Leider Nein (touristische Folge)

24. Juni 2011, 15:44
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Ein Tabu ist - danke, liebes Wikipedia - ein unausgesprochenes, absolut geltendes, gesellschaftliches Verbot. Tabus sind unhinterfragt, strikt, bedingungslos. Doch was ist ein "Interaktiver Tabubrecher im Netz"? Für einmal waren wir fast froh darüber, dass es sich nur um einen PR-Furz für eine Mundspülung und nicht etwa um eine Webseite für militante Anhänger des Kindsmissbrauchs handelt.
Nicht im Netz aber möglicherweise interaktiv und vielleicht sogar das eine oder andere Tabu brechend scheint uns das "Große Breznsuppenfest & Dirndl Gaudi", das diesen Sonntag die Menschen in Wörgl (das gibts) begeistern wird, zumal es nicht nur ein Dirndlgaudi (nicht nur wir, auch Tourismuspresse.at hat so seine liebe Mühe mit der Frage, welche Wörter man nun zusammen und welche getrennt und welche sowieso mit Bindestrichlein zu schreiben sind) geben wird, sondern auch die "wahrscheinlich größte Laugenbreze Tirols". Fahren Sie unbedingt rechtzeitig los zum "Breznsuppenfest", denn der "Frühschoppen" beginnt schon um 10 Uhr und vergessen Sie nicht, sich richtig zu kleiden, damit Sie nicht versehentlich ein anderes als das geplante Tabu brechen: "Wer mag sollte unbedingt im traditionellen Tiroler Outfit wie Dirndl und Lederhosen kommen, denn der SCW sucht das fescheste Wörgler Trachtenpärchen." Zwar nicht die Kommaregel, aber immerhin der Sonntag ist damit gerettet.
Und wenn wir schon da sind, könnten wir auch grad noch im Kurhotel Vollererhof in Puch vorbeischauen. Da hat man nämlich begriffen, wie es wirklich ist: "Der Journalistenberuf ist sehr stressig. Ständig unter Termindruck auf der Jagd nach guten Storys. Da bleibt nicht mehr viel Zeit, um an sich selbst zu denken." So ist es, lieber Vollererhof, so ist es. Und deshalb finden wir das "Vollererhof-Journalisten-Special" für nur 650 statt 840 Euro eine tolle Sache und sind überzeugt, dass gerade die "6 Leber-Heuwickel" ein absolut zielgruppengerechtes Angebot (bedenke Wörgl!) sind, zumal die "7 Tage F.X. Mayr ViMental Basis Kur" für lausige 980 statt 1185 Euro zu haben ist. Besonders wertvoll bei ViMental sind bestimmt auch "persönliche Gespräche mit der ärztlichen Leitung sowie dem Hotelinhaber über die Philosophie des Vollererhofs." Lieber Vollererhof: Dein Angebot ist sehr kulant, doch irgendwie hast du etwas an der Sache mit der Pressearbeit falsch verstanden, denn normalerweise werden Übernachtung und Nahrung als Gegenleistung dafür, dass die Bosse einem mit Propaganda zutexten dürfen, spendiert. Allenfalls könnte man darüber diskutieren, ob die "6 Leber-Heuwickel", ähnlich wie der Schlummi aus der Minibar, auf Spesen gehen könnten.
Fragen müsste man sich auch, ob der Vollererhof nicht eine Kooperation mit dem "Verband Deutscher Sektkellereien e.V." eingehen sollte. Der Verband hat nämlich im Mai schon zum 14. Mal den "Deutschen Sekttag" durchgezogen und vermeldet von Jahr zu Jahr steigendende Besucherzahl. Man lernt am "Deutschen Sekttag" nicht nur, wie eine Flasche aufzumachen ist (Hals abschlagen gilt nicht?), sondern hat "selbstverständlich die Möglichkeit, die Sekte der Häuser zu verkosten". Verspüren Sie auch plötzlich so Lust auf einen Leber Heuwickel? (Christoph Hugenschmidt)

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