bald so unansehnlich sein werden wie deutsche Mülltonnen. Diese sind böse, denn: "Trist und hässlich verwandeln sie allwöchentlich selbst die schönsten Strassen in eine unansehnliche Grauzone und fordern ihre Besitzer geradezu heraus, sich im Erfinden kreativer Verstecke zu übertreffen." Gut, dass es die innovative Firma Tonnenstrumpf ("Wir geben Ihrer Tonne ein Gesicht"!) gibt, die der Langweile der deutschen Vorstädte "ein Ende" bereitet. Nicht ganz verstanden haben wir allerdings, warum es einen Tonnenstrumpf gibt, auf dem steht: "Ich bin Deutschland".
Also, liebe PR-Abteilungen und -Verantwortliche: Wir freuen uns ungemein über Ihre Geschenke, insbesondere über köstliche Honigkuchen in Blechdosen, die übrigens einfach nur eine Luxus-Version der bekannten Basler Läggerli sind, bitten Sie aber, darauf zu verzichten uns Rotenon (wir sind nämlich nicht invasiv, sondern gehören - betrachtet man unseren Firmennamen "Huron" - eher zu den Invasionsopfern) oder Tonnenstrümpfe zu senden.
Falls Sie übrigens ein Weihnachtsgeschenk für sich selber suchen, so hätten wir noch eine Buchempfehlung. Unsere Ex-Kollegin Susann Klossek schrieb nämlich nicht nur Meldungen von uns ab, sondern auch - ganz ohne fremde Hilfe - ein Buch. Es ist nicht ihr erstes und handelt aus dem wahren Leben einer IT-Journalistin.
Das Buch ist - wie immer bei Klossek - streckenweise bitterböse und nicht durchgehend jugendfrei: "desperate mousewife - das Tagebuch der Roswitha Koslowski. Aus der Reihe: Wege aus dem beschädigten Ich." Das Werk kostet 35.40 Franken und kann direkt bei der Autorin bestellt werden. (Christoph Hugenschmidt)

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