Leider nein (VII)

8. Februar 2008, 17:47
  • kolumne
  • leider nein
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht

Sie wissen gar nicht, was sie alles nicht wissen. Da Nicht-Wissen aber bekanntlich glücklich macht, geben wir uns unglaublich Mühe, an der Aufrechterhaltung dieses, Ihres Zustands mitzuhelfen. So brachten wir diese Schlagzeile einfach nicht: "Der Nacktmull kennt keinen Schmerz." Der ärmste Nacktmull (der afrikanische) lebt nämlich eng gedrängt in "stickigen Höhlen" (woher weiss der Wissenschaftsjournalist, dass die Höhlen des Nacktmulls stickig sind?) und ist gegen Säuren und Capsaicin (das ist das Zeugs, dass Chili scharf macht) völlig unempfindlich. Falls er doch empfindlich ist, die Forscher es aber einfach nicht merkten, weil sie mit dem Nacktmull nicht reden konnten, hatte er halt einfach Pech.
Schmerzempfindlich sind hingegen wir. Der Beweis - das hier tat uns weh: "Hohe Produktionsqualität, modernste Technologie, zeitgemässes, übersichtliches und offenes Design - in Anlehnung auf die Feng-Shui Charakteristik der gesamten KENNY'S Auto-Center AG - sowie direkte, verständliche Sprache repräsentieren die Firmenmerkmale der KENNY'S Auto-Center AG somit auch im Internet.
Und müssen wir das da wissen? "HumanConcepts ermöglicht Zurückschreiben von geänderten Persis-Daten aus OrgPlus". Auch vor der Tatsache, dass Infinion einen Blitzableiter für Handys entwickelt hat, haben wir sie verschont, ebenso wie wir die Ergebnisse der liechtensteinischen Gastwirteprüfungen kalt lächelnd unter dem Deckel halten. Dabei finden wir Gastwirte, respektive die Häuser, die sie betreiben, doch eigentlich immer ganz lustig. Wir wünschen also Jutta Ospelt (wir dachten immer, die hätte eine Bank), Muraz Öz, Antonio Rosenkranz und Hasan Sümbül viel Erfolg mit ihren Beizen im Ländle. Gar nicht mehr lustig finden wir hingegen die Zahlenbeigerei der Software-Lobby BSA, die uns pünktlich am 18. Dezember mit der unglaublich überraschenden Meldung, dass "jeder vierte Arbeitnehmer mit Internetzugang Online-Einkäufe im Büro" erledige. Tststs. Wie kann man nur! Denn: "Die BSA warnt aber vor technischen und rechtlichen Risiken unauthorisierter Internetnutzung im Büro."
Wir hingegen warnen vor Bundesräten. Denn was mussten wir am 13. Januar in der NZZ Online lesen: "Bundesrat Schmid verteidigt Wache mit geladener Waffe" Kein Wunder, steht es mit der Sicherheit in diesem Lande so schlecht, wenn nun sogar der Verteidigungsminister die Wachsoldaten mit geladener Waffe verteidigen muss. Ja können die sich nicht mehr selber wehren? Nun wissen wir wenigstens, warum Soldaten mit Pfefferspray ausgerüstet werden sollen. Der aber hat so seine Vorteile, man kann damit nämlich keinen Angriffskrieg führen, wenigstens nicht im grossen Masstab. Wie aber sollen wir dann die Ziele der KOF erreichen? "KOF sieht Schweiz noch stärker wachsen." (St. Galler Tagblatt, 18.12.06).
Überhaupt die Sicherheit. E-Banking ist unsicher, auf der Strasse ist es auch gefährlich und sogar Notebooks müssen sich wehren, wo sie nur können: "HP-Notebooks kämpfen mit Sicherheitslücke". (Computerworld, 17.12.06). Da wäre man doch fast lieber ein Nacktmull... (Christoph Hugenschmidt)

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