Leider Nein (heute mit Protest)

8. November 2013, 17:56
  • kolumne
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Und hier noch unser Freitagabend-Kommentar.

Das Adjektiv oder zu gut Deutsch das Eigenschafts- oder Beiwort stösst bei uns in der Redaktion auf eine Hassliebe. Wie ein PR-Manager mal treffend sagte, sind Beiworte das Aromat der Sprache und bei Glutamat scheiden sich die Geister ja ebenfalls. Wie das Salz in der Suppe, ist das treffende Adjektiv eine Prise Würze, die all die Textingredienzen zu einer Geschmacksoffenbarung werden lassen können. Andererseits wird eine dünne Textsuppe durch (übertriebenes) Zufügen von Geschmacksverstärkern auch nicht besser. So sahen wir heute, wie die Werbung Akademischer Protest! an die Bäume des Tageszeitungs-Blätterwaldes angeschlagen wurde, um mit Nachdruck auf einen Missstand der Zürcher Universität, genauer des Medizinhistorischen (übrigens ein gutes Eigenschaftswort) Instituts hinzuweisen. Wir fragen uns, welche Eigenschaft denn ein akademischer Protest haben soll. Denn wenn die Proletarier protestieren, ist das schliesslich auch kein proletarischer Protest. Gemäss Wikipedia kennt man aber die akademische Frage. Damit wird ein Problem bezeichnet, dessen Lösung nur eine geringe oder keine praktische Relevanz besitzt. Wir zweifeln etwas daran, ob diese Deutung im Sinne der 600 Akademiker war, die den Protest unterschrieben haben.
Definitiv Protest – ganz ordinär und unakademisch – löste die Anfrage einer Agentur bei uns aus: Ob wir einen Gastbeitrag zum Thema Borussia Dortmund mit Text-Link auf eine Hotelvergleichseite des Agentur-Kunden veröffentlichen würden. Schliesslich sei das relevant für unsere Website. Wir rätseln immer noch, welche Relevanz damit gemeint war. Da die Agentur beteuerte, dass ihr Artikel gut geschrieben, informativ, unterhaltsam und einzigartig sei, nehmen wir einfach mal an, sie meinten das damit und sehen darum elegant darüber hinweg, dass wir mit einer Kurtisane verwechselt wurden.
Übrigens, das Ländle kann ganz gut mit Beiwörtern umgehen. Mathematik ist langweilig? Mathematik ist unanschaulich? Nicht im Fürstentum Liechtenstein!, titelt Prof. Dr. Rainer Vollkommer vollkommen korrekt und wohl mit stolz geschwellter Brust. Leider übertreiben sie es etwas mit den Hauptwörtern. Denn den Beweis für ihre Aussage soll die Wanderausstellung Geopythafibotonpolyhypotesaeder! Matheliebe erbringen. Falls Akademiker diesen Text lesen, die nicht gerade am Protestieren sind und wissen, worum es dabei geht, wir sind brennend daran interessiert, was denn dieses Geophyta.., äh, Dings ist.
Zu guter Letzt möchten wir anmerken, dass ganz im Gegensatz zu Köchen, die durch einem Ausflug in fremdländische Gewürzgärten Leckeres herbeizaubern können, die Eigenschaft eines Hauptwortes nicht besser beschrieben ist, wenn man dazu ein Fremdwort verwendet. Darum ist die Nachricht Neues Risikomanagement für das resiliente Unternehmen für uns schlicht ungeniessbar. Wir protestieren, ganz normal, nicht etwa journalistisch! (Marc Werlen, Gastautor)

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