Leider Nein (martialische Folge)

19. Juli 2013, 15:27
  • kolumne
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Die Feder ist bekanntlich mächtiger als das Schwert. Dies und der Umstand, dass Schwerter im heutigen Alltag recht unhandlich sind, hat uns in der Redaktion ja bei der Berufsfindung dazu bewogen, zur Feder zu greifen. Heute aber legen wir diese Feder - welche ja in der Redaktion nur noch in unzähligen Kugelschreibern und zähligen Tastaturen und Mäusen vorkommen und nicht mehr von Vogelpos geklaut sind - ausnahmsweise nieder und werfen uns, trotz prächtigem Sommerwetter, in den Harnisch, greifen das Schwert am Knauf; auf in die Text-Schlacht. Banzai!
Als wir lasen: 20% Rabatt auf alle Südafrikaner, wähnen wir uns bereits am Sklavenmarkt und das noch bevor wir alle Riemchen unserer Sandalen festgezurrt hatten. Wir entspannten uns - im Gegensatz zu den Riemchen - rasch wieder, als wir den Absender 'weinbroker.ch' erkannten. Danach montierten wir unseren Helm und fragten uns, ob wir auch so einen Nasen-Atemschutz für in (!) der Nase bräuchten, aber wie Pressetext schreibt, ist das nichts für uns, denn er schützt Chinesen vor Feinstaub. Wir fragten uns zwei Dinge: Erstens, wie denn der In-Mund-Schutz gegen Feinstaub aussehen würde und zweitens, ob dieser Atemschutz einen DNA-Test hat, um sicherzustellen, dass er auch wirklich in einem Chinesen und nicht etwa in einem als Chinesen getarnten Walliser steckt.
Ganz profanere Schlachten werden ja heute am Grill geschlagen, da geht es um die Wurst, das weiss auch Coop. Sie meinen: Schweizer grillieren durchschnittlich jeden 9. Tag im Jahr. Wir sind dann doch eher für Würste, als für Tage auf dem Grill. Kulinarisch auch nicht besser, ist die Schlagzeile: Tablets fressen E-Reader auf. Mahlzeit!
Am Grill wird es uns dann mit Helm, aber ohne feuerfeste Unterwäsche ausgerüstet, zu heiss. Wir suchen den Schatten eines Baumes, um kurz ins Ländle zu schielen. Dort verteilte Fürst Hans-Adam II. von und zu Lichtenstein Orden. Für besondere Verdienste ging ein Grosskreuz an Herrn Dr. Ritter und das Komturkreuz des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordnes an Frau Helma Ritter. Wir sind der Meinung unsere Erwähnungen im Leider Nein sind auch ein besonderer Verdienst und wären einen Orden wert.
Während wir uns noch überlegen, wo wir uns den den Orden anstecken würden, wurden wir auf dem Schlachtfeld der Zukunft Zeuge von Ungeheuerlichem. Folterknecht: Roboterratte quält Artgenossen, titelt Pressetext und es ist noch viel schlimmer, als es sich liest: Die Roboterratte wird nämlich eingesetzt um - nicht wie der Titel vermuten lässt, seine Artgenossen (also die Roboter) - sondern echte Ratten so lange zu drangsalieren, bis diese in tiefe Depressionen verfallen. Wir sind deprimiert und flüchten - husch - hinter einen Busch wo wir sogleich auf den nächsten Roboter treffen. Einen Roboter-Frosch, der Bilder im Patientenkörper macht. Wir lassen die lustigen Bilder die das in unserem Kopf auslöst noch etwas entwickeln und lesen erst dann weiter in der Medienmitteilung: Die Füße des Roboters ähneln denen eines Laubfrosches und haften auf dem nassen und rutschigen Gewebe innerhalb der Bauchhöhle ... Für eine bessere visuelle Vorstellung erklären die Forscher das Phänomen mit dem Bierglas, das am Bieruntersetzer haften bleibt, sobald die Fläche nass wird. Na dann Prost!
Wir hatten genug von der Brutalität dieser Schlachten und wollten bereits unsere Rüstung wieder gegen die Feder eintauschen, als uns die Einladung zur Gedenkfeier Sempach und dessen Mittelalterfest ereilte. Für das Vorlesen des Schlachtbriefes wollten wir uns nochmal in Blechschale werfen, hämmerten darum die Beulen aus unserer Rüstung und waren froh, dass die Technologie damals noch nicht so weit fortgeschritten war. Denn wie uns mitgeteilt wurde, hält Siri Selbstmörder vom Sprung ab. Das ist wohl etwas übertrieben aber wir wagen uns nicht vorzustellen, was heute wäre, hätte Winkelried damals ein iPhone gehabt. (Marc Werlen, Gastautor)

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