Leider Nein (verspätete Episode)

3. August 2009, 15:45
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Sommer! Seltsam leer aber trotzdem beschwingt-gemütlich scheint uns das Leben im Zürcher "Chreis Cheib". Es hat weniger Leute, weniger Autos vor allem, weniger Machos auf der Suche nach dem Kick, es gibt Platz in den Beizen und in der Badi - alle sind entspannt. Zu entspannt im Fall des Schreibenden, der vor lauter Gemütlichkeit und Laissez-faire doch glatt vergass, dass er am Freitag eine Kolumne zu schreiben hätte. Dabei gab es Stoff genug.
Leider Nein! sagten für einmal nicht wir, sondern das Zürcher Handelsregisteramt zu den neuen Statuten unseres Verlags, der Huron AG. Grund: Ein Paragraf, der notabene von demselben Amt genehmigt so schon seit fünf Jahren in Kraft ist. Wir dürfen die ganze Übung also wiederholen: Ausserordentliche GV auf dem Notariat und Einreichung der Statuten auf dem Handelsregister zur gnädigen Registrierung. Die Kosten der Bürokratie-beruhigenden Prozedur, die uns nix bringt aber wegen der verbockten Revision des Aktienrechts unter der Ägide des KMU-Freundes und abgew. Justiziministers Blocher nötig wurde, werden wohl 3000 Franken und damit 3 Prozent unseres Aktienkapitals überschreiten. Man stelle sich vor, irgendein durchgeknallter Roter würde von den Schweizer KMUs eine Sondersteuer von drei Prozent des Aktienkapitals zur Finanzierung von zusätzlichen Lehrstellen verlangen. Mindestens der Untergang der Marktwirtschaft, der Freiheit generell und sowieso des Abendlandes würde von denselben KMU-Freunden beschworen, die uns die idiotische Revision des Aktienrechts eingebrockt haben!
Wie Sie und wir ja wissen, ist die Krise von den Medien gemacht, denn dieselbigen bringen einfach zu wenig gute Nachrichten. Dabei gäbe es diese zuhauf. So ignorierten wir kaltschnäuzig die "ETH gestete" und "weltweit patentierte" Schweizer Erfindung fly-goodbye© , eine "rückwärts schiessende" Pistole zwecks Einsaugung von bösen Insekten.
Ebenfalls auf dem Altar unserer Gier nach schlechten Nachrichten geopfert wurde die erfreuliche Tatsache, dass Yvonne Roth vom Gartencenter Hoffmann in Unterengstringen nach hartem dreitägigen Wettkampf zur besten Floristin der Schweiz erkoren wurde und unser schönes, KMU- und blumenfreundliches Land am 13. Interflora Weltcup 2010 in Shanghai vertreten wird.
Und schliesslich fiel die gute Nachricht, dass der Elektroschockwaffen-Spezialist Taser International mit dem "Taser X3 das weltweit erste mehrschüssige Modell einer solchen Waffe vorgestellt" hat, der "wir-wollen-nur-schlechte-Nachrichten-Schere-im-Kopf" der Redaktion zum Opfer. Wie so oft muss man bei dieser Nachricht allerdings fragen, FÜR WEN sie denn eine gute sei. (Christoph Hugenschmidt)

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