Leider Nein (intelligente Folge)

26. August 2011, 16:37
  • intelligent
  • kolumne
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Früher war alles besser. Die Leute jammerten weniger, sich verschulden war anrüchig und Schawinski zog es vor, Jugendliche von italienischen Gipfeln statt Frührentner durch das Leutschenbach-Kabel zu bestrahlen.
Aber etwas, das gab es früher nicht. Früher waren technische Errungenschaften schnell, gross, gut gemacht, selbsterklärend, vielleicht auch mal praktisch, aber sicher nicht intelligent. Denn die geistige Fähigkeit war den lebenden Wesen vorbehalten. Heute ist das, wenn man den Marketing-Gebetsmühlen glauben schenken will, anders. So lesen wir dauernd von intelligenten Formularen, Autos, Stromzählern und so weiter. Es wird wohl nicht mehr lange gehen und man wird uns Intelligenz von Badeenten oder Drink-Schirmchen vorgaukeln.
Zumindest ansatzweise intelligent ist ja noch, was Forscher so alles hinbekommen. Solche vom California Insititue of Technology (Caltech) "bauen ein denkendes DNA-Gehirn" (Red: Achtung, der Fokus liegt auf bauen, nicht etwa auf denken). Wie uns Pressetext weiter mitteilt, können "vier vernetzte Neuronen einfache Aufgaben lösen". Scheint uns ein rechtes Spatzenhirn zu sein, aber weit gefehlt, "Mit dieser Technik konnte man am Caltech bereits den weltgrössten DNA-Schaltkreis realisieren, der Quadratwurzeln berechnen konnte." Früher, liebe jüngere Leserschaar, konnte das sogar unser Rechenschieber und zwar ganz ohne Intelligenz.
A propos Spatzen. Ob der frühe Spatz auch den intelligenten Wurm fangen würde, den Forscher des Adolphe Merkle Instituts (AMI) (Red: Die Amis sind schon erfinderisch) der Universität Freiburg züchteten, ist ungewiss. Das Polymer - der Wurm - (übrigens passenderweise von einer Seegurke inspiriert) "ist an der Luft zwar steif, beginnt aber praktisch am Haken zu zappeln, wenn es mit Wasser in Berührung kommt". Wir sagen Bravo! Was für eine Intelligenz!
Schlaff zu zappeln, weil ihm das Gehirn dazwischen funkt, droht übrigens auch dem häuslichen Wurm, wenn die Frau des Hauses sich zu stark mit anderen Männern unterhält. Das zumindest haben Forscher der University of Chicago herausgefunden. Es braucht aber schon eine gesunde Portion Intelligenz, um dies wie 'Channelpartner' mit "Erektionsprobleme durch Heimvernetzung" zu betiteln.
Wenn nun schon alle technischen Systeme intelligenter werden, steht unser Nachwuchs (ganz egal ob vom Pöstler des Heimnetzwerks oder vom Gemahl gezeugt) gehörig unter Druck. Für Abhilfe will die amerikanische (Red: sagen wir doch) Firma Rullingnet Corporation mit dem dem "VINCI tab"
Letztlich hält das Marketing-Gebrabel nicht nur bei der Technik Einzug, sondern auch bei traditionellen Hobbys. So fand in Basel bereits zum dritten Mal das "öffentliche Strick-Happening 'Knit in Public'" statt. Früher hätte das auch schon keinen Sinn gemacht, aber wenigstens hätte man einfach Massästriggedä gesagt. (Marc Werlen, Gastautor)

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