Leider Nein (Sommerliche Episode)

3. Juli 2009, 16:17
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Freitagabend: Sommerliche Ruhe legt sich über den Zürcher Kreis 4. Wer immer kann, flüchtet badehosebewehrt aus den Strassenschluchten in Richtung See. Statt dass Lieferwagen an allen Ecken und Enden kreuz und quer herumstehend ihren Beitrag zur Verkehrsberuhigung leisten, flitzen VelofahrerInnen flüsterleise durch die Quartierstrassen. Kinder scheppern auf Rollbrettern. Man möchte nur noch eins: Ein Lounge Lizard sein.
Ruhe? Im Chreis Cheib? Nur ein paar Strassen weiter sorgt das Caliente-Festival dafür, dass der Sommer ganz unschweizerische Temperaturen annimmt.
Mein Velo draussen vor der Tür wiehert leise - Zeit, abzuhauen. Westwärts bis es nicht mehr weiter geht, dort, wo die Austern wohnen und Salicorne als Gemüse gilt. Ich muss mich beeilen, denn Austern gibt es nur noch dieses Jahr. Wie bei uns die Bienen, leiden auch die starken Muscheln an Frankreichs Küsten an rätselhaften Krankheiten. 2010 wird es nicht viele haben - sie sind letztes Jahr schon als Muschelbabies zu Millionen gestorben. Die Wissenschaft rätselt über die Gründe: Höhere Meerestemperaturen? Zu viel Schwermetalle? Die Radioaktivität aus La Hague? Viren? Bakterien? Genau: "Mein Auto fährt auch ohne Austern!"
Das Gute daran: Tote Austern beissen nicht. "MRSA-Risiko durch Hunde- und Katzenbisse steigt", wusste pte am 22. Juni zu berichten. Vielleicht mögen die Austern einfach auch nicht mehr. Haben keine Lust mehr auf Vermehrung, weil das Resultat der mühseligen Fortpflanzerei doch immer nur auf dem Teller von Schweizer Velotouristen landet. Ganz anders sehen das die Krebse: "Riesensperma schon bei fossilen Krebsen ein Erfolg" (pte am 19. Juni). Auch den Mammuts scheint es besser zu gehen: "Englische Mammuts leben länger." (pte 19.6.). Dazu passend die Werbung: "Abonnieren auch Sie kostenlos die Topnews aus den Zukunftsbranchen!".
Auch ziemlich zukunftsweisend fanden wir die Tatsache, dass das Fürstentum Liechtenstein am 18. Juni an der "20. Gleichstellungskonferenz der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein" teilgenommen hat. Schon die 20. Konferenz - langsam wäre es Zeit für Resultate. Und richtig beeindruckend finden wir, dass sich das Fürstentum für demokratische Wahlen in Afghanistan mit einer Spende von sage und schreibe 15'000 Euro einsetzt und damit ein starkes Zeichen gegen den Aufruf zum Wahlboykott durch Mullah Omar setzt. Wenn man schon den Fürsten und seinen Mullah, äh Erzbischoff, Haas nicht abwählen kann, so finden wir es doch toll, dass Liechtenstein wenigstens die Demokratie oder so in Afghanistan unterstützt. (Christoph Hugenschmidt)

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