Leider Nein (heute in 3D)

17. Juni 2011, 16:29
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Das war noch ein Erlebnis, als man als Dreikäsehoch an die Chilbi ging und da so ein Zelt stand, das aussah wie eine Schwedentorte, mit dem Unterschied, dass das Zelt nicht grün, sondern meist rot-weiss war. Am Eingang bekam man eine Kartonbrille mit rotem und grünen "Glas" und drinnen ging räumlich dargestellt die Post, respektive die Achterbahn, respektive die Autofahrt durch ne Stadt ab. Nach ein paar Minuten hatte man es ja gesehen und das Lustige war danach weniger der Film, als die Brille abzunehmen und den anderen Betrachtern (mit Brille) bei ihren spastischen Zuckungen zuzusehen, die sie produzierten, um dem Bild auszuweichen (auch in 3D).
So wollen wir auch heute in dieser Kolumne die Brille ablegen und den Zuckungen des 3D-Hypes zusehen. Seit die glupschäugigen Avatars loslegten, ist 3D im Kino ja inzwischen Courant Normal; da sticht einem der Dreizack von Jack, oh, Entschuldigung, Captain! Jack Sparrow, quasi direkt ins Auge. Nicht nur die Spatzen pfeifen es vom Dach (kann man 3D pfeifen?), sondern auch die Transformers vom Mond, dass Hollywood froh ist, dass die Effektenkiste jetzt gar zwei Dimension mehr hat, um von der eindimensionalen Handlung abzulenken. Aber auch die IT-Industrie ist froh um die dritte Dimension, sie öffnet ein neues Verkaufsfeld, um Sparrows Dreizack auch ins Wohnzimmer oder aus der Hand stechen zu lassen. So lasen wir von 'Pressetext': Fernsehmarkt 2011 vor dreidimensionaler Explosion. Wir waren schon früher eher froh, wenn uns die Röhre nicht um die Ohren schoss, heute droht uns der ganze Markt um die Lauscher zu knallen. Hui! Wir versuchen uns zudem vorzustellen, wie denn eine zwei- oder, noch besser, eine eindimensionale Explosion von statten geht.
Übrigens auch das iPad 3 soll mit 3D-Technik ausgerüstet werden (oder nicht, das Apple-Gerüchtlidings geht ja schon wieder los). Aber 3D geht noch kleiner. Laut 'Pressetext' bläst LG mit dem Optimus 3D zum mobilen 3D-Angriff auch hier überfordert uns die Vorstellung, wie der ein- oder zweidimensionale Angriff denn früher so ausgesehen hat und freuen uns, wenn es auch wieder mal immobile Angriffe gibt, so wie in guten alten Zeiten. Aber das ist noch nicht alles, es handelt sich dabei auch um ein 3D Smartphone was wir sehr unpraktisch finden, die zweidimensionalen Smartphones fügten sich bisher doch so glatt zwischen zwei Visitenkarten. Letztere wird es ja sicher auch schon in 3D geben, wie Werbeplakate für ein Festival auf dem Berner Hausberg. Als ob jemand immer seine 3D-Brille dabei hätte. Aber was heisst hier eine? Das ginge ja noch, unterdessen braucht ja einen ganzen Brillenbund voller optischer Hilfsmittel damit sich auch mit jedem Gerät das Hirn aus den optischen Reizen die Illusion von Raumtiefe zusammenbauen kann.
Sowieso, 3D war ja gestern, denn gleich mehrere Dimensionen obendrauf packt der Betreff einer E-Mail der Firma Artwin aus Lenzburg, das in unserem Postfach landete: Von der Wiedergeburt und perfektem E-Mailmarketing. Wir rieben uns ab dem etwas gross dimensionierten Inhaltsbogen verwundert die Augen und entschlossen uns die 3D-Brille wieder aufzusetzen, bevor wir uns wegen dem ganzen 3D-Hype noch Ritalin verschreiben lassen mussten (wobei, wie viele Dimensionen sieht man wohl damit)?
Als wir uns wieder beruhigt hatten, erkannten wir, dass man auch in kleiner dimensionierten Welten Sorge hat. Denn wir erhielten Nachricht aus dem Ländle, in der uns Hugo Quaderer, Liechtensteins Sportminister, mitteilt: Es freut mich, dass wir hier in Liechtenstein den historischen Beschluss gefasst haben, mit den Kleinstaatenspielen fortzufahren. "Juhe!", schrie es durch die Redaktion, lang leben (jedoch weiterhin leider ohne den Vatikan) die Kleinstaatenspiele! Als wir dann die Website besuchten, erinnerten wir uns wieder an damals, auf dem Land und an der Chilbi. Wir konnten damals ja noch kein Englisch, so hiess der Kaugummi für uns einfach "Bazokka", auch wenn da "Bazooka" draufstand. Aber unter "Lie-Games 2011" , dem Namen der Spiele, hätten wir uns wohl dannzumal schon etwas anderes vorgestellt. (Marc Werlen, Gastautor)

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