Leider Nein (mit runden Tischen)

4. November 2011, 16:25
  • kolumne
  • leider nein
image

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Es gibt welche mit runden Tischen und welche ohne. Die mit den runden Tischen führen unweigerlich zu massiven Nackenproblemen, während die ohne schmerzhafte Füsse verursachen. Es gibt sie in Barcelona und Bern, in Zürich, Paris, Amsterdam, San Jose, Luzern, Interlaken und in Oberbuchsiten. Kombiniert man Oberbuchsiten mit der Version runder Tisch, dann wird die IT-Abendveranstaltung so richtig qualvoll. Die fixe Platzierung an einem runden Tisch zwingt einem dazu, dauernd den Hals um 180 Grad zu drehen, um höflich die Augen auf den Referenten zu richten, was aber erstens eben Nackenprobleme verursacht und zweitens dazu führt, dass der Referent, immerhin ein Wirtschaftsprofessor und Verbandspräsident, merkt, wenn man einschläft. Und dies passiert fast immer, denn man hat die anderen Opfer am Tisch nicht selbst ausgesucht und kann deshalb nicht frech über den berühmten Wirtschaftsprofessor lästern, was wenigstens ein bisschen für Unterhaltung sorgen würde. Zum Schluss wartet man dann 59 Minuten auf den Zug.
Ernährung ist bei beiden Veranstaltungs-Varianten problematisch. Bei der Rund-Tisch-Version ist das Essen immer lauwarm und überhaupt von zweifelhafter Qualität, denn der Veranstalter wird sich hüten, richtig viel in Küche und Service zu investieren, denn sooo viel bezahlen die Sponsoren und Herren über die Tische und ihre Opfer denn auch wieder nicht. Bei der Fussschmerz-Stehtischli-mit-Buffet-Version ist das Essen oft besser und wenn nicht, dann kennt man es wenigstens schon und freut sich, alte Bekannte (Hackfleischbälleli, frittierte Crevetten-Schwänze und Mini-Schinken-Brötli) wieder mal anzutreffen. Das Problem bei der Stehversion liegt bei den Ellbogen, denn man muss sie eng an den Körper schmiegen, gleichzeitig versuchen, mit der Gabel das winzige Roggenbrötli mit dem Thunfisch-Mousse-Kläcksli aufzuspiessen und nicht etwa auf den eng anliegenden Teller des Nachbarn zu schieben oder gar ins Rotwein-Glas der Nachbarin fallen zu lassen. Apropos Rotwein: Haben Sie gewusst, lieber Veranstalter von Rund-Tisch- oder Fussweh-Veranstaltungen, dass die Leute, insbesondere Informatiker und Journalisten, eigentlich lieber Bier als Wein haben?
Schwieriger ist hingegen die Einschätzung, ob Referate an Rund-Tisch- oder an der Fussweh-Veranstaltungen unerträglicher sind. Am CNO-Panel diese Woche in Bern (Tisch) zum Beispiel, waren die Referenten gewohnt intelligent, hatten etwas zu sagen und konnten dies auch. Doch leider hat der Schreibende alles zur IT-Nachwuchs-Frage seit ungefähr 2004 schon mindestens acht mal gehört. Und während die Physiotherapeutin mit ziemlich brachialen Methoden versucht hat, meinen Nacken wieder zu Beweglichkeit zu bewegen, lenkte ich mich mit der Antwort auf die Frage, ob es unhöflich wäre, der Branche zu sagen, dass man nun nach etwa acht Jahren der Ursachenanalyse in die Phase des Leninschen "was tun?" übergehen könnte, ab.
Referatmässig völlig unproblematisch war hingegen die 108. Verleihung des 'IT Reseller Disti Award' gestern Abend in Thalwil, denn IT-Reseller-Chef Marcel Wüthrich rasselte die Vorstellung der Gewinner in Rekordtempo und durchaus mit Humor ("Mit Rang drei sind wir mit der Kategorie Broadliner auch schon fertig, denn es hat ja nur drei") herunter und die Gewinner waren sowieso die gleichen wie vor 108 Jahren. Danach durfte man sich dann den Ellbogen und der Frage widmen, welcher Disti am meisten Harddisks hat und welcher sich von einem sehr grossen Druckerhersteller am letzten Quartalsende am meisten Verbrauchsmaterial aufschwatzen liess, das nun bleischwer dort liegt, wo eigentlich Harddisks liegen sollten.
Gar keine Rede gab es am "Gala Dinner" des Channels Forum in Barcelona (Tisch-Version - ich hatte Glück und konnte einen Stuhl neben der gefühlt einzigen Frau am Anlass, eine Kollegin von Computer Reseller News aus Kopenhagen, ergattern). Ob der Auftritt eines ganzen Pulks von Synchronschwimmerinnen im Pool des Parks des Hotels Rey Juan Carlos eine gelungene Alternative zu einem launigen Speech gewesen ist, kann ich nicht beurteilen. Richtig: Ich sass mit dem Rücken zum Pool, der die Bühne der Schwimmerinnen war. (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

IT-Woche: Keine gute Woche für den IT-Journalismus

Bei der Computerworld wurde ein folgenschwerer Fehlentscheid getroffen.

publiziert am 3.2.2023
image

Vor 16 Jahren: Windows Vista erscheint

War es das schlechteste Windows aller Zeiten?

publiziert am 3.2.2023
image

10?! Sabrina Storck, COO SAP Schweiz

Die Chief Operating Officer von SAP Schweiz erklärt, wie sich ihre Rolle als "Innenministerin" des Unternehmens wandelt und was es mit der Halbwertszeit von Ferienfotos auf sich hat.

publiziert am 2.2.2023
image

Due Diligence: Hydromea

In dieser Kolumne schreibt Ramon Forster regelmässig über Schweizer Tech-Startups. Heute unter der Lupe: Hydromea aus Renens (VD).

publiziert am 2.2.2023