Lenovo drängt sich in die Cisco-EMC-Ehe

6. August 2012, 13:03
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EMC schliesst einen Serverpakt mit Lenovo ab und bringt Teile von Iomega in ein NAS-Joint Venture ein. Könnte dies das Verhältnis zu Cisco gefährden?

EMC schliesst einen Serverpakt mit Lenovo ab und bringt Teile von Iomega in ein NAS-Joint Venture ein. Könnte dies das Verhältnis zu Cisco gefährden?
EMC und Lenovo haben am letzten Mittwoch den Abschluss einer neuen strategischen Partnerschaft bekannt gegeben. Die Partnerschaft hat gemäss den beiden Unternehmen drei Teile. Erstens wollen sie in Zukunft bei der Entwicklung von x86-Standard-Servern zusammenarbeiten. Diese sollen von Lenovo vertrieben aber in gewisse EMC-Systeme "eingebettet" werden. Zweitens wird Lenovo im Rahmen einer OEM- und Reselling-Partnerschaft EMC-Storage-Systeme vertreiben, zuerst allerdings nur in China. Später soll diese Zusammenarbeit auf weitere Märkte ausgedehnt werden. Und drittens wollen die beiden gegen Ende dieses Jahres ein Joint Venture für das NAS-Geschäft im KMU-Segment gründen. EMC bringt darin Technologie und Ressourcen von Iomega ein, Lenovo beteiligt sich mit einer unbekannten Summe an Bargeld und übernimmt damit die Mehrheit des neuen Unternehmens.
Und Cisco?
EMC hat vor drei Monaten unter dem Namen VSPEX eine Sammlung von "Cloud-Referenzarchitekturen für Reseller" vorgestellt. Cisco war damals der einzige namentlich genannte Serverpartner, EMC hatte aber von Anfang an betont, dass die VSPEX-Architekturen auch mit Intel-basierten Servern anderer Hersteller funktionieren sollen. Rod Mathews, Senior Director für die Entwicklung neuer Geschäftsbereiche bei EMC, erklärte nun gegenüber der US-Ausgabe von 'Computer Reseller News', dass nun auch Lenovo-Server in die VSPEX-Vorlagen integriert würden. EMC wolle in diesem Bereich "sehr stark auf Lenovo fokussieren" und auch teilweise gemeinsames Marketing beteiben.
Bisher hat EMC im Bereich von Cloud Infrastrukturen vor allem sehr eng mit Cisco zusammengarbeitet. 2009 haben EMC und Cisco sogar ein zuerst Acadia, und mittlerweile VCE genanntes Joint Venture gegründet, das die sogenannten "vBlocks" vertreibt. vBlocks bestehen aus Storage-Systemen von EMC, Servern von Cisco und Virtualisierungssoftware von VMware. Wird die neue Nähe von EMC zu Lenovo im Serverbereich nun Spannungen im Verhältnis zwischen EMC und Cisco erzeugen? Oder ist dies sogar der Anfang vom Ende der "Serverehe" zwischen den beiden? EMC sagt nein. Rod Matthews erklärte, dass sich die Partnerschaften mit Cisco und Lenovo für EMC ergänzen. Cisco konzentriere sich vor allem auf das Geschäft mit Rechenzentern, Lenovo auf das Volumengeschäft. Cisco hat unseres Wissens bisher diese Partnerschaft nicht kommentiert.
Swinger-Party
Cisco dürfte wohl vor allem wenig Freude daran haben, wenn Lenovo der Hauptserverpartner von EMC auf dem chinesischen Markt wird, auf den natürlich auch Cisco ein begehrliches Auge geworfen hat. Insgesamt dürfte der Netzwerkriese die Sache aber als neue Wendung im ewigen Wechselspiel der Allianzen zwischen allen grossen IT-Herstellern hinnehmen. Diese sind sich daran gewöhnt in vielen Bereichen in immer wieder auch wechselnden Rollen sowohl Partner als auch Konkurrenten zu sein. Cisco selbst hat ja ebenfalls Partnerschaften mit EMC-Konkurrenten, beispielsweise NetApp. Oder wie es der Chef eines US-Solution Providers gegenüber 'CRN' ausdrückte: "Ich glaube, ich hätte eher Chancen nachzuvollziehen, was die Leute an einer Swinger-Party so treiben, als die Beziehungen zwischen EMC, VMware, Cisco, IBM und NetApp zu verstehen." (Hans Jörg Maron)

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