"Locationgate": Apple antwortet (endlich)

27. April 2011, 15:40
  • international
  • apple
  • iphone
image

Gespeichert werden Mobilfunkmasten und Wi-Fi-Hotspots, sagt Apple, nicht der iPhone-Standort. Und verspricht in Kürze einige Änderungen.

Gespeichert werden Mobilfunkmasten und Wi-Fi-Hotspots, sagt Apple, nicht der iPhone-Standort. Und verspricht in Kürze einige Änderungen.
Apple hat sich nicht weniger als sechs Tage Zeit gelassen, um die Anschuldigungen zweier IT-Experten, Apple verfolge die Bewegungen von iPhone-Usern, zu entkräften. Die heute in Form einer Frage-und-Antwort-Liste veröffentlichte Begründung für die Existenz eines Files mit Standortdaten auf iPhones und die Übermittlung von Daten an Apple scheint nun aber zumindest plausibel und eingermassen entlastend. Vom Vorwurf, zumindest ungeschickt vorgegangen zu sein, kann sich Apple aber damit kaum befreien.
Apple, so erklärt das Unternehmen heute, unterhalte eine auf Daten der User beruhende Datenbank ("crowd-sourced database") über Wi-Fi-Hotspots und Funkmasten. Gespiesen werde diese, in dem die iPhones, anonymisiert und verschlüsselt, Daten über gerade in der Nähe gelegene Hotspots und Funkmasten an Apple übermitteln. Apple habe aufgrund dieser Daten keine Möglichkeit, den Standort eines individuellen Users zu ermitteln.
Warum zeichnet dann das iPhone seinen Standort regelmässig auf? Ebendies, so betont Apple, geschehe gerade nicht. Das auf iPhones gefundene File zeige nicht vergangene Standorte des Users. Vielmehr würden darin Daten über gerade in der Nähe gelegene Hotspots und Masten zwischengespeichert – ein kleiner Teil der oben erwähnten grossen Datenbank – die von Apple ans iPhone übermittelt werden, und nicht etwa umgekehrt. Das Smartphone verwende diese Daten, um auf Verlangen des Users innert Sekunden einen Standort liefern zu können – wenn man sich nur auf GPS-Daten abstütze, könne dies mehrere Minuten dauern.
Apple entdeckt "Bugs" und will sie beheben
Daran, dass dieses File nach einiger Zeit natürlich doch einem, wenn auch etwas gröberen, Bewegungsmuster entspricht, scheint keiner der doch sonst an sich klugen Köpfe bei Apple gedacht zu haben. (Und wird von Apple auch jetzt nicht ausdrücklich zugegeben.) Auch zur Frage, warum das File nicht zumindest verschlüsselt auf den iPhones gespeichert wird, äussert sich Apple nicht.
Dass frühere Daten bisher bis zu einem Jahr lang in diesem "Zwischenspeicher" liegen blieben, sei dagegen ein "Bug", sagt Apple, den man nun "entdeckt" habe. Man denke nicht, dass das iPhone die Daten mehr als sieben Tage lang speichern müsse. In einem kostenlosen (wow!) Update, der in den kommenden Wochen verteilt werden soll, werde dies so abgeändert.
Auch, dass das ominöse File nicht etwa gelöscht sondern weiterhin upgedatet wird, auch wenn der User in den Einstellungen ortsbasierten Services abschaltet, sei ein solcher jetzt entdeckter Bug, der mit diesem Update behoben werden soll. Die Sicherung der Datei auf PCs bei der Synchronisation soll damit ebenfalls unterbunden werden. (Hans Jörg Maron)
(Illustration: Zwei mit dem Tool "iPhone Tracker" visualisierte "Consolidated.db"-Files)

Loading

Mehr zum Thema

image

Emil-Frey-Angreifer erpressten weltweit 100 Millionen Dollar

FBI und CISA haben einen Bericht zur Ransomware-Bande Hive veröffentlicht. Emil Frey bezahlte wohl nicht, doch viele andere Opfer taten es.

publiziert am 18.11.2022
image

Vor 52 Jahren: Computermaus wird patentiert

Das Prinzip der Maus ist bis heute gleich geblieben. Verändert haben sich nur Nuancen.

publiziert am 18.11.2022
image

Inselstaat Tuvalu gründet "erste digitale Nation"

Der pazifische Inselstaat Tuvalu ist aufgrund des steigenden Meeresspiegels existenziell bedroht. Die Regierung möchte deshalb Land und Kultur in die Cloud verlegen.

publiziert am 18.11.2022
image

Schweizer Polizei verhaftet berüchtigten Cyberbanden-Chef

"Jabberzeus"-Anführer Vyacheslav "Tank" Penchukov wurde in Genf verhaftet. Schweizer Behörden wollen ihn nun an die USA ausliefern.

publiziert am 17.11.2022 3