Leider Nein (ganz einfach)

20. Mai 2016, 15:02
  • kolumne
  • ruag
  • leider nein
image

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Ihre Firma hat ein gröberes Problem? Macht nichts! Ihre Firma ist total unglaubwürdig geworden, hat es nicht, wie versprochen, geschafft, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln? Macht nichts! Ihre Firma hat sich zum Gespött der ganzen Branche gemacht? Macht nichts! Sie positionieren ihren Laden als Security-Spezialisten, wurden aber gehackt und haben es ein Jahr lang nicht bemerkt? Und hätten es ohne die Hilfe des deutschen Geheimdienstes auch die nächsten zehn Jahren nicht bemerkt? Macht nichts! Schliesslich haben sie eine (gut bezahlte) PR-Abteilung und brave Medien im Lande, die die Elaborate ihrer gut bezahlten PR-Abteilung brav abdrucken und die Fenster zur Redaktion schliessen, damit man das Wiehern der Redaktorinnen und Redaktoren beim Lesen der Werke ihrer gut bezahlten PR-Abteilung nicht hört.
Wir zum Beispiel haben für das Studium dieser Pressemitteilung das Fenster geschlossen: "RUAG ist Expertin für die Sicherung gegen IT-Angriffe, deren Erkennung und Beseitigung. Aufgrund einer Information des Nachrichtendienstes konnte RUAG einen sehr professionellen Hacker-Angriff auf das IT System erkennen und erfolgreich stoppen." Haben Sie das gelesen? "Expertin für die Sicherung gegen IT-Angriffe" und "erfolgreich stoppen"? Wieher!
Ebenfalls immer nützlich ist Schwafeln. Sie stellen portionenweise Leute auf die Strasse, wollen das aber nicht zugeben, aber auch nicht direkt lügen? Schreiben Sie: "In unserer Branche ist Veränderung eine Konstante und Transformation ist fester Bestandteil unseres Geschäftsmodells." Konkrete Fragen beantworten sie am besten mit dem Klassiker von den "Gerüchten", die man nicht kommentiere.
Sie lagern Stellen nach Polen, Bangladesh oder in die Ost-Ukraine aus? Mit dem richtigen Wording ist auch das kein Problem. Benennen sie im ersten Schritt die Programmierer-Kaninchenställe im Tieflohnland schön. Wie wärs mit "Center of Excellence"? Zweitens sollten sie intensiv darauf hinweisen, dass es ihrer Firma in keinster Weise, überhaupt gar nicht ums Geld geht, wenn sie über 50-jährige 160'000-Franken-Informatiker ans RAV auslagert und durch 20'000-Franken-Entwickler im neuen "Center of Excellence" am Rande der Taiga ersetzt. Betonen Sie unbedingt, dass sie übrigens auch in der Schweiz verzweifelt, ja händeringend nach Informatikern suchten.
Sie werden staunen, wie gut das alles funktioniert. Schliessen Sie jetzt ihr Bürofenster: "Die Strategie der Angreifer blieb aufgrund der kleinen Datenmenge, die entwendet wurde, einige Zeit unentdeckt." (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

IT-Woche: Keine gute Woche für den IT-Journalismus

Bei der 'Computerworld' wurde ein folgenschwerer Fehlentscheid getroffen.

publiziert am 3.2.2023
image

Vor 16 Jahren: Windows Vista erscheint

War es das schlechteste Windows aller Zeiten?

publiziert am 3.2.2023
image

10?! Sabrina Storck, COO SAP Schweiz

Die Chief Operating Officer von SAP Schweiz erklärt, wie sich ihre Rolle als "Innenministerin" des Unternehmens wandelt und was es mit der Halbwertszeit von Ferienfotos auf sich hat.

publiziert am 2.2.2023
image

Due Diligence: Hydromea

In dieser Kolumne schreibt Ramon Forster regelmässig über Schweizer Tech-Startups. Heute unter der Lupe: Hydromea aus Renens (VD).

publiziert am 2.2.2023