Liest Google E-Mails an Schweizer Banken?

7. Dezember 2009, 10:40
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Outsourcing der E-Mail-Sicherheitsüberprüfung von UBS, Credit Suisse und Vontobel an die Google-Tochter Postini sorgt für Erstaunen.

Outsourcing der E-Mail-Sicherheitsüberprüfung von UBS, Credit Suisse und Vontobel an die Google-Tochter Postini sorgt für Erstaunen.
Schweizer Banken wie etwa die UBS, Credit Suisse oder Vontobel lassen eingehende E-Mails vom amerikanischen Dienst Postini auf Spam prüfen. Dies berichtet der 'Tages-Anzeiger' in seiner heutigen Ausgabe. Mit den Dienstleistungen der Google-Tochter Postini lassen sich E-Mails auf Spam, Viren und "andere Angriffe" testen, wie es in der Dienstbeschreibung heisst. Dass gerade Grossbanken einen sensiblen Bereich wie Kommunikation outsourcen, sorgt in der Branche gemäss dem Bericht allerdings für Erstaunen.
Marc Ruef von der Zürcher Firma Scip sagte etwa gegenüber dem 'Tages-Anzeiger', dass er wegen Sicherheitsbedenken keiner Schweizer Bank raten würde, solche Dienste auszulagern. Auch IT-Sicherheitschef Peter Stalder des Lenzburger Bankensoftware-Herstellers Finnova zeigte sich gegenüber der Zeitung überrascht: "Ich hätte ein mulmiges Gefühl."
Neben den Sicherheitsbedenken gibt es offenbar auch juristische Vorbehalte. Ein "Pionier im Internetrecht einer renommierten Zürcher Rechtsanwaltskanzlei" (Tages-Anzeiger) beruhigt zwar, die Verträge seien sauber, dafür könne er garantieren. Er will allerdings anonym bleiben, da er Schweizer Firmen bei Verträgen mit Postini beraten habe. Sind die E-Mail-Daten also sicher, weil die Schweizer Banken bei einem rechtlich autonomen Google-Ableger in der Schweiz Kunde sind? Schwierig zu beurteilen bleibt aber offenbar, was passiert, wenn etwa eine amerikanische Behörde Druck auf Google ausüben würde.
Die Banken selbst sehen in ihrem Vorgehen keine Probleme, wie sie auf Anfrage der Zeitung unisono verlauten liessen. Google selbst will sich aus Geheimhaltungsgründen nicht äussern. (bt)

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