Leider nein (VI)

30. November 2007, 17:26
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht

Es ist schon erstaunlich und auch ein bisschen frustrierend. Da geben wir uns Tag für Tag Mühe, für unsere geschätzte Leserschaft relevante, ja weltbewegende (zugegeben, unsere Welt ist manchmal recht klein) Stories zu finden und zu schreiben. Und was wollen alle immer nur lesen? "Leider nein"! Sie wollen also schlechtes, irrelevantes, doofes Zeugs? Die ganze Zeit immer nur das? Bitte.
Pressemitteilungen haben wir am liebsten per E-Mail. Nicht, dass wir dann leichter per copy-paste-"Journalismus" betreiben könnten - das überlassen wir den anderen. Aber es geht schneller und hinterlässt kein Altpapier. So staunen wir denn, dass es immer noch Firmen gibt, die ihre Werke per Schneckenpost verschicken. Samt Visitenkarte des "CEO", von Hand unterschriebenen Begleitschreiben und CD mit Bildern. Nur der Inhalt des Ganzen ist ein bisschen mager. Oder wollten Sie wirklich wissen, dass es nun - "Weltneuheit!" - eine PC-Tasche für Gamer gibt. In robustem Tarnstoff. "Das coole Trenddesign sorgt dafür, dass Mitspieler bereits vor dem Spielstart ins Staunen geraten." Wir sind uns gar nicht so sicher, ob militärische Tarnfarben heute noch ein "cooles Trenddesign" sind.
Die Nachricht, dass die Firma Databyte in Lübeck ein "innovativer Senkrechtstarter" ist und Platz 59 (!) im Ranking der am schnellsten wachsenden Technologie-Unternehmen belegt, kam per E-Mail. Das war das Beste daran.
Wichtig ist uns natürlich immer auch, was so im Ländle läuft. Am 26.11. übergab Bürgermeister Ewald Ospelt (wir dachten, der arbeitet bei irgendeiner Bank) einen Weihnachtsbaum an Regierungschef Otmar Hasler. Während sich die Liechtensteiner also gegenseitig Tannenbäume geben, sind die Letten da schon viel weiter. Die gaben ihren Bürgern nämlich grad nach dem Nationalfreiertag biometrische Reisepässe samt Chip mit Föteli und Fingerabdrücken. Wenigstens nicht in Tarnfarben.
Während ein Tannenbaum sehr wahrscheinlich relativ einfach zu benützen ist, ist das mit Heimelektronik anders. Ausser man nimmt Dynavisions SOLO HD 200. Das Ding muss unglaublich gut sein, denn es "ermöglicht, die bestehende Fernbedienung des TV Gerätes zu benutzen und zwar vollautomatisch per Knopfdruck." Haben Sie schon mal eine TV-Fernbedienung ohne Knopfdruck bedient? Was ist eine nicht-vollautomatische Fernbedienung? Den Pantoffel zielgenau auf die Programmwahltaste der Glotze schmeissen? Das SOLO HD 200 hat noch mehr Vorteile. Es kommt nämlich in einem Alu-Koffer, "der nach dem Auspackerlebnis zur Aufbewahrung von der privaten CD oder DVD Sammlung benutzt werden kann." Das gibt mir doch wieder mal ein richtiges Leseerlebnis fédéral von der PR.
Bisher haben wir Sie von Nachrichten von der Doping-Front verschont. Dabei sind die kleinen Leistungshelferlein bei uns in der Redaktion ein heiss diskutiertes Thema und mit Telekommunikation hat es auch noch zu tun. Besser: Hatte. Denn die deutsche Telekom ist diese Woche aus dem Apothekergeschäft, äh Radrennsport, ausgestiegen. Bleibt nur noch CSC als IT-affinen Grosssponsor bei den Profi-Gümmelern. Und CSC ist ja sowas von sauber. Der sportliche Leiter Bjarne Riis holte sich 1996 - "geladen" bis unter die letzte Haarspitze - den Tour-de-France-Sieg. Nun zapft man den Fahrern laufend Blut ab, analysiert es und schliesst es in ein Safe. Damit ist sichergestellt, dass "Fäbu" (Cancellara) nicht selbst mit Kuh-Hormonen herumspielt. Die Blutzapferei wäre auch ganz nützlich, falls jemand systematisch neue Dopingmethoden ausprobieren wollte - CSC kam mir schon immer verdammt fit vor. Es gilt die Unschuldsvermutung. (Christoph Hugenschmidt)

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