Leider Nein (kulinarische Folge, IV)

24. Mai 2013, 16:09
  • leider nein
  • kolumne
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Informatik sei ja eher eine trockene Sache, heisst es, und Programmierer seien jene eher beleibten Herren, auf deren ausgelatschten Pullis sich Krümel und Fettflecken gute Nacht sagen, weil Programmierer beim Programmieren im Keller nebenbei Hamburger von McDo und Pizze vom Pizzakurier verdrücken. Dabei ist alles anders: Wir taumeln vom Apéro riche über den Business-Lunch zum Executive Dinner, werden mit winzigen Gurken-Safran-Venus-Muscheln-Süppchen traktiert, gehen dann zu den hausgemachten Sedanini über ("mi grattugia per favore un altro po' di tartufo?"), networken noch ein bisschen beim Espresso und machen uns dann auf den Weg ins Schloss: Das dritte Schlossgeflüster kommt mit grossen Schritten näher und ein weiteres Mal geniessen wir die exklusive Kombination eines spannenden Themas rund um Informationssicherheit und -schutz, gepaart mit einem 3-Gang Menu im Weiherschloss Bottmingen". IT-Security hat mir immer schon Angst eingeflösst und nun weiss ich auch warum. Wo Geflüster in Schritten kommt und sich ein Thema mit dem Menu im Weiherschloss paart, müssen ja Infektionen stattfinden.
Besonders schlimm sind jene Dinner-Anlässe (neben "Executive", "Press" auch gerne "Networking" genannt) bei denen die Gäste zwischen den Gängen mit PowerPoint geschlagen werden, so dass man gezwungen ist, sein schickes Moleskine, das man unbedingt braucht, weil man ja auch Wein trinken muss, sich aber trotzdem irgendetwas merken sollte, weil der Chef spätestens morgen um 10 Uhr einen fixfertigen Artikel haben will, in der Salatsauce zu deponieren. Noch schlimmer fänden wir, wenn sie uns "3D-gedruckte Nahrung auf dem Vormarsch" vorsetzen würden, wie dies "Technologie-Experte Jeffrey Lipton von Seraph Robotics" gerne tun würde, der glaubt, "dass datenbasiertes Essen in den nächsten Jahren einen grossen Teil unserer Ernährung ausmachen wird."
Viel lieber hat der Schreibende Anlässe, bei denen die PowerPoint-Phase maximal 10 Minuten dauert, bis man sich dann erleichtert der Brot-und-Käse-und-Bier-Phase (Warum lädt eigenlich keine Bude zum "Apéro prolétaire" - oder wenigstens "populaire à la mode de la Bretagne" ein?) zuwenden und mit KollegInnen anstossen und den neuesten Klatsch austauschen kann. Noch cooler wären aber Anlässe, bei denen man alle drei Vorgänge - tratschen, Bierundwurst und Infofürstoriesaufsaugen - kombinieren kann. Nur schafft das leider nie jemand. Ausser diese Woche Microsoft, an deren als "Twitterbier" getarntem Apéro wir zum ersten Mal in unserer Karriere als Medienschaffender das Moleskine-Problem nicht hatten, sondern das Nahrungsmittel (Würstchen) mit dem Produkt (Surface) als welterster Test (siehe Foto oben) vereinen durften. Anstatt nun fies einen Zusammenhang zwischen dem Nahrungsmittel und dem Schreibenden herzustellen, könnten Sie sich ein Beispiel nehmen und überlegen, wie man Ihr Produkt - zum Beispiel ihre Agile-In-Memory-Big-Data-Hadoop-Java-Bring-your-own-Device-Open-Source-Plattform - mit Austern, baskischen Würstchen oder Iskender Kebab testen könnte. Vorzugsweise unter KollegInnen und bei einem Bierchen. (Christoph Hugenschmidt)

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