Linux ist kein Freiwilligen-Projekt mehr

29. April 2008, 09:57
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Über 70 Prozent der Beiträge zum Open-Source-Betriebssystem Linux stammt von bezahlten Firmenmitarbeitern.

Über 70 Prozent der Beiträge zum Open-Source-Betriebssystem Linux stammt von bezahlten Firmenmitarbeitern.
Obwohl das grundsätzlich kostenlose Open-Source-Betriebssystem Linux heute weit herum in geschäftlichen Umgebungen eingesetzt wird, hat es immer noch den Ruch eines "alternativen" Systems, das unermüdlich von Software-Cracks in ihrer Freizeit verbessert wird. Dem ist aber überhaupt nicht mehr so, wie aus einem interessanten Bericht der Linux Foundation hervor geht.
Die Zahl der an der herkulischen Arbeit der Verbesserung des Kerns (kernel) des Betriebssystems beteiligten EntwicklerInnen steigt gemäss der Untersuchung von Release zu Release fast regelmässig. Waren am Release 2.6.11. noch 483 EntwicklerInnen aus (mindestens) 71 Firmen beteiligt, so halfen bei der Verbesserung und Weiterentwicklung des Kernels 2.6.24 über 1'000 SpezialistInnen aus 186 Firmen mit. Ein grosser Brocken der Arbeit ruht allerdings auf reletiv wenig Schultern: Die 30 Top-Entwickler trugen ganze 30 Prozent zu allen Änderungen und Neuerungen bei.
Nur 14 Prozent der Beitragenden ist nicht bei einer Firma angestellt und 13 Prozent geben ihren Arbeitgeber nicht an. Damit stammen also mehr als 70 Prozent der Beiträge von Leuten, die bei einer (Gross-)Firma wie Red Hat, Novell, IBM, Intel, MIPS, Oracle, Google, NetApp oder HP ihre Brötchen verdienen. "Wir sehen, dass eine kleine Zahl von Firmen für einen grossen Teil der Beiträge zu Linux-Kernel verantwortlich ist. Doch es gibt einen 'long tail' von Firmen, die ebenfalls signifikante Änderungen beitragen. Vielleicht gibt es kein anderes Beispiel für eine gemeinsame Ressource, die von einer so grossen Gruppe unabhängiger Akteure in gemeinsamer Arbeit unterstützt wird", heisst es in dem Bericht.
Warum Grossfirmen Linux unterstützen
Die Linux Foundation analysiert ebenfalls die Beweggründe dafür, dass grosse (und andere) Firmen die Weiterentwicklung des Betriebssystem-Kerns unterstützen. Hardware-Hersteller wie IBM, HP, MIPS oder SGI tragen zu Linux bei, um sicherzustellen, dass das Betriebssystem auf ihren Systemen möglichst gut läuft.
Distributoren wie Red Hat und Novell konkurrenzieren sich zwar untereinander, haben aber ein natürliches Interesse daran, den Kernel laufend zu verbessern. Weitere Hersteller wie Sony, Nokia oder Samsung benützen Linux als Betriebssystem für Produkte wie Handy, TV-Geräte oder Set-Top-Boxen und tragen deshalb bei. Zum Schluss gibt es auch Nicht-IT-Firmen, die Linux unterstützen. So hat VW eine Schnittstelle zum CAN-Bus, der oft in Autos und anderen industriellen Anwendungen benützt wird, beigesteuert.
Riesiges Mengengerüst
Wie die Linux Foundation nachweist, verändert (verbessert) sich Linux weiterhin in sehr hohem Tempo. Ungefähr alle drei Monate wird eine neue Version des Kernels veröffentlicht, wobei sich die Zahl der Veränderungen seit der Version 2.6.11 (März 2005) laufend erhöht. Mit 2.6.11 gab es noch etwa 3'500 Verbesserungen - bei der neuesten Version 2.6.24 waren es schon über 9'000. Total umfasst der neueste Kernel nun gegen neun Millionen Zeilen Code. (Christoph Hugenschmidt)

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