Leider Nein (kulinarische Folge)

27. Mai 2011, 16:07
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

"Swissness am Spiess" lautete der Titel einer Pressemitteilung, die diese Woche ins E-Mail-Fächli flatterte. Absender: Baracca Garten c/o AlpenRock House, Butzenbüelstrasse, Zürich-Flughafen. Die urchigen Sennen aus Kloten rufen nicht etwa zu einer miesen Veranstaltung fieser antischweizerischer Chaoten mit Migrationshintergrund auf, an der Schweizer Fahnen verbrennend geschmolzener Käse auf Swiss-Flugzeuge geworfen werden soll, sondern meinen es tatsächlich ernst: "Auf mehr Schweizerisches wird auch beim Grill-Vergnügen gesetzt. Der in der Schweiz entwickelte Maier Grill stellt das Kernstück der Baracca-Küche dar. Angeboten werden sieben verschiedene Grill-Spiesse, vornehmlich mit Fleisch aus der Schweiz. Neben den Grill-Spezialitäten stehen auch diverse leichte Vorspeisen, Hauptgänge mit Fisch und sündige Desserts auf der Speisekarte."
Und während die Desserts sündigen, schaffen die PR-Schaffenden der "Zermatter Posthütte" auch gleich noch das arme Wallis aus: "...vereint Swissness mit Walliser Gemütlichkeit..." heisst es in der Mitteilung. Sicher haben wir Verständnis dafür, dass man dem lieben Wallis bei all den Wolfs- (tot), Luchs- (auch tot) und Schafs- (subventioniert) Geschichten kritisch gegenüber steht, finden es aber trotzdem völlig übertrieben und unschweizerisch ausgrenzend, die "Walliser Gemütlichkeit" nicht irgendwie auch noch zur "Swissness" zu zählen. Aber die ist ja am Spiess.
Als natürliche Beilage zu so einer aufgespiessten Swissness empföhle sich Rösti, wie uns auch "über 240 Delegierte aus der ganzen Schweiz", die sich am 24. und 25. Mai 2011 in Gstaad zur "120. ordentlichen Delegiertenversammlung von GastroSuisse" trafen, bestätigen könnten. Doch oh weh! - auch die Rösti ist irgendwie am Spiess oder noch schlimmer - jemand legt seine Finger drauf. "Die zunehmende Tendenz, dass 'Vater Staat seine Finger auf jede Rösti legt', sei verheerend, und zwar nicht nur für das Gastgewerbe," sagte der GastroSuisse-Zentralpräsident in Gstaad gemäss Pressemitteilung. Stimmt - auch wir finden die hemmungslose Antöbbelei von Röstis durch Väter (gottseidank wenigstens keine mit Migrationshintergrund, wobei - beim Staat weiss man ja nie) völlig daneben und werden in der Beiz künftig keine angetatschten Röstis mehr essen.
Kein Wunder geht es den Beizern fast so mies wie den Schafzüchtern und anderen Wolfs- und Staatsopfern. Gut, dass wenigstens EIN Beamter Veständnis hat: "Es könne gut sein, dass sich Gastronomen mit einem Bein in einer Grauzone bewegten, schon nur deshalb, weil es ihnen schlicht nicht möglich sei, stets alle Gesetze einzuhalten," so Bundesrat Ueli Maurer gemäss Pressemitteilung. Auch er übrigens ein Bauernbub, der - glaubt man nur leicht manipulierten Fotos eines längst vergangenen Wahlkampfes damals im fernen Zürich - in einer Baracca am Bachtel aufgewachsen ist und der deshalb weiss, was es heisst, arm zu sein und von second-hand-Rösti leben zu müssen.
Liebe Beizer: Wenn Euch schon die ganze Zeit irgendwelche Väter ihre Pfoten in die Rösti halten und ihr unmöglich all die Arbeitsgesetze, SUVA-Richtlinien und Fleischdeklarationsvorschriften einhalten könnt, so - bitte, bitte! - wascht doch wenigstens die Gurken mit Migrationshintergrund. Danke! (Christoph Hugenschmidt)

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