Leider Nein (heute mit Wääk)

29. April 2011 um 16:17
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Man sollte nicht jammern - schon gar nicht, wenn man eben aus der schönen Puszta und einem kleinen kulinarischen Aus- und Höhenflug in Budapest (wir empfehlen das Café Central - allemal schöner und sowieso einiges günstiger als die Zürcher Kronenhalle) zurückgekommen ist. Trotzdem: Wir Medienschaffende im IT-Umfeld haben es schwer, denn meistens verstehen wir nur Bahnhof und sollten aber trotzdem Texte schreiben, die nicht nur unsere geschätzte Leserschaft, sondern sogar auch noch wir selbst verstehen. Glauben Sie mir: Das ist nicht einfach.
Besonders schwierig ist es in Sachen Security, denn bei diesem Thema wird es so richtig technisch und die Einschätzung, ob ein bestimmter (angeblicher) Angriff gefährlich oder doch eher nur ein Marketing-Gag eines Security-Herstellers ist, ist Glücksache. Weshalb sich die meisten hiesigen Medienschaffenden auf ihre US-Kollegen verlassen und - natürlich ohne dies zuzugeben - deren Berichte einfach wiedergeben. So geschehen bei der sensationellen Erkenntnis, dass Samsung angeblich Spionage-Software, die heimlich Tastatur-Anschläge registriert, auf seinen Notebooks vorinstalliert habe. Diverse Medien - gerade auch aus der Schweizer IT-Ecke - fielen auf die Story der US-Zeitschrift Networkworld - keineswegs ein "Blog" wie NZZ online behauptet hat - herein und verbreiteten die Meldung vom bösen, bösen koreanischen Hersteller - der übrigens im Schweizer Notebook-Markt nicht mal eine Rolle spielt. Während sich die normalerweise seriöse Networkworld nach der Korrektur der Falschmeldung hinterfragte und die eigenen Fehler ziemlich schonungslos offen legte, publizierten die deutschsprachigen Medien einfach "Updates", veränderten ihre vorher veröffentlichten Artikel und taten so, als ob nichts gewesen wäre.
Dagegen ist der missverständliche und sensationshaschende Titel einer Symantec-PR "PDF wird als Waffe immer beliebter" schon fast harmlos. Gar nicht harmlos fanden wir hingegen diesen Eintrag über einen Auftragszuschlag, den wir auf simap fanden: "2.1 Projekttitel der Beschaffung. Kühltirmumbau Rieselpakete." Lieber Kanton Aargau. Allzu viel Vertrauen in Dein uralt-AKW in Leibstadt hatten wir früher schon nicht, aber jetzt ist es ganz weg. Wofür, oh Kanton Aargau, brauchst du "Rieselpakete" für "Kühltirme"? Gut, dass die Ricoh-Drucker nicht aus dem Aargau kommen, sondern aus Japan und - wie Ricoh netterweise mitteilt - ausserdem nicht strahlen, denn: "Im Augenblick überprüfen wir den Status und die Sicherheit aller RICOH-Produkte."
In der Schweiz hingegen wird nichts überprüft, aber es ist trotzdem gefährlich und brutal. Besonders gefährlich, ja gar mörderisch und das gerade im IT-Umfeld, ist die hiesige Justiz: "Bundesgericht versetzt Open Source Todesstoss" titelten unsere Kollegen vom "IT-Markt" auf der Jagd nach Klicks. Aber eigentlich ist so ein kleiner Lausanner Software-Mord harmlos im Vergleich zu dem, was uns Telefönli so alles antun. "Smartphones sind «Stalins Traum» enthüllte 'Computerworld' im März, seinerseits die "Open-Source-Ikone Richard Stallmann" zitierend. Irgendwie ist das mit der ermordeten Open Source und ihrer trotzdem kernig-antistalinistischen Ikone logisch, denn auf Ikonen sind tatsächlich meistens Tote, nämlich Heilige, abgebildet.
Alles nicht so schlimm - es gibt Hoffnung, denn "Die Lernkurve steigt durch Schmerz" (Computer Reseller News). Und falls Sie nun aus lauter Verzweiflung und Angst vor rieselnden Kühltirmen, strahlenden Druckern, mordenden Gerichten und massenmordenen Smartphones zum Glas gegriffen haben, so ist das alles kein Problem. Die Lösung präsentierte uns 'ChannelPartner': "Gemeinsam schneller trocken". Prost! (Christoph Hugenschmidt)

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