Leider Nein (Folge mit schlechten Eigenschaften)

15. April 2011, 15:47
  • kolumne
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.
Es gibt Leute, der Schreibende gehört leider dazu, die anderen mit dem grössten Vergnügen von ihren Plänen erzählen, als wären sie fast schon realisiert. Schon alleine das Erzählen der Absichten gibt einem ein angenehmens Gefühl und man muss aufpassen, sie nicht schon für umgesetzt zu halten, nur weil man die ganze Zeit irgendwelche Leute mit Vorsätzen und Ideen zugetextet hat. Umgekehrt muss es dem lieben Sommer gegangen sein, der seinen Plan, auch dieses Jahr auch in der Schweiz stattzufinden, nicht einfach ausgeplaudert, sondern schon im April realisiert hat. Diese Woche wurde er dann zurückgepfiffen - unbekannt ist, ob von Frau Holle, Herrn K. oder (einem Wetter-)Gott.
Passend zu diesem aestas praecox (lat. frühzeitiger Sommer) erreichten uns die bugatti news zum heissen Thema "Sommersakkos" samt schönen Bildli von schlanken Männern mit 10-Tage-Bart und Sakko sowie dem coolen Slogan "Casual, cool und charismatisch." Etwas gestaunt haben wir, dass uns die versendende PR-Agentur gleich mit "Liebe Medienpartner" anspricht. Von der Medienpartnerschaft mit der Sakko-Fabrik bugatti haben wir bis heute noch gar nichts gewusst. Haben Sie unsere Adresse für die Lieferung der partnerschaftlichen Sakkos, liebe Alliterationen-liebende "doris dober detailed communication"?
Mit obigem Abschnitt entlarvt sich der geneigten Leserschaft noch eine schlechte Eigenschaft des Schreibenden: Er plagiert (helv. aufschneiden) gerne mit Bildung, dabei schöpft er sein Wissen aus Wikipedia, Google, zu 90 Prozent vergessenen Inhalten eines 70er-Jahre-Gymis und populären historischen Romanen.
Da nun also der Sommer gemerkt hat, dass noch nicht Sommer ist, sondern erst Ostern, das verfrühte Badewetter aber schon allen Schnee weggefressen hat und man deshalb gar nicht mehr Skifahren gehen kann, es aber zum Velofahren noch etwas kühl ist, kann man die kommenden Feiertage getrost zu Hause beim Gamen verbringen. Da und dort gibt es auch was zu gewinnen, so zum Beispiel Notebooks und Drucker bei HP (man muss Eier sammeln). Viel, viel mehr kann man aber bei den Schweizer Bauern gewinnen, denn morgen Samstag ist endlich "Tag der Milch". Zu diesem schönen Anlass machen sich "junge Bauern" (wer will schon Milch von alten Bauern?) auf in die unwirtlichen Städte und bringen uns - Sie ahnen es - Milch und "Attraktionen für Gross und Klein". An den "Milch-Events" gibt es ein Kälbchen zu streicheln für die Kleinen (Jöööö!) und für die Grösseren eine Kuh zum Melken und "junge Bäuerinnen und Bauern der schweizerischen Jungzüchtervereinigungen sind anwesend und freuen sich über den Kontakt mit der Bevölkerung."
Wenn frau statt des Kälbchens nun so einen Jungbauern streichelt (Jöööö!), kann sie diesen allenfalls gewinnen. Klappt das nicht, so kann man am "Tag der Milch" eine Kuh gewinnen, wie uns "swissmilk" schreibt. Schlau sind diese Jungbauern und Jungbäuerinnen: Sie werden sich mit Hilfe des herzigen Kälbchens (Jöööö!) die schönsten jungen Städterinnen und Städter (Tschüüüüs!) schnappen, die statt brav Informatik in der Stadt zu lernen und etwas zu werden, aufs Land abwandern. Zusätzlich werden sie (die Bauern), eine Kuh, die sowieso nur die ganze Zeit teures Kraftfutter aus den Sojaplantagen im Amazonasgebiet mampfen würde und dabei immer weniger einträgliche Milch abgäbe, los und behalten die Subventionen. Immerhin 600 Franken pro Jahr und Kuh. Kein Wunder kann man bei den Bauern mehr gewinnen als bei HP. (Christoph Hugenschmidt)
(Illustration: (c) by swissmilk)

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