Leider Nein (heute mit Eisbergen)

11. Oktober 2013, 15:57
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Und hier noch unsee Freitagabend-Kommentar.

Noser spricht: "Wer in der Privatwirtschaft solche Fehler macht, geht Konkurs." Den kernigen Satz sagt Nationalrat, Unternehmer und ICTSwitzerland-Präsident Ruedi Noser in einem Interview mit dem 'Tages-Anzeiger' geht. Zur Erinnerung: Im Bundesamt für Strassen ist das Software-Projekt Mistra aus dem Ruder gelaufen. Es hat viel länger gedauert als geplant und kostete, statt wie ursprünglich geplant 43, bisher 95 Millionen Franken.
Nosers These: In der Privatwirtschaft gebe es jeweils Informatikchefs, die für die zentrale Budgetkontrolle zuständig seien. Und weil keine Firma es überleben würde, Kosten so massiv zu überschreiten, packe man IT-Projekte "viel sorgfältiger" an. Alles wäre besser, wenn der Bund nur noch Projektziele ausschreiben und den Rest an Private auslagern würde, sagte "Mister IT".
Entweder ist Noser vergesslich oder polemisch. Denn natürlich gibt es in der Privatwirtschaft Software-Projekte, die aus dem Ruder laufen, die ergebnislos gestoppt werden, die dutzende und hunderte von Millionen Franken verschlingend Jahre länger dauern als geplant.
Beispiele gefällig? Der renommierte Industriekonzern Huber+Suhner verlochte mit einem schwierigen ERP-Projekt etwa 40 Millionen Franken und wieviel Geld die SIX Group mit dem Projekt Magellan verbrannt hat, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass keine der genannten Firmen konkurs gegangen ist.
Nosers Kritik an der Art und Weise, wie der Bund Informatik-Dienstleistung beschafft, ist durchaus bedenkenswert. Und es stimmt, dass Software-Projekte nicht zu lange dauern dürfen und einen klar definierten Nutzen bringen müssen. Doch die Behauptung, in der "Privatwirtschaft" könne mit fehlgeleiteten Software-Projekten kein Geld verlocht werden, ist reine Ideologie. In Wirklichkeit ist es so, dass die Eisberge (der gescheiterten Software-Projekte) in der Privatwirtschaft einfach weniger Auftrieb haben. (Christoph Hugenschmidt)

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