Leider nein (IV)

6. Juli 2007, 17:00
  • kolumne
  • ingram micro
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Neues aus dem Redaktions-Papierkorb.

Es ist paradox: Wir, die wir "die Welt" mit Nachrichten überfluten, leiden selbst am meisten darunter. Unsere Mailboxen quillen über und wir haben bereits den dritten Pöstler an die Rückenklinik verloren: Alle wollen uns etwas erzählen, alles ist wichtig - finden die PR-Abteilungen dieser Welt. Und wir unterschlagen Ihnen das alles einfach.
Unterschlagen haben wir beispielsweise die weltbewegende Nachricht, dass Shashank Priya von der University of Texas eine Art Windrad für Handys erfunden hat. Und Orange hat dann die ersten Prototypen am Glastonbury-Festival verteilt. Man kann den "Orange Mobile Wind Charger" (Bild) auf das Zeltdach oder auf ein Velo montieren - eigentlich revolutionärer als Apples doofes iPhone, wegen dem sich die Journaille noch kollektiv Karpaltunnelsyndrome einfangen wird.
Vielleicht wäre so ein Windrad auch die Lösung für die Umweltverschmutzung die von landwirtschaftlichen Maschinen verursacht wird. Wir sagen nur: Feinstaub. Doch manche lassen sich davon nicht beeinflussen. Zum Beispiel die Autoren des bahnbrechenden Werks "Die Zukunft ist rot-weiss", in dem es "sehr persönliche Geschichten" aus 60 Jahren Steyr-Traktoren gibt. Auch toll: Die Webseite der Steyr-Freunde. ("Wenn Neugier zum Himmel stinkt)
Nichts gegen Bauern und Traktoren - wir mögen sie. Trotzdem haben wir Ihnen eine wichtige Nachricht aus dem Landwirtschaftssektor unterschlagen: Micarna, die Fleischfabrik von Migros, macht jetzt nämlich nicht nur Würste sondern auch Fisch. Micarna wird jetzt die "Fischplattformen" von Migros Genf beliefern. Was - um Gottes Willen - sind Fischplattformen?
Auch unterschlagen haben wir die Nachricht, dass die österreichische Kulturministerin Claudia Schmied Österreich "in ein Filmland verwandeln" will. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg. Denn: "2005 war ein Katastrophenjahr für die österreichische Filmwirtschaft". Man lernt nie aus.
Kein Film, sondern direkt aus dem prallen Leben, kommt die Info, dass Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein den Herren Karlheinz Ospelt, Xaver Hoch, Jakob Büchel und Gaston Jehle das Ritterkreuz verliehen hat. Xaver: Runter vom Steyr und aufs Pferd!
Und dann gibt es Nachrichten, die Sie überall finden, nur bei uns nicht. Etwa die eigentlich gar nicht so uninteressante Information, dass der Grosshändler Ingram Micro nun auch die Search-Appliances von Google in sein Sortiment aufgenommen habe. All die fleissigen Reseller-Heftli in Europa brachten die Story brav - nur wir telefonierten und drückten dann die "Delete"-Taste. Ingram hat keine Google-Appliances in Europa...
Genauso wenig, wie die meisten kommerziellen "Second Life"-Auftritte Besucher haben. Das ändert tut die Firma buinsessMart AG. Die hat nämlich eine revolutionäre Software entwickelt, mit der man das Verhalten der nicht vorhandenen Kunden in "SL" analysieren kann. In Echtzeit! Leider nein.
Und zur Feier des Freitags noch das. Wussten Sie, dass BR Sämi Schmid, Herr und Meister über die Schweizer Armee lesen kann? Er kann es nachweislich, denn er hielt anlässlich der Feier zum hundertjährigen Jubiläum des Solothurner Vogt-Schild-Verlags eine Rede. Zum Thema Zeitungen. Aus dem Transkript, das das VBS verdankenswerterweise veröffentlichte - irgendwas müssen deren PR-Leute ja tun - gewannen wir bahnbrechende Erkenntnisse. Nämlich: "Das Verhältnis zwischen Verlag und Redaktion ist nicht immer einfach. Auch eine gute Ehe ist nicht immer einfach. Sie bedarf der ständigen Arbeit, der Toleranz, des Gebens und Nehmens, der kreativen Spannung eben." Echt? Da haben wir Naivlinge uns die Welt doch immer ganz anders vorgestellt. Etwa so: Verleger an Redaktor: "Schreib ja nix Schlechtes über meinen Inserenten!" Redaktor an Verleger: "Doch!". Verleger an Redaktor: "You're fired". (Christoph Hugenschmidt)

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