Leider Nein (kostet 231.04 Franken)

23. Oktober 2015, 16:04
  • kolumne
  • bund
  • leider nein
image

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Endlich, endlich legte das Schweizer Farbfernsehen offen, welche Sendung wieviele Kosten verursacht. Und so wissen wir nun, dass es mehr kostet, eine Folge 'Tatort' oder 'Bestatter' zu drehen als 'Meteo'. Boaah. Das hätte ich nie gedacht.
Und wir können analysieren, was ein Lacher pro Zuschauer und Gag bei Giacobbo/Müller kostet und ob die Tränen, die wir angesichts des Polit-Geblöks in der 'Arena' aus Mitleid mit uns selbst vergiessen, nicht doch teurer sind. Exklusiv für Sie, liebe LeserInnen, enthülle ich nun, dass die Tränen billiger sind, denn selbst Stefan Heuss kann nicht so lustig sein, dass er die Tränenbäche, die die 'Arena' bei mir auslöst, kompensieren könnte.
Doch was kostet es, einen Artikel für inside-it.ch oder inside-channels.ch zu produzieren und diesen im Web zur Vefügung zu stellen? Natürlich wollen wir nicht intransparenter als das Schweizer Farbfernsehen sein, auch wenn wir weder Gebührengelder bekommen noch wollen, denn wenn wir Gebührengelder bekämen, müssten wir einen Direktor, einen Publikumsrat, eine Controlling-Abteilung für die jährlichen Rechenschaftsberichte und eine ganze Heerschar von Qualitätssicherern haben und die wären so teuer, dass bei dem ganzen Gebührensplitting nichts mehr für SRF übrig bliebe.
Sie wollen nun endlich Zahlen? Bitte: Die Herstellung eines Artikels bei uns kostete letztes Jahr im Durchschnitt 231 Franken und vier Rappen. Gewisse Artikel waren natürlich teurer als andere. So kostet die Zusammenfassung einer Pressemitteilung, die einigermassen vernünftig geschrieben ist, ein paar Fakten enthält und keine wichtigen Fragen zurücklässt, weniger, als ein Artikel des Schreibenden, für dessen Recherche er nach Barcelona jetten muss, wo er - wenn er schon mal dort ist... - erst ein paar Tage Ferien verbringen muss, bevor er den Artikel verfassen kann, für den er allerdings vor der Geburt besagten Artikels erst lange, informelle Gespräche in Strassenbeizen von Poblenou führen muss. Da kommt was zusammen.
Hingegen kosten die Beiträge unserer geschätzten Kolumnisten verglichen zum Schweizer Fernsehen wahnsinnig wenig, nämlich fast nichts. Allerdings gilt dies nur, wenn man die emotionalen Kosten (Emex) nicht berücksichtigt, denn es ist zwar lange nicht so schmerzhaft 'Von Hensch zu Mensch' zu redigieren. wie 'Arena' zu schauen, zumal der Autor dieser Kolumne nicht nur fast fehlerlos, sondern immer auch sehr pünktlich schreibt. Aber es verursacht durchaus emotionale Kosten, alle zwei Wochen Meinungen zu veröffentlichen, ohne diesen widersprechen zu dürfen. Unsere Emex zu quantifizieren ist hier allerdings nicht möglich, denn die Kosten, die die Nichtveröffentlichung einer Meinung verursacht, sind betriebswirtschaftlich erst wenig untersucht.
Noch weniger kostet es, einfach Artikel von anderen Medien abzuschreiben oder sich wenigstens schamlos bei der Recherche bei anderen zu bedienen. Diese Spar-Methode ist bei renommierten wie auch un-renommierten Medien der Schweiz beliebt, wie sich diese Woche einmal mehr zeigte. Ist ihnen aufgefallen, dass den scharfsinnigen Rechercheuren von 'Bund', '20Minuten' und wem auch immer die Story mit der Beschaffung eines IMSI-Catchers durch die Kapo Bern in den Schoss gefallen ist? Das war nicht teuer! (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

IT-Woche: Zum Leben zu wenig…

Es geht nicht nur im Gesundheitswesen um Leben und Tod, sondern auch in der IT.

publiziert am 23.9.2022
image

Vor 14 Jahren: Erstes Android-Smartphone kommt auf den Markt

"HTC Dream" respektive "G1" setzte als erstes kommerzielles Gerät auf das Betriebssystem Android. Bei den damaligen Testern rief es "Entzücken" hervor.

publiziert am 23.9.2022
image

Soko Maier: Was ist Open Source Software wert?

Als bekennende OSS-Befürworterin gibt unsere Kolumnistin Einblicke in die Open-Source-Welt und erklärt, warum sich das Engagement in der Community lohnt.

publiziert am 22.9.2022
image

DSI Insights: Digitalisierung und Nachhaltigkeit beissen sich manchmal

Von "smarten" Städten über intelligente Glühbirnen zu Online-Reparaturplattformen. Die Welt ist je länger je mehr voller Beispiele, wo Digitalisierungsprozesse auch materielle Konsequenzen haben.

publiziert am 21.9.2022