Leider Nein (part XIII)

17. Oktober 2008, 16:11
  • kolumne
  • leider nein
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Die Nachrichten aus dem Redaktions-Papierkorb.

Gottseidank müssen wir nicht über die Finanzkrise berichten. Was heute gilt, kann morgen schon ganz falsch sein und unsere lieben Kollegen von der "grossen" Wirtschaftspresse, vor allem den Printmedien, kommen den Ereignissen kaum mehr nach. Schon nur ein kleines Bisschen Wunschdenken und schon steht man am nächsten Morgen vor dem Kiosk und möchte am liebsten das gestern geschriebene in jedem einzelnen Blatt wieder ausgümmelen. Doch es hängt und liegt einen ganzen Tag oder sogar eine Woche da und straft einen Lügen.
Unvergessen ist etwa der Aushang der NZZ vom 16. September, wo sich die "alte Tante" in fetten Lettern über das "reinigende Gewitter" (an den US-Börsen) freute. Uuups: Genau am 16. crashten die Börsen dann wirklich heftig und wer von "reinigend" sprach, dachte nun auch an "Kind mit dem Bade ausschütten."
Auch ganz schön fanden wir die Schlagzeile in der 'Handelszeitung' diesen Mittwoch: "Schweiz: Die Firmen retten sich selbst". Und noch bis nächsten Dienstag, dürfen wir uns anhand des Aushangs der 'Weltwoche' an das Prinzip "der Wunsch ist der Vater des Gedankens" erinnern. Schliesslich beweist das Blatt stringent, dass "die Schweizer Grossbanken aus der Krise trotz Fehlern gestärkt" hervorgehen. Da scheint uns die linke 'WochenZeitung' fast schon ideologiefrei daherzukommen ...
Versprochen: Wir werden Sie vor Prognosen zur Finanzkrise verschonen und glauben eh niemandem mehr etwas. Sie etwa?
Auch verschont haben wir Sie vor DEM Ereignis der letzten Tage. Am 10.10. war nämlich "Welt-Ei-Tag". Eine riesige, von den fiesen Eiermultis organisierte Schweinerei, findet Maqui.de, denn es handelt sich "bei all den für die Eiproduktion ausgebeuteten Hennen um Qualzüchtungen, die unabhängig von der Haltungsform darunter leiden, von der Geschlechtsreife an fast täglich ein Ei legen zu müssen." Ihre Brüder habens nicht besser: "Die männlichen Geschwister der Legehennen werden, da sie für die Mast nicht geeignet sind, unmittelbar nach dem Schlüpfen vermust oder vergast." Hühner sind arme Schweine, kann man da nur noch sagen und sich fest vornehmen, diesmal auf den Gang zum "Bauernmarkt in Vaduz" zu verzichten. Obwohl die PR sehr verlockend tönt: "Von erntefrischem Gemüse über hausgemachte Spezialitäten, Milchprodukte bis zu Eiern und Nudeln kann alles frisch vom Produzenten gekauft werden."
Vielleicht ist der Bauernmarkt in Vaduz eh nicht so gesund, wie das Liechtensteiner Amt für Gesundheit behauptet. Denn Bauern haben Hunde und die haben Mäuler und das ist schlecht, denn: "Hundemaul als Bakterienschleuder", wie der Pressedienst pte herausfand.
Da machen wir alles lieber nur noch online. Wir verbringen ja eh schon viel mehr Zeit im Web als auf dem Velo, was eigentlich gesünder wäre. Online essen, zum Beispiel, auf dem "neuen Gourmet-Portal". Da hat es nämlich "in etwa 5.000 Köstlichkeiten, die darauf warten, nachgekocht zu werden." Warum soll ich die kochen, wenn sie schon da sind? Ausserdem machen mich die Schwestern nicht der Hühner sondern von "Gute Küche Schweiz" äs bitzeli misstrauisch. Die Site gabs nämlich zuerst in Österreich und in Deutschland. Und was lesen wir da: "Die 60. Deutsche Weinkönigin heißt Marlies Dumbsky." Prost! (Christoph Hugenschmidt)

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