Leider Nein (heute mit Delfin)

10. September 2010, 16:12
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Sie haben ein Problem? Die Kunden wollen nicht kaufen, man kennt Ihre Produkte nicht und ignoriert Ihre geniale Strategie? Schlimmer: Man weiss nicht mal, dass Sie existieren? Ihr Problem ist keines, denn die Lösung ist einfach und tausendfach erprobt: Machen Sie eine Medienveranstaltung, laden Sie Journalisten ein, erzählen Sie ihnen, wie toll Sie und ihr Produkt und wie happy Ihre Kunden sind und geben Sie den Journalisten nach der Verkündung der Botschaft (PowerPoint-Folien nicht vergessen!) etwas zu essen und einen USB-Stick (für die PowerPoint-Folien). Und damit auch sicher genug Journalisten kommen, laden Sie alle Journalisten aller Redaktionen sowie deren freie Mitarbeiter persönlich und zwar per Mail, Post und Telefon ein. Völlig ahnungslose PraktikantInnen deutscher PR-Agenturen, die eigentlich "Journalismus" studieren wollten, sind aktuell recht günstig zu haben und telefonieren gerne.
Die Journalisten werden die kostenlosen Mini-Sandwiches, den Kugelschreiber mit eingebautem 512-MB-USB-Stick und die Beglückung, dass sie persönlich und live den Seim der Weisheit, der von Ihren Lippen träufelte, aufsaugen durften, mit "News" zuhauf entgelten, die Kunden werden die "News" lesen und von der Erkenntnis getroffen, dass Ihre Firma existiert und Ihr Produkt toll ist, kaufen.
Sollten Sie aber Pech haben und Ihre Medienveranstaltung wegen zu viel Konkurrenz absagen müssen (aktuell sind ja nur die höchstkarätigen Medientage eines Mega-Herstellers mit drei Buchstaben in einem ehemaligen Kloster, Oracles Open World mit 40'000 Teilnehmern in San Francisco, wo endlich gesagt werden soll, was die Zukunft von Java sein wird und wo man einfach sein muss und eine Pressekonferenz, die Bundesrätin Leuthard zusammen mit dem Chef eines US-Mega-Herstellers mit mehr als drei Buchstaben abhält, und dazu noch etwa 47 weniger wichtige Veranstaltungen angesagt), dann verschicken Sie halt eine Pressemitteilung. Etwa so eine: "Trost in tränenreichen Situationen: GROUP Business Software AG spendet 2'000 Stoff-Delfine an DRK und Deutschen Kinderschutzbund". Liebe GROUP Business Software im Frankfurter Messeturm. Ohne persönlichen Test-Stoff-Delfin läuft bei uns gar nichts. Und wie sollen wir über Black Angus Biobeef von premiumsteak.ch schreiben, wenn wir nichts als ein schnödes E-Mail erhalten haben? Das gleiche Problem haben wir auch mit "Al Fez", dem neuesten Wurf aus dem "Ethnic-Sortiment" der Migros, das unter anderem eine schmackhafte Sauce und auch noch eine Salatsauce nordafrikanischer Art enthält.
Liebe Presseabteilungen: Wenns um argentinische Steaks und nordafrikanische "Al Fez" (bisher glaubten wir, "Fez" stehe für hormongeschwängerte Teenie-Parties aber man lernt eben nie aus) Saucen geht, gilt das Delfin-Prinzip. Ohne Testexemplare läuft nix. (Christoph Hugenschmidt)
(Illustration: Die "Journalism Warning Labels")

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