Leider Nein (unverständliche Folge)

23. April 2010, 16:16
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Es gibt Stories, die macht man lieber und solche, die treiben einen in den Wahnsinn. Sehr mühsam ist es für uns Schreiberlinge, die wir uns in einer ziemlich technischen Welt bewegen, wenn wir nur Bahnhof verstehen, trotzdem aber das Gefühl haben, das Thema sei wichtig und würde Sie, der und die zum Lesen zu verführen Ziel aller unserer Anstrengungen sein muss, interessieren. Dann quälen wir uns durch Texte, verstehen nur halb, zu einem Viertel oder gar nicht und versuchen herauszufinden, um was es denn da gehen könnte. Anrufen und fragen geht auch schlecht, da wir erstens die Erfahrung haben, dass die Leute, die es erklären könnten, sowieso grad nicht da sind und wenn sie es wären, uns nach dem (langen) Gespräch oft noch verwirrter zurücklassen, als wir eh schon sind.
So macht man sich denn fluchend an die Detailanalyse, öffnet ungefähr 34 Register im Browser mit Artikeln von Wikipedia und anderen gescheiten Seiten, fragt den Leo und Kollegen und versucht, so gut es geht, den im Laufe der Recherche entstehenden, eigenen Text zu verstehen. "Das Transferieren von einer strukturierten Maske, in diesem Fall das molekulare Glas, in ein anderes Material ..." "Molekulares Glas"? "Strukturierte Maske"?
Ist das Ausgangsmaterial für eine Geschichte zu schwierig, so winkt wenigstens die Chance, sich selbst mit dem stolzen Gefühl, gescheiter geworden zu sein, belohnen zu können. In vielen anderen Fällen muss man hingegen befürchten, durch das Studium der eingesandten Mitteilungen nicht gescheiter, sondern dümmer zu werden.
So etwas könnte doch sogar direkt schädlich sein, oder? "Aber das Goldland ist in grosser Gefahr: Fifu und die Kinder fliegen durch die Nacht und eilen dem König zu Hilfe, um sein Reich in einem sportlichen Wettkampf zu verteidigen." Um genau diesen sportlichen Wettkampf geht es, denn das von Boris Becker präsentierte Werk "Fifu im Goldland bringt Bewegung ins Kinderzimmer". Nein, das kommentieren wir nicht weiter. Und Fragen haben wir auch keine mehr.
Und dann gibt es noch jene Mitteilungen, die wir sowohl viel zu einfach wie auch viel zu kompliziert finden und die uns ratlos-verwirrt-verblödet zurücklassen: "Wir freuen uns, Ihnen in der Beilage unsere Publikation von "Textil-Namensbänder gestalten so einfach wie nie zuvor!" zusenden zu dürfen und bitten Sie um Publikation in Ihrem Medium. Bei weiteren Fragen können Sie sich jederzeit gerne an uns wenden." Solche hätten wir schon: War es zuvor kompliziert, Textil-Namensbänder zu gestalten? Was sind Textil-Namensbänder und wer braucht die? Wozu? Und was, sehr geehrter Herr Geschäftsführer Dipl.-Ing., sollen wir von diesen Schlusssätzen in Ihrem E-Mail halten? "Der Inhalt dieser E-Mail ist vertraulich und ausschließlich für den bezeichneten Adressaten bestimmt. Wenn Sie nicht der vorgesehene Adressat dieser E-Mail oder dessen Vertreter sein sollten, so beachten Sie bitte, daß jede Form der Kenntnisnahme, Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe des Inhalts dieser E-Mail unzulässig ist. Wir bitten Sie, sich in diesem Fall mit dem Absender der E-Mail in Verbindung zu setzen."
Solange unser Medium nicht inside-Textilnamensbaender.ch heisst, sind wir auch nicht sicher, ob Ihr E-Mail wirklich für uns bestimmt war, was uns zur Frage, ob unsere "Form der Kenntnisnahme" nun zulässig oder nicht war, bewegt,die uns wiederum völlig ratlos zurückgelassen hat. Angerufen haben wir trotzdem nicht. (Christoph Hugenschmidt)

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