Leider Nein (kulinarische Folge)

26. November 2010 um 17:10
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Nur noch fünf mal schlafen und dann ist endlich Dezember. Das ist der Monat, in dem unsere Redaktoren besonders freudig aufstehen, denn unsere bitterharten Journalistentage werden täglich durch das Klingeln des Pöstlers und anderer Kuriere, die Gschänkli abliefern, versüsst. Obs dieses Jahr auch wieder die unglaublich köstlichen Lebküchlein der Kgl. Bayer. u. K.Österr. Hof-Lebkuchen u. Chocoladen-Fabrik Heinrich Heberlein" aus Nürnberg gibt? Ob uns jemand wieder eine potthässliche Uhr als Rache-, ein anderer hingegen sackteuren Wein als Bestechungs- und ganz viele weitere uns allerlei Schöggeli als Liebesakt senden? Her mit dem Zeugs! Besonders mögen wir Salami, Prosecco (unser neuer Sales Manager Gianluca Agostiniello gehört zur Blöterlifraktion), Bier (vorzugsweise unserer Hausmarke Amboss, die auch das legendäre inside-it-Bier herstellt), geräucherte Fische, Bbbbbünderfleisch, gute exklusive Stories, Lebkuchen, indische Gewürzmischungen in wunderschönen Blechschachteln, Pizzen, Budapest-Reisli, riesige USB-Sticks (ab 64 GB), Kaviar, Parmaschinken und wirklich gute Amaretti. Eher weniger interessiert sind wir an billiger Schokolade, von Kindern in Indonesien hergestellten Stroh-Weihnachtsmännern, Kalendern mit Fotos aus dem Ruhrgebiet, Büchern über Fussball, langen Nachtessen zusammen mit langweiligen Kollegen, die immer nur über ihre Verleger stöhnen, selbst aber niemals bereit wären, auch nur ein bisschen Risiko auf sich zu nehmen, USB-Sticks unter 64 GB Kapazität, Wecker, Uhren, Radiowecker und nur sehr kompliziert funktionierende MP3-Player mit schmerzenden Kopfhörern, Energy Drinks, Saftpressen, zu kleine Küchenschürzen und andere Küchenutensilien mittelmässiger Qualität und sowieso alles, für das wir auch noch Zölle zu bezahlen haben.
Ob Sie uns eine Wurst der Wurstmarke "Schwarze Pute ®" senden sollen, können wir Ihnen nicht sagen, denn wir haben noch nie eine solche Wurst gegessen, obwohl sie mit wahrhaft revolutionären Methoden angepriesen worden ist: "Mit dem Kampagnen-Slogan 'Ein Hingucker für Aufreißer' macht Yellow den SB-Start der Schwarzen Pute® bekannt." Ich gestehe: Den Begriff "Hingucker für Aufreißer" habe ich bisher völlig falsch verstanden, denn es ist "eine würzige Halb-Dauerwurst aus 100 % Pute mit nur 12 % Fett!" Vielleicht liegt der Fehler aber auch nicht bei mir und der Texter der Aufreisser-Kampagne ist selber eine Halb-Dauerwurst.
Falls Sie uns Brot als Weihnachtsgeschenk schenken wollen, so bedenken Sie doch bitte, dass dieses Nahrungsmittel recht rasch trocken und damit kulinarisch wenig attraktiv wird und senden Sie uns deshalb bitte gleich den Toaster, und zwar den klassischen "Russell Hobbs Toaster", der nicht nur "schick, edel und trendy ist" sondern auch noch "Radio, Wecker und einen iPod-kompatiblen MP3-Player", eine "Krümel-Auffangschale" sowie - und das ist unverzichtbar - einen "Extra-Lift" aufweist, mit.
Das mit dem Hobbs getoastete und beschallte Brot könnten wir dann mit Käse bestücken und damit unsere Redaktion stärken, auf dass die Recherchen noch härter, unnachgiebiger, schlauer und schneller werden: "Die Sortenorganisation Tilsiter Switzerland überrascht Käseliebhaber mit dem neuen, würzig-delikaten Bio AlpenlandTilsiter." Auch wir sind völlig überrascht, liebe Sortenorganisation, dass ausgerechnet die "Sortenorganisation Tilsiter Schweiz einen Tilsiter lanciert. Aber eigentlich, liebe Sortenorganisation Tilsiter, haben wir Gruyère eh viel lieber. (Christoph Hugenschmidt)

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