Leider Nein (Folge mit dem Briefkasten)

8. April 2011, 16:18
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Haben Sie uns schon einmal einen Brief per Post gesandt? Tun Sie es besser nicht, denn zu den unbeliebtesten Jobs unserer Redaktöre gehört es, den Briefkasten nach 11 Uhr zu leeren, denn man muss sich dabei die Finger mit so schlimmen Sachen wie Briefen von der AHV-Verwaltung, Steuerbehörden und Versicherungen schmutzig machen - der Job geht deshalb meistens vergessen. Gut geschriebene, für die Leser informative Pressemitteilungen, die einem den Tag durch leicht gemachte Arbeit versüssen würden, hat es hingegen im Briefkasten nie - aber das hat es ja auch im E-Mail-Postfach nicht.
Meistens geht die tägliche Leerung des Briefkastens also vergessen und so kommt es, dass unsere geschätzte Finanzerin, die zwar selten hier ist, sich aber im Gegensatz zu den toughen Herren Journalisten nicht vor den Schreiben der Behörden fürchtet, sondern weiss, was man damit so alles tun kann, jeweils ganze Berge von Fach- und Kunden-Zeitschriften, Wirtschafts- und Quartierzeitungen, Prospekten, Katalogen für Büromaterial, Telefonbüchern und Flyern, auf denen auf für uns dringend wichtige Produkte hingewiesen werden (siehe Scan oben), ins Büro schleppen muss.
Und einmal pro Jahr fischt sie einen Primör aus dem Briefkasten. Letztes Jahr war es ein ausgedrucktes E-Mail, von dem alle Teile, die auf Absender oder Empfänger hinweisen würden, mit der Schere abgeschnitten worden waren, das dann erneut kopiert und uns per Post zugesandt worden war. Dieses Jahr kam der postalische Primör schon im April, nämlich gestern. Zusammen mit einer Art anonymen Pressemitteilung. Darin beklagt sich der unbekannte Absender über eine bekannte Tatsache. Nämlich, dass Swisscom IT Services (SITS) im Clinch mit der Gewerkschaft liegt, weil sie die Löhne nur um ein mageres Prozent erhöhen will, obwohl Swisscom eigentlich einen anderen, besseren Lohnabschluss mit der Gewerkschaft vereinbart hat. Unser unbekannter Primör-per-Post-Zusender legte ausserdem den Ausdruck eines gefälschten Interviews mit SITS-Boss Eros Fregonas ins Couvert, das bei Swissscoms IT-Service-Tochter pünktlich zum ersten April zirkuliert haben soll. Hier ein kurzer Auszug aus dem Werk:
Frage: Die Umfrage zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden ist offenbar dramatisch schlecht ausgefallen - so schlecht, dass sie diese nur rudimentär veröffentlicht haben. Was sind die Gründe dafür und bleibt die Umfrage im Giftschrank? Fregonas: Diese Mitarbeitenden sind einfach undankbar! Kaum macht man ihnen eine Freude und optimiert mit ihrer Leistung den Gewinn, wollen sie auch noch gut behandelt werden. Dabei muss doch jedem Kleinkind einleuchten, dass man es nur entweder dem Anteilseigner oder dem Mitarbeitenden Recht machen kann. Dass dabei die Mitarbeitenden zurückstehen müssen, ist doch selbstverständlich. Wem das nicht passt, der sollte sich einen anderen Job suchen. Damit werden auch die Umfrageergebnisse wieder besser und können auch wieder veröffentlicht werden (lacht).
Gut, dass das Interview gar keins war, sondern ein Aprilscherz, den man uns - terminlich geschickt - zwischen dem 1. April und dem 1. Mai, dem Kampftag der Gewerkschafter, zugesandt hat. Eine Frage an den oder die Autoren des Interview-Fakes hätten wir noch: Was soll schlecht daran sein, wenn sich der Boss eines IT-Outsourcers Machiavelli zum Vorbild nimmt, wie im "Interview" ("als Italiener orientiere ich mich gerne an meinem grossen Vorbild Machiavelli.") suggeriert? Gibt es überhaupt IT-Outsourcer-Bosse, die nicht Machiavelli zum Vorbild haben? (Christoph Hugenschmidt)

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