Leider Nein (heute mit Pferd)

15. August 2014, 15:32
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Und? Haben Sie mich vermisst? Was - Sie haben gar nicht gemerkt, dass ich nicht da war? Sie wollen wirklich nichts vom Choucroute de la mer auf der Terrasse des Au Cap Marine in Siouville La Hague vom Camping in Fécamp interessiert Sie nicht im geringsten, sagen Sie? Sie haben Recht: Ferien werden völlig überschätzt und in Wahrheit sind wir alle froh, wieder da sein zu dürfen, denn in den Ferien gibt es keine News und wenn, dann nicht die wirklich wichtigen News, mit denen unsere lieben Freundinnen und Freunde aus dem PR- und Medien-Schaffen uns täglich beglücken und unseren Horizont so weit erweitern, dass so ein Sonnenuntergängchen zu einer Art optischem lauen Wind wird. Oder so.
So hat man uns in Fécamp doch tatsächlich unterschlagen, dass "Herodes wahrscheinlich von Baumeistern hintergangen" wurde, wie uns sda (eben nicht) aufgeklärt hat und dass "Mutterkühe für Wanderer mit Hunden gefährlich" sind, wie 20 Minuten passend zur Regensaison enthüllt hat. Die Zeitung hat für die Story knallhart recherchiert ("Kühe sehen den Hund noch immer als Raubtier und fühlen sich bedroht") unterschlägt aber die entscheidende Frage, ob nicht Pferde, Zebras oder Antiwolf-Kampflamas noch gefährlicher für Hund und Mensch seien. Da sieht man wieder einmal, wie die Pferdelobby die Medien manipuliert. Pferde (und schon gar nicht Antiwolf-Kampflamas) geben ja nicht mal richtig viel Milch, können aber - immerhin - Manager trainieren. So ein Managerflüstererpferd gibt nämlich, ganz im Gegensatz zum gemeinen Antiwolf-Kampflama oder HR-Manager, "ehrliches und direktes Feedback" und reflektiert "Bestimmtheit, Ausgeglichenheit, emotionale Fitness und Begeisterung" der Manager und das auch noch völlig vorurteilsfrei, weshalb es nun endlich "pferdegestützte Mangement-Seminare" gibt.
So ein pferdegestütztes Seminar würde sicher auch dem einen oder anderen Fussballer gut tun, denn Pferde reagieren bekanntlich auf Bisse mit schlagenden Argumenten, doch ist Teambildung und Training nicht alles. Es braucht auch noch Big Data und vor allem In-Memory-Datenanalyse, damit so ein Team - zum Beispiel die deutsche Fussballmannschaft - die armen Brasilianer vom Platz fegt, als wären's die Senioren 50+ des FC Altstetten gegen den FCB. Die deutschen Fussballhelden waren nämlich mit Chips (in der Socke?) ausgerüstet, die wiederum "in zehn Minuten mit drei Bällen über sieben Millionen Datenpunkte produzieren", wie SAP in einer Pressemitteilung mitteilte. Dank In-Memory-Technologie wurde die so produzierte Datenflut natürlich in Echtzeit mit "SAP Match Insights" analysiert und die deutsche Mannschaft von ihrem Führer - Entschuldigung! - natürlich Trainer- und Betreuerteam zum Sieg geführt, was unsere KollegInnen von der bekannt schamlosen britischen Online-Zeitung 'The Register' zum grandiosen Untertitel "Vorsprung durch grossdatentechnik" verführte.
Sehr wahrscheinlich wiederum nur mit Big-Data-Technologie (von IBM?) beantwortbar bleibt die Frage, warum deutsche Fussball-Teams drei Bälle erhalten, während der FC Altstetten Senioren 50 + mit nur einem Ball tschutten muss. So ist das: "Spricht man im Ausland von der Schweiz, dauert es oft nicht lange, bis der Käse eine Rolle spielt" analysierte Mitte Juli knallhart der "weltweit größte Online-Marktplatz für Grafikdesign" 99designs aus Berlin. Eben. (Christoph Hugenschmidt)

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